Zukunftsmarkt Jagdwaffen

Der Jagdbetrieb hat sich in den vergangenen Jahren verändert und wird sich weiter verändern. Was das für die Jagdwaffenbranche bedeutet, analysiert Andreas Rockstroh. www.andreasrockstroh.de

Eine kleine Käuferschicht im In- und Ausland erwirbt weiterhin wertvolle kombinierte Kipplaufwaffen – wie die „Big Five“ von Krieghoff.
Eine kleine Käuferschicht im In- und Ausland erwirbt weiterhin wertvolle kombinierte Kipplaufwaffen – wie die „Big Five“ von Krieghoff.

Seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts haben sich die Niederwildbesätze (Hasen, Kaninchen, Fasanen, Rebhühner) fast überall in Deutschland rapide verschlechtert. Eine der Hauptursachen ist die flächendeckend industrialisierte Landwirtschaft mit großflächigen Monokulturen, die intensiv chemisch behandelt und maschinell bearbeitet werden. Dass wir mit dieser Einschätzung richtig liegen, wird dadurch belegt, dass es in den östlichen Bundesländern mit noch größeren Feldflächen noch schlechter um das Niederwild bestellt ist. Aber auch in niederwildfreundlichen Biotopen sind die Besätze zurückgegangen, da der Gesetzgeber die Bejagung des Raubwildes zunehmend erschwert hat. Und ohne intensive Raubwildbejagung lassen sich keine bejagbaren Fasanen- und Hasenbesätze hegen.

Die soeben gescholtene EU-Landwirtschaft mit riesigen Raps-, Getreide- und Maisschlägen erweist sich im Gegenzug als ausgesprochen hochwildfreundlich. Am meisten profitieren die Sauen davon, aber auch Rot-, Dam- und Muffelwild. Die Feldflächen bieten während der Vegetationsperiode ausgezeichnete Deckung und Äsung (Futter). Durch veränderte Forstwirtschaft mit reicher Naturverjüngung bietet auch der Wald nach der Maisernte Lebensräume mit guter Deckung und Winteräsung für alle Schalenwildarten vom Reh bis zum Hirsch. Im Sommer entsteht also Wildschaden im Feld, im Winter klagen Förster und Waldbesitzer über Verbiss- und Schälschäden. Dabei wird gern vergessen, dass wir Menschen die vermeintlichen Probleme verursacht haben.

 

Schrumpfender Jagdflinten-Markt

Soweit die veränderten Rahmenbedingungen, kurz und vereinfacht dargestellt. Die Niederwildjagd wird also in Deutschland weiter zurückgehen und sich auf einige wenige Regionen wie den Niederrhein, den Rheingau oder die Donauauen in Niederbayern beschränken, wo sich noch passable Besätze gehalten haben. Ein Teil der passionierten Flintenjäger wird im Ausland jagen. Gute Flintenjagden findet man heute vorwiegend in Großbritannien, Osteuropa und Südamerika.

Diese exklusive, aber recht kleine Gruppe von Auslandsjägern kauft auch zukünftig hochwertige, teure Flinten bis hin zu klassischen „Pärchen“ der englischen Nobelfirmen in den 50.000 Euro-Preislagen. Wem es gelingt, in arabischen und osteuropäischen Ländern in (neu)reichen Kreisen Kundschaft zu akquirieren, kann dort sein geschäftliches Auskommen finden. Doch die Zahl der Kundschaft ist, wie gesagt, klein und viele Mitbewerber buhlen um sie. Sinngemäß gilt das auch für Repetierbüchsen und kombinierte Kipplaufwaffen. Preislimits nach oben – besonders bei besagten Ausländern – kennt diese Käuferschicht kaum. Die oft mit Gold und Edelsteinen geschmückten Gewehre treffen zwar nicht immer unseren Geschmack, aber der Kunde ist halt König.

„Otto Normaljäger“, der in Deutschland hauptsächlich Sauen und Rehwild jagt und nur ab und zu auf Niederwild eingeladen wird, kauft sich meist eine maschinell gefertigte Flinte in der Preisklasse zwischen 1.000 und 2.500 Euro mit der er gelegentlich auf den Trap- oder Skeetstand geht. Vielleicht schießt er auch ab und zu auf einem der Jagdparcours. Und wer knapp bei Kasse ist, sucht sich auf dem übervollen Gebrauchtflinten-Markt eine für wenige 100 Euro. Was ich mit diesen etwas zynischen Bemerkungen sagen will: Der reine Jagdflinten-Markt ist zurzeit bei uns ziemlich tot. Neue Flinten erwerben hauptsächlich jagdliche Sportschützen und zwar gute Bockflinten mittlerer Preislage meist aus deutschen, italienischen und französischen Waffenschmieden im Kaliber 12/76, stahlschrottauglich mit Wechselchokes und umschaltbaren Einabzügen. Diese Flinten sieht man dann oft auch auf Niederwildjagden. Querflinten findet man immer seltener.

