Überfliegerin mit Bodenhaftung

Steckbrief 

Nadine Weers

Jahrgang: 1994

Jagdschein: seit 2010

Wohnort: Kreis Segeberg (SH)

Wettkampfwaffen: 

Match Hornet von Anschütz und eine Browning FN Flinte 

Jagdwaffe: 

Mauser M03 Extreme,

 Kaliber: 308. Win. 

Hundeführerin: 

Labrador Rüde 

Nadine Weers ist mit 324 erzielten Punkten Deutschlands jüngste DJV-Bundesmeisterin im jagdlichen Schießen. Im Interview, das WM-Intern-Autorin Anna Lena Kaufmann mit ihr führte, verrät die 20-jährige Schleswig-Holsteinerin, die als einzige in der Familie der Jagd frönt, ihre Erfolgsstrategie.


Glückwunsch zum Bundessieg! 

Wie kam es zu diesem Erfolg?

Nadine Weers: Zu diesem Erfolg kam es ehrlich gesagt sehr unverhofft! Ich hatte im vergangenen Jahr kaum Zeit, intensiv zu trainieren. Meine Schießstand-Besuche kann man wohl an zwei Händen abzählen. Das lag zum einen daran, dass ich im Abitur-Stress und zum anderen über einen längeren Zeitraum für ein Praktikum in Namibia war. Eigentlich wäre ich zu den Bundesmeisterschaften gar nicht in Deutschland gewesen. Durch eine eher zufällig verfrühte Rückreise konnte ich dann aber doch mit der holsteinischen Damenmannschaft am Wettkampf teilnehmen. Mein Ziel waren 190+ Punkte Kugel zu schießen. Als ich dann mit 189 Punkten zu den Taubenständen ging, dachte ich mir: ‚Du kannst immer noch alles in der Flinte rausreißen. Und wenn nicht, dann eben nicht.’ Also bin ich relativ locker und entspannt an die Sache herangegangen und habe einfach versucht, konzentriert zu schießen.


Wie oft trainierst du und wie viel Zeit investierst Du in Dein Training?

Nadine Weers: Normalerweise trainiere ich, wenn es die Zeit zulässt, ein Mal in der Woche. Zudem setzt unser Trainer Hans-Jörg Faden gemeinsame Trainingstermine für die BM-Damen an, die alle versuchen einzuhalten, um schlussendlich auch das Miteinander zu stärken. Mir persönlich bringen diese Einheiten unheimlich viel, denn Hans-Jörg schaut einem genau über die Schulter, gibt wertvolle Tipps und bügelt Fehler aus. Insbesondere im Wettkampf achte ich darauf, was ich anders mache als sonst. Und wenn es einmal nicht rund läuft, dann überlege ich, wie ich das schnellstmöglich korrigieren kann.


Wie gehst du mit dem Druck in der Wettkampfsituation um, auf den Punkt Leistung bringen zu müssen?

Nadine Weers: Im Wettkampf versuche ich, mir selbst keinen Druck zu machen, gehe aber dennoch hochkonzentriert an die Sache heran. Anfangs war ich sehr verbissen und überehrgeizig. Ich habe jedoch schnell bemerkt, dass ich damit nicht weit komme, da mein Kopf nicht mitspielt. Ich denke, dass der Großteil, der uns die normale, vielleicht gewohnte Leistung auf großen Wettkämpfen verhindert, sich einzig und alleine im Kopf abspielt. Ich bin normalerweise kein Prüfungsmensch, aber da ich ohne große Erwartungen an diese Bundesmeisterschaft herangegangen bin, konnte ich dieses Ergebnis erreichen.


Was fasziniert dich generell am jagdlichen Schießen?

Nadine Weers: Ich habe vor fünf Jahren mein Grünes Abitur