Graveur – kreativ und vielseitig

Im Graveurhandwerk werden Technik und Kunst vereint. Künstlerisches Handwerk wie Zeichnen und Proportionsverständnis treffen auf technische Gegebenheiten wie das Zusammenspiel der Materialien und der Umgang mit Spezialwerkzeug.
Im Graveurhandwerk werden Technik und Kunst vereint. Künstlerisches Handwerk wie Zeichnen und Proportionsverständnis treffen auf technische Gegebenheiten wie das Zusammenspiel der Materialien und der Umgang mit Spezialwerkzeug.

Interesse an kreativer Handarbeit, die Liebe für unterschiedliche Materialien, ein ausgeprägtes künstlerisches Talent und zeichnerische Fähigkeiten sowie technisches Verständnis – das sind die Voraussetzungen für den Beruf des Graveurs. 

Schon in der Steinzeit diente das Gravieren der Kennzeichnung des Eigentums. Waffen, Werkzeuge und andere Gebrauchsgegenstände konnten auf diese Weise von ihren jeweiligen Besitzern besser voneinander unterschieden werden. Im Laufe der Zeit kam der Gedanke der Verzierung und Verschönerung – also des schmückenden Beiwerks – dazu, und so entstehen durch Gravuren mitunter wahre individuelle Kunstwerke. 

Die Technik hat sich dabei bis heute nicht sonderlich verändert: „Noch immer wird in erster Linie mit Hammer und Stichel, also mit der Hand gearbeitet. Bedingt durch die späteren beruflichen Anforderungen in einigen Graveurbetrieben werden seit einigen Jahren verstärkt die CNC-Technik und weitere moderne Maschinen eingesetzt“, erklärt Wilma Wolf, Lehrerin an der Berufsfachschule für Büchsenmacher und Graveure in Suhl, die in dieser Kombination einzigartig in Deutschland ist: Die Ausbildungsschwerpunkte liegen hier neben der Flachstichtechnik und der Reliefgravur auch in der Tauschierung – einer Einlegearbeit von Linien, Flächen oder Monogrammen aus Silber und Gold in Stahl, ähnlich der Intarsienarbeit in Holz. 

Seit 2011 unterrichtet die Graveurmeisterin hier. Sie hat sich 1992 in Folge der Meisterausbildung selbstständig gemacht. Ihre Lehre zur Graveurin hat die 50-jährige im Jahr 1980 gemacht. „Schon als Kind habe ich sehr gern gezeichnet“, erzählt uns Wilma Wolf, die heute vor allem Schmuck und Jagdwaffen graviert. „Ein Besuch im Waffenmuseum hat mich dann damals auf die Idee gebracht.“ 

Der Berufswunsch des Graveurs bzw. des Büchsenmachers ist in der Suhler Region nicht ungewöhnlich, denn gerade hier hat dieses Handwerk eine lange Tradition. Bedingt durch den Eisenerzbergbau ist die Waffenindustrie bereits seit rund 460 Jahren in und um Suhl herum angesiedelt. Somit herrschen unter anderem durch die Suhler Jagd- und Sportwaffen GmbH sowie eine Vielzahl privater Meisterbetriebe in der Region und nicht zuletzt durch das ortsansässige Waffenmuseum für die Ausbildung zum Beruf des Graveurs bzw. Büchsenmachers seit jeher hervorragende Bedingungen. 

Die Berufsfachschule für Büchsenmacher und Graveure (im Staatlichen Berufsbildungszentrum Suhl/Zella-Mehlis) bildet seit 1992 aus. Anlässlich ihres 20-jährigen Jubiläums fand im Suhler Waffenmuseum im Jahr 2012 auch eine Ausstellung statt, um diesen attraktiven Beruf vorzustellen und für ihn zu werben. „Graveure versehen die Oberflächen der unterschiedlichsten Zier-, Schmuck- und Gebrauchsgegenstände aus Metall – in erster Linie Stahl, aber auch Messing, Kupfer und Zinn – mit Beschriftungen, Ornamenten oder bildlichen Darstellungen“, so die Graveurmeisterin. „Dabei gibt es Ornamente, die typisch für Suhl sind. Der Beruf ist unglaublich vielseitig und man kann seine Phantasie mit einfließen lassen.“

Die rein schulische Ausbildung zum staatlich geprüften Graveur in Suhl dauert 3 Jahre und ist im Verhältnis 2:1 von Theorie und Praxis aufgebaut. Zusätzlich ist ein 14-wöchiges Betriebspraktikum vorgesehen. Zu den Inhalten zählen dabei unter anderem das Anfertigen von Zeichnungen, Stempeln und Prägewerkzeugen, ein Grundlehrgang in Metall, die Gravur einer Doppelflinte im zweiten Ausbildungsjahr sowie das Bedienen von CNC-Graviermaschinen. Auf Antrag ist das Ablegen der Gesellenprüfung über die Handwerkerinnung möglich. Die Anmeldung zur Ausbildung als Graveur erfolgt jeweils bis 31. März eines Jahres. 

Derzeit befinden sich 12 überwiegend weibliche Auszubildende in Suhl – die meisten von ihnen natürlich mit dem Wunsch, anschließend als Jagdwaffengraveur zu arbeiten.

www.graveur-ausbildung-suhl.de 

www.waffenmuseumsuhl.de