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28

Jul

2014

Schießsport mit Behinderung

Vom 18. bis 26. Juli finden in Suhl die IPC Shooting World Championships 2014 statt, bei der rund 300 Athleten aus 50 Ländern antreten werden. Es ist das weltweit bedeutungsvollste Wettkampfereignis der Sportschützen mit Behinderung zwischen den Paralympics 2012 und 2016. Grund genug, sich einmal dem Thema Schießsport mit Behinderung zu widmen. Was bedeutet es, mit Behinderung Sportschütze zu sein? Welche Anforderungen werden – je nach Art bzw. Grad der Behinderung – an die Sportgeräte gestellt? Welche Hilfsmittel werden beispielsweise benötigt? 

 
Sportschützin Manuela Schmermund gewann u. a. Silber bei den Paralympics 2012 in der Disziplin Luftgewehr.
Sportschützin Manuela Schmermund gewann u. a. Silber bei den Paralympics 2012 in der Disziplin Luftgewehr.

Mit Hilfe der Optronic können auch blinde Schützen den Schießsport ausüben: Sie setzt Lichtstärken in Töne um.
Mit Hilfe der Optronic können auch blinde Schützen den Schießsport ausüben: Sie setzt Lichtstärken in Töne um.

„In der Regel unterliegen unsere Sportgeräte den gleichen internationalen Vorgaben, wie die der nichtbehinderten Sportschützen“, erklärt Manuela Schmermund, Gewehrschützin und mehrfache Paralympics-Medaillengewinnerin. Die 42-jährige ist seit einem Autounfall 1992 querschnittsgelähmt, hat jedoch volle Armfunktionen und ist somit in die Startklasse SH1 klassifiziert. Die Schützen in dieser Startklasse SH1 (ohne funktionelle Einschränkung der Arme) unterliegen den Vorgaben der ISSF, was bedeutet, dass sie genau die gleichen Sportgeräte nutzen, wie die Nichtbehinderten. In der Startklasse SH2 – also mit funktioneller Einschränkung der Arme – sind es ebenfalls die gleichen Sportgeräte, wobei lediglich individuelle Anpassungen vorgenommen werden und die Sportgeräte so aussehen, wie bei den aufgelegt schießenden Schützen des nichtbehinderten Bereiches. „Als Hilfsmittel nutzen Schützen der Startklasse SH2 einen sogenannten Federbock“, so Schmermund. Die Startklasse SH3 bezeichnet die Schützen mit einer visuellen Einschränkung, also sehgeschädigte Schützen. Sehbehinderte und Blinde brauchen ein akustisches Hilfsmittel, die Optronic. Sie sieht aus wie ein Zielfernrohr und wandelt einfallendes Licht in einen Summton, den der Schütze über Kopfhörer empfängt. Dafür werden besondere Schießscheiben benötigt, deren Ringe von außen nach innen farblich heller werden. 

Die Hilfsmittel sollen den behinderten Schützen die Möglichkeit geben, ihren Sport auszuüben und durch deren Verwendung in der Lage sein, bei gleichem Trainingsvolumen etwa das gleiche Ergebnis zu erzielen wie nichtbehinderte Schützen. Doch es geht sogar noch einen Schritt weiter: Weil die Inklusion für den DSB, der seit Ende der 80er-Jahre mit dem DBS zusammenarbeitet, ein großes Thema ist, können SH1-Schützen ab dem neuen Sportjahr (Beginn 1. Oktober 2014) in normale Mannschaften, die ihrem Alter entsprechen, im Meisterschaftssystem des DSB integriert werden. Denn da auch Behinderte grundsätzlich nach den Regeln der ISSF schießen, mussten lediglich die notwendigen Hilfsmittel (Rollstühle, spezielle Hocker oder Hilfen für die Entlastung der Waffen) vom IPC-Regelwerk in die DSB-Sportordnung übernommen werden. Sämtliche diesbezügliche Reglungen sind im neuen Behindertenteil 10 zusammengefasst. 

Manuela Schmermund, Sportlerin des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands, begrüßt diese neue Entwicklung und lobt die bereits seit drei Jahren bestehende gleichberechtigte Teilnahme an den Ligawettkämpfen des DSB für Schützen der Startklasse SH1 im Gewehrbereich und der klassifizierten Schützen im Pistolenbereich außerordentlich: „Wir haben bereits seit vielen Jahren von Seiten der Schützen mit Einschränkungen den Anlauf unternommen, gemeinsam im Ligabetrieb zu schießen. In einigen Landesverbänden geschieht dies auch schon seit über 10 Jahren. Vorreiter ist hier Hessen. Nach nunmehr 3 Jahren gemeinsamer Bundesligaerfahrung hat sich gezeigt, dass die Befürchtungen, die vorab herrschten, allesamt widerlegt werden konnten und es jetzt schon ‚normal‘ geworden ist, auch einen Rollstuhlfahrer vor oder hinter sich stehen zu haben. Der nächste Schritt der Einbindung in das Meisterschaftssystem erfolgt nun auch schon und dies zeigt, was alles möglich ist. Besonders toll ist, dass hier der Deutsche Schützenbund im deutschen Sport ein echtes Vorbild in Sachen Inklusion ist.“ (www.dbs-npc.de + www.drs.org

 

www.dsb.de

www.ipc-shooting.org