Die wollen nur spielen - Trend „Fun-Shooting“

Cowboy und Indianer spielen: ein Kindheitstraum! Zu verwirklichen zum Beispiel mit der Dagrecker-Box. Die mobile Variante der Dagrecker-Box konnten die Besucher des Sommerfestes im Verlag J. Neumann-Neudamm selbst testen. Den Dagrecker-Truck kann man mieten und so den Schießspaß direkt zum Event kommen lassen.



Schießen – nur mal so zum Spaß, nicht im Verein, ohne sportliche Ambitionen, nicht zur Jagd: geht das überhaupt? Aber ja! Beim sogenannten Fun-Shooting.

Waffengegner rümpfen darüber missbilligend die Nase. Sie sind der Meinung: Wenn schon geschossen werden muss, dann bitte schön mit Sinn und Verstand, mit einem ernsthaften Ziel. Ernsthaft sind beim Spaß-Schießen allerdings nur die Sicherheitsvorkehrungen – die dafür ganz besonders. Denn viele Kunden haben bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine Waffe in der Hand gehabt. Die Anwesenheit eines erfahrenen und besonnenen Schießausbilders ist also oberstes Gebot.

Jürgen Kohlheim, Vizepräsident Recht des Deutschen Schützenbundes (DSB), begrüßt ein solches Fun-Shooting, sofern es unter den Sicherheitsvorgaben des DSB mit den durch die Sportordnung des DSB zugelassenen Waffen und die entsprechende Munition und unter Anweisung durch eine dazu berechtigte Aufsichtsperson erfolgt. „Ein solches Fun-Shooting sieht der DSB als Werbung für den Schießsport. Aus Erfahrungen des DSB sind die Menschen, die selbst einmal in den Schießsport hineingeschnuppert haben, gegenüber dem Schießsport offener und können die Interessen der Sportschützen eher nachvollziehen.“

 

Fun-Shooting – was ist das überhaupt?

Fun-Shooting lässt sich grob in drei Bereiche unterteilen: Das Schießen mit WBK-freien Waffen, das Schießen mit WBK-pflichtigen Waffen und das Schießen im Schießkino.

 

Fun-Shooting mit scharfen Waffen

Dominic Albert betreibt mit seinem Vater Anton die Firma „Waffen Albert“ in Schweinfurt. Seit zwei Jahren können Kunden dort Fun-Shooting-Stunden mit WBK-pflichtigen Waffen buchen.

 

Herr Albert, wie sind Sie darauf gekommen, Fun-Shooting anzubieten? 

Dominic Albert: „Das ist durch einen Besuch auf der Shotshow in Las Vegas gekommen. Dort bot ein Waffenladen auf seinem Schießstand das Schießen mit vollautomatischen Waffen an – der Andrang war riesig! Uns war klar, dass sich die Situation in den USA nicht mit unserer hier in Deutschland eins zu eins vergleichen ließ, aber die Idee war geboren.“

 

Wer kommt zu Ihnen, um zum Spaß zu schießen?

Dominic Albert: „Das wird gern als Event zum Geburtstag verschenkt oder Firmen machen eine Art Firmenausflug. Auch traditionelle Schützenvereine mieten das Schießkino, um mal etwas anderes zu machen.“

 

Welche Erwartungen haben die Kunden?

Dominic Albert: „Sie wollen die ‚Faszination Waffe‘ erleben, die steckt immer noch tief im Menschen drin. Beliebt sind zum Beispiel Kurzwaffen wie Revolver im Kaliber .44 Magnum, Schrotflinten, Halbautomatikwaffen oder auch die Kalaschnikow. Auch ins Schießkino gehen diese Leute gern.“

 

Fun-Shooting mit freien Waffen

Die Firma Umarex vertreibt frei verkäufliche Sport- und Freizeitwaffen. WM-Intern hat Ulrich Eichstädt, den Pressesprecher von Umarex, nach seiner Einschätzung gefragt.

 

Herr Eichstädt, wie hat sich Ihrer Meinung nach das Fun-Shooting mit WBK-freien Waffen in der letzten Zeit entwickelt?

Ulrich Eichstädt: „Es gibt einen Trend zum Schießen ‚just for fun‘ außerhalb der traditionellen Vereinsstrukturen. Zum einen haben es die etablierten Schießsportvereine verschlafen, attraktive Angebote unterhalb des Leistungssports zu liefern. Zum anderen fühlen sich Besitzer preisgünstiger Freizeitwaffen dort nicht gut aufgehoben, weil ihre Ausrüstung dort eher belächelt wird – selbst wenn man damit oft die Präzision so mancher Matchwaffe erreicht. Stattdessen organisieren die Besitzer von Druckluftwaffen und Airsoft ihre Wettbewerbe ‚vereinslos‘ untereinander, bauen sich attraktive Ziele und veranstalten Fernwettkämpfe, etwa über das Portal www.co2air.de.“

 

Welche Produkte werden bei Umarex für diesen Bereich aktuell am stärksten nachgefragt?

Ulrich Eichstädt: „Das sind vor allem Lookalikes in allen Varianten, ob Airgun oder Airsoft – also Nachbauten real existierender scharfer Waffen, wobei besonders bei Airsoft auf die Originaltreue geachtet wird. Da muss jedes Maß und jedes ‚Marking‘, also die Beschriftung, stimmen. Dann gibt es den Trend am oberen Ende der Produktpalette zu hochwertigen Federdruck-Luftgewehren. Die neuen Walther-Modelle kommen da aus eigener Produktion hier im Sauerland, und die hochwertigen Modelle wie Walther LGV und LGU sind auch technisch weit voraus.“

 

Fazit

Wüssten mehr Menschen, dass man zum Spaß schießen gehen kann, dann wäre Fun-Shooting vermutlich noch viel weiter verbreitet. Aber das Bewerben dieses Angebots gestaltet sich in unserer waffenfeindlichen Zeit kompliziert bis unmöglich. Dass selbst große Event-Anbieter wie „mydays.de“, bekannt für das Organisieren von Hubschrauberflügen, Rafting-Touren, Fallschirmsprüngen und ähnlichem, Schießangebote im Programm haben, lässt jedoch mit (vorsichtigem) Optimismus in die Zukunft blicken.

 
Täuschend echt: Heckler und Koch G36 C in der Airsoft-Variante von Umarex. Bild: www.umarex.de
Täuschend echt: Heckler und Koch G36 C in der Airsoft-Variante von Umarex. Bild: www.umarex.de
Ein Fun-Shooting eignet sich gut, um den Schießsport vorzustellen und Neulinge an das sportliche Schießen heranzuführen – wie hier beim Wochenende der Schützenvereine 2013. Bild: DSB
Ein Fun-Shooting eignet sich gut, um den Schießsport vorzustellen und Neulinge an das sportliche Schießen heranzuführen – wie hier beim Wochenende der Schützenvereine 2013. Bild: DSB