 

Der Repetierbüchsenmarkt boomt bedingt durch hohe Schalenwildstrecken. Zunehmend sieht man robuste Gebrauchswaffen, wie die Sauer 101 Classic XT.
Der Repetierbüchsenmarkt boomt bedingt durch hohe Schalenwildstrecken. Zunehmend sieht man robuste Gebrauchswaffen, wie die Sauer 101 Classic XT.

 

 

Boomender Büchsenmarkt

 

Die oben geschilderten hohen Schalenwildbestände haben jedoch den Büchsenmarkt beflügelt. Fast jeder Jäger in Deutschland besitzt heute mehrere Kugelwaffen. Auch kombinierte, meist Bockbüchsflinten und Drillinge, erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Bei jüngeren Jägern scheint das Interesse daran allerdings abzunehmen. Neuentwicklungen im Büchsenbereich werden hingegen eifrig diskutiert und sogar von Jägern gekauft, die schon „fast alles“ haben. Vier Zielgruppen in der Jägerschaft lassen sich unterscheiden (wobei die Grenzen zwischen den Gruppen fließend sind):

1. die wohlhabenden, traditionsbewussten Jäger, oft Jagdpächter

2. die gelegentlich Jagenden

3. die intensiv, oft beruflich oder nebenberuflich Jagenden, oft auch Hundeführer,

4. die Auslandsjäger

Die erste Gruppe (die Reihenfolge stellt keine Gewichtung dar) führt gern klassische, oft von Büchsenmachern handgefertigte Jagdwaffen. Diese Jäger haben Freude an guter Handarbeit, edlen Gravuren und wertvollen Schafthölzern. Sie sind eher bereit 10.000 Euro und mehr für eine Waffe auszugeben als andere. Edle Waffen stellen für sie ein Stück Jagdkultur dar. Dieser Jägertyp führt oft Kipplaufwaffen, ja manche lehnen Repetierbüchsen als zu militärisch anmutend ab. Diese Einstellung findet man übrigens auch recht oft in den östlichen deutschen Bundesländern. Sicherlich hängt das mit dem Repetierbüchsenverbot für Jäger zu DDR-Zeiten zusammen.

Diese traditionsbewussten Jäger setzen gern Bockbüchsflinten und Drillinge aus deutscher oder österreichischer Fertigung ein. Oft auch Bockdrillinge und Doppelbüchsen, bei entsprechenden finanziellen Möglichkeiten aufwendig graviert, mit edlem Schaftholz und Seitenschlossen. Auch moderne Kipplaufwaffen maschinell gefertigt, technisch perfekt und optisch ansprechend gestaltet, erfreuen sich großer Beliebtheit. Gut im Markt sind hier Firmen wie beispielsweise Blaser, Krieghoff und „die Suhler“.

Da jedoch die meisten Jäger in Deutschland fast ausschließlich auf Schalenwild jagen, werden zukünftig eher reine Kugelwaffen – Repetierbüchsen und halbautomatische Büchsen – den Markt dominieren. Die Exportchancen für kombinierte Kipplaufwaffen sind tendenziell gering. Es handelt sich eben um typische Gewehre für den deutschsprachigen Raum und einige Nachbarländer. Gelegentlich findet man Bockbüchsflinten und Drillinge in Skandinavien auf gemischten Herbstjagden.

Die zweite Gruppe – die gelegentlich Jagenden – sind schwerer einzuschätzen. Da hier die finanziellen Möglichkeiten oft beschränkt sind, entscheidet meist der Preis über den Waffenkauf. Oft erwerben diese Jäger auch Gebrauchtwaffen und nehmen unter finanziellen Aspekten technische Einschränkungen, beispielsweise bei älterer Zieloptik, in Kauf. Es gibt aber auch zunehmend beruflich sehr eingespannte Jäger, die zwar wenig Zeit zum Jagen finden, aber finanziell gut gestellt sind und nicht an ihrer Ausrüstung sparen. Das Beste ist dann gerade gut genug. Häufig erlangen diese Jäger den Jagdschein über Schnellkurse privater Jagdschulen. Eine Zielgruppe, die für geschickte Werbung empfänglich ist!

