Der Lektor

 

... schreibt über handgemachte Messer.

Christoph Daim ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

www.vienna-suiseki.com

www.deutsche-messermacher-gilde.de

Das Einhornmesser von Christoph Daim aus RWL 34, Narwalzahn und Gold, Gravur von Stefanie Ottilie.
Das Einhornmesser von Christoph Daim aus RWL 34, Narwalzahn und Gold, Gravur von Stefanie Ottilie.

Märchenstunde: Eines der fabelhaftesten Fabeltiere ist zweifellos das Einhorn. Hörner des Einhorns fanden schon früh, im 13. Jahrhundert, Eingang in die Schatz-Sammlungen geistlicher und weltlicher Herrscher. Sie galten als Reliquien und Prunkstücke, denen wunderbare Heilkräfte zugeschrieben wurden, wie Heilung von Pest oder Schutz vor Vergiftung. Das Material war so wertvoll, dass es zeitweilig mit einem Vielfachen an Gold aufgewogen wurde! Das Einhorn war natürlich auch deshalb so kostbar und legendär, weil die Hörner zwar existierten, aber das Tier dazu so gut wie niemand je zu Gesicht bekommen hatte. Erst im Jahr 1638 wurde das Tier, von dem das Horn stammt, als Narwal identifiziert und dann See-Einhorn genannt. Das auf dem Land lebende Einhorn blieb unsichtbar. Das Material blieb also weiterhin kostbar …

Auch in der christlichen Mythologie ist das Einhorn präsent, unter anderem als Bezug zu Maria und der jungfräulichen Geburt von Jesus, beispielsweise dargestellt im Marienbildnis in der Frauenkirche von Memmingen.

Von der Fabel zum Messer: Das abgebildete Messer verbindet einige der genannten Aspekte auf einer handlichen Größe von 20 cm. Die Nieten im Griff, die das Narwal-Elfenbein (mit CITES) fixieren, sind aus echtem Gold. Die Gravur der Klinge mit Erdbeerranken, Blüten und Früchten verwendet ein geläufiges Mariensymbol früherer Zeiten. Die zwei Seiten des Messers sind unterschiedlich graviert, wobei die Rückseite den vergeblichen Versuch zeigt, das Einhorn einzufangen.