Wie einst Leonardo da Vinci

Im Waffenmuseum Suhl werden die Besucher auf die lange Tradition des Büchsenmacher-Handwerks in der Waffenstadt aufmerksam gemacht – auch durch einen Bereich, der der Berufsfachschule gewidmet ist.
Im Waffenmuseum Suhl werden die Besucher auf die lange Tradition des Büchsenmacher-Handwerks in der Waffenstadt aufmerksam gemacht – auch durch einen Bereich, der der Berufsfachschule gewidmet ist.

 

In unserer Serie „Berufe der Branche“ stellen wir Ihnen Ausbildungsberufe innerhalb der Waffenbranche vor. Wir beginnen mit dem Büchsenmacher.

 

Was haben der italienische Künstler Leonardo da Vinci und die heutigen Büchsenmacher gemein? Ganz einfach: Auch das berühmte Multitalent aus Italien arbeitete an Gewehren. Er war nämlich vermutlich der erste, der den Zündradmechanismus entwickelte.

Auch heute noch ist der Beruf des Büchsenmachers eher eine Berufung als nur ein Broterwerb: Für einige ist es die Erfüllung eines Kindheitstraumes, andere wachsen durch Vater und Großvater in das Metier hinein. Aber was ist so faszinierend an dieser Arbeit, zu der die moderne Bezeichnung „Job“ so gar nicht passen mag? Es ist die Kombination von traditionellem Handwerk und Hightech, das kreative und präzise Arbeiten mit herrlichen Materialien wie edlen Hölzern und Stählen. In der klassischen Ausübung dieses Berufs hat der Büchsenmacher das befriedigende Gefühl, am Ende eines Schaffungsprozesses ein hochwertiges und individuelles Handwerksstück in Händen zu halten – heutzutage beileibe keine Selbstverständlichkeit mehr. Und auch im Reparaturbereich ist jedes Projekt anders, weil eben jede Waffe anders ist. 

 

Voraussetzungen für den Beruf

Der Ausbildungsberuf Büchsenmacher / Büchsenmacherin ist staatlich anerkannt und untersteht dem Berufsfeld „Metallbauer“. Voraussetzung ist ein Hauptschulabschluss, einige Betriebe verlangen jedoch auch die mittlere Reife (Realschulabschluss). Die Lehre erfordert mechanisches und förmliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsvermögen und Voraussicht. Wer sich nicht die Hände dreckig machen möchte und anstrengende Arbeit scheut, ist hier ebenso fehl am Platze wie Technik- und Computermuffel. 

 

Inhalte der Ausbildung

In Deutschland findet die Büchsenmacherausbildung im Rahmen des dualen Ausbildungsprinzips statt, das heißt der Azubi erhält die praktische Ausbildung im Handwerksbetrieb, die theoretische als Blockunterricht an einer der zwei staatlichen Schulen in Suhl oder Ehingen (siehe Kasten). Alternativ kann die Ausbildung stationär als Fachschüler absolviert werden. Folgende Inhalte werden unter anderem vermittelt: Technische Mathematik, Waffenkunde mit Physik, Ballistik und Optik, Arbeitskunde/Fertigungstechnik, Werkstoffkunde mit Chemie, Technische Kommunikation, Waffenrecht, Arbeitssicherheit/Unfallverhütung, Qualitätsmanagement, Wirtschaftskunde, Gemeinschaftskunde, Deutsch. Die Praxisausbildung beinhaltet eine Metall-Grundausbildung, die Arbeit an Luftdruckwaffen, einen Maschinenkurs, die Herstellung weißfertiger Waffen aus Einzelteilen, die Montage und Demontage von Kurzwaffen, Schäfterarbeiten, Zielfernrohrmontagen und die Reparatur von Jagd- und Sportwaffen. Die Ausbildung wird als staatlich geprüfter Büchsenmacher bzw. staatlich geprüfte Büchsen-macherin abgeschlos-

sen. Eine Gesellenprüfung gemeinsam mit der Abschlussprüfung ist auf Antrag bei der Handwerkskammer möglich. Die Anmeldungen für die Ausbildungsplätze sind eher rückläufig, jedoch gibt es immer noch mehr Bewerber, als Platz in den Klassen ist. Obwohl zum Beispiel im jagdlichen Bereich die Frauen auf dem Vormarsch sind, ist dies im Büchsenmacherberuf nicht zu beobachten.

Wer sich weiterbilden möchte, kann sowohl in Suhl als auch in Ehingen eine Meisterprüfung ablegen. Die Lehrgänge dafür werden nach Anfrage zusammengestellt und finden daher nicht jedes Jahr statt.

In Österreich wird die Ausbildung zum Büchsenmacher bzw. zur Büchsenmacherin in der Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Ferlach angeboten.

 
Von der Zeichnung bis zur fertigen Waffe – Auszubildende des Büchsenmacher-Handwerks lernen, wie es geht.
Von der Zeichnung bis zur fertigen Waffe – Auszubildende des Büchsenmacher-Handwerks lernen, wie es geht.

 

Weiterführende Informationen

 

Deutschland

Berufsfachschule für Büchsenmacher und Graveure

Robert-Schumann-Straße 6

98529 Suhl

Telefon 03681-7146-0

Fax 03681-7146-25

schulteil-suhl@sbbz-szm.de

www.buechsenmacher-ausbildung-suhl.de

 

Gewerbliche Schule Ehingen

Weiherstraße 10

89584 Ehingen

Telefon 07391-5803-0

Fax 07391-5803-1071

mail@gbs-ehingen.de

www.gbs-ehingen.de

 

Weiterführende Infos:

www.buechsenmacherinnung.de

 

Österreich

Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt Ferlach

Schulhausgasse 10

9170 Ferlach

Österreich (Kärnten)

Telefon +43(0)4227-2331-0

Fax +43(0)4227-2331-37

direktion@htl-ferlach.at

www.htl-ferlach.at

 

Schweiz

In der Schweiz findet der Theorieunterricht gemeinsam mit den Polymechanikern in den Berufsschulen sowie mittels Fachkursen in der Berufsschule Lenzburg statt:

Neuhofstrasse 36

5600 Lenzburg

Telefon +41(0)62885 39-00

Fax +41(0)62885 39-01 

sekretariat@bslenzburg.ch

www.bslenzburg.ch