Wer im Ausbildungsprogramm der Jagdschulen Eingang findet, hat Vorsprung gegenüber anderen Anbietern.

Kommen wir zu Gruppe drei – die beruflich oder nebenberuflich Jagenden mit oft hohen Jahresstrecken besonders an Sauen und weiblichem Wild, also Förster, Berufsjäger, Jagdaufseher und Hundeführer. Bei Neuanschaffungen wählt diese Gruppe gegenwärtig fast ausschließlich technisch robuste Repetierbüchsen, oft auch Halbautomaten. Letztere wurden mittlerweile durch die hohen Sauenbestände „salonfähig“. Die Zeiten, in denen man mit einem Halbautomaten in die Kategorie „Schießer“ eingeordnet wurde, sind weitgehend vorbei.

 

Kunststoffschäfte gehören inzwischen zum Jagdalltag, ebenso wie Stainless-Büchsen. Noch vor 20 Jahren war dieser Markt auch bei uns fast ausschließlich von amerikanischen Firmen wie Winchester und Remington dominiert. Jäger, die mit solchen reinen Gebrauchswaffen jagten, wurden damals von Traditionalisten argwöhnisch betrachtet. Auch diese Zeiten sind vorbei. Die großen deutschen Firmen bieten seit Jahren erfolgreich robuste Gebrauchswaffen an, ja sie drängen zunehmend mit „abgespeckten“ Modellen und günstigen Preisen auf den ausländischen, speziell auf den riesigen amerikanischen Markt. Jüngste Beispiele sind die Mauser M 12 und die Sauer S 101, die außer Laufwechselmöglichkeiten alles aufweisen, was eine Repetierbüchse braucht, und zwar für rund 1.500 Euro. Und die Suhler Firma Haenel greift sogar mit Preisen um die 1.000 Euro an. Da werden etliche Amerikaner, ob Käufer oder Anbieter ins Grübeln kommen.

Und last but not least ist da noch der kleine, aber exklusive Kreis der engagierten Auslandsjäger. Damit meine ich nicht diejenigen, die gelegentlich mal ins benachbarte Ausland reisen, sondern jene, die regelmäßig mehrmals im Jahr aufwendige, teure Jagden in aller Welt unternehmen. Der Kreis ist im deutschsprachigen Raum sicherlich nicht größer als 10.000 potentielle Kunden. Dazu kommen (wie beim Flintenmarkt) sehr reiche Jäger aus dem arabischen, asiatischen und osteuropäischen Raum. Preise spielen bei dieser Käuferschicht eine untergeordnete Rolle. Sportliche Jäger suchen dabei die perfekte Ausrüstung, andere – Sie wissen schon, liebe Leser, welche Gruppe ich meine – eher Prestige-Waffen. Auch hier können Spezialisten, denen es gelungen ist, sich einen exzellenten Namen zu machen, gutes Geld verdienen.

Faustfeuerwaffen für Jäger stellen sicherlich nur eine Nische dar. Jäger benötigen sie großkalibrig für gelegentliche Fangschüsse, kleinkalibrig für die Raubwildjagd mit Falle und Bauhund. Theoretisch auch für die klassische Notwehrsituation, doch da hoffen alle, dass dieser Fall nie eintritt. Wer auf diesen Markt setzt, braucht eher Behördenaufträge oder er spezialisiert sich auf Sportschützen. 

 

Der Markt für reine Jagdflinten ist klein. Meist werden heute sportliche Bockflinten auch bei der Niederwildjagd geführt. Im Bild die F3 Grand Luxe von Blaser.
Der Markt für reine Jagdflinten ist klein. Meist werden heute sportliche Bockflinten auch bei der Niederwildjagd geführt. Im Bild die F3 Grand Luxe von Blaser.

Fazit

Der Markt für reine Jagdflinten schrumpft. Sportlichen Bockflinten, die auch zur Niederwildjagd eingesetzt werden, gehört die Zukunft. Der Markt für kombinierte Kipplaufwaffen stagniert. Ausnahme: Doppelbüchsen wegen der hohen Sauenbestände und vielen Drückjagden. Der Repetierbüchsenmarkt wird weiter boomen, wobei der Trend in Richtung robuster Gebrauchswaffen geht. Ein kleiner exklusiver Kreis in- und ausländischer Jäger erwirbt auch zukünftig hochwertige, handwerklich gefertigte, hochpreisige Waffen.