Das Biathlongewehr 1827F

Jochen Anschütz (links) führt die Entwicklung weiter, die bereits sein Vater Dieter Anschütz über viele Jahre begleitet hat.
Jochen Anschütz (links) führt die Entwicklung weiter, die bereits sein Vater Dieter Anschütz über viele Jahre begleitet hat.

Als die Bundeswehr 1975 mit der Bitte an Dieter Anschütz herantrat, für die deutsche Mannschaft anlässlich der bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Innsbruck 1976 ein Zentralfeuergewehr zu entwickeln, das einen geringeren Rückstoß erzeugt, war der Firmenchef davon überzeugt, dass der Biathlonsport als Wettkampfart mit einem Kleinkalibergewehr im Kaliber .22 l.r. erfolgreicher sein müsste, als mit Großkaliber-Zentralfeuergewehren. Die Vorteile lagen auf der Hand: weniger Platzbedarf aufgrund geringerer Schießentfernung, kleinere Zielscheiben, preiswertere Munition und niedrigerer Geräuschpegel. Es entstand eine Waffe im Kaliber .222 Zentralfeuer, bei der das Anschütz-System 54, das bereits weltweit als beste Kleinkaliberwaffe im Matchbereich galt, verwendet wurde. Anfangs wurden nur Drehverschlüsse (Zylinderverschlüsse) zugelassen. Das nach 1978 für den Biathlonsport vorgeschriebene Kleinkalibergewehr, ein Patronenrandzünder im Kaliber .22 l.r. (5,6 mm), ist relativ schwer (7,5 kg) und hat einen Zylinderverschluss mit seitlichem Kammerstengel, der beim Laden angehoben und zurückgezogen wird, um die Patrone von Hand in den Lauf einzuführen. Doch seitdem ist nicht nur der Jagd- und Sportwaffenhersteller aus Ulm damit beschäftigt, das Biathlongewehr ständig weiterzuentwickeln – etwa um die Zeit für den Repetiervorgang zu verkürzen, denn: Schnelligkeit ist Trumpf! Da das Sportgerät beim Zielvorgang in ständiger leichter Bewegung ist, also nicht absolut ruhig gehalten werden kann, ist es für den Biathleten von großer Bedeutung, dass das Geschoss so schnell wie möglich nach dem Auslösen des Schusses den Lauf verlässt, um Zielfehler zu reduzieren. In Finnland wurde beispielsweise zunächst ein Gewehr mit seitlichem Kniehebelverschluss (Finn-Biathlon) entwickelt, das heute vom Markt verschwunden ist. Nachteile waren der weit von der Mittelachse entfernte seitliche Spannhebel und der lange Spannweg, was die Stabilität von Schütze und Gewehr beeinträchtigt hat. Bei dem heute noch in Russland gefertigten – gegenüber dem Finn-Biathlon verbesserten – Kleinkaliber-Biathlongewehr besteht ebenfalls die Gefahr, dass es durch den seitlich ausgelagerten Spannmechanismus beim Repetieren verzogen wird. Der daraufhin entwickelte Pistolengriff-Repetierer, bei dem der Repetiervorgang durch ein Schwenken des Pistolengriffs in axialer Richtung zur Laufachse erfolgt, wird heute nicht mehr produziert. Das Gewehr wurde zwar nicht seitlich durch den Ladevorgang verzogen, es bestand jedoch die Gefahr, dass sich durch das Schwenken des Pistolengriffes dieser Vorgang auch auf die Schulter übertragen konnte und so die Zielfindung nach dem Repetiervorgang erschwert wurde. Von all diesen Systementwicklungen hat sich schließlich das Anschütz 1827F Biathlongewehr durchgesetzt: Als die Regel der Drehverschlüsse aufgegeben wurde, änderte der Büchsenmacher Peter Fortner 1984 das Anschütz 54 Biathlongewehr in ein Gewehr mit Geradezugverschluss um. Dieser Fortner-Geradezug-Repetierverschluss ist sehr leichtgängig und kann sehr schnell mit dem Zeigefinger geöffnet und mit dem Daumen wieder zentrisch geschlossen werden. Die axiale Verschlussführung zur Laufachse erleichtert die Zielfindung nach dem Repetiervorgang, da eine Verdrehung bzw. ein Verrutschen des Schaftes in der Schulter nicht stattfinden kann, denn der Ladevorgang erfolgt aus dem Handgelenk heraus, wobei die Hand nicht vom Griff des Gewehres weggenommen werden muss. Daher bleibt das Biathlongewehr im Anschlag sehr ruhig. Darüber hinaus ist die extrem kurze Schussentwicklungszeit mit dem Geradezugverschluss von 3,5 bis 4 m/s in Verbindung mit der Möglichkeit eines extrem schnellen Repetierens unerreicht. Unerreicht ist außerdem die Schusspräzision der im Anschütz-Spezialverfahren hergestellten, kältegetesteten Präzisionsläufe, die in einer leichten Sprint­ausführung erhältlich sind (Gesamtgewicht des Gewehrs ca. 3,7 kg). www.anschuetz-sport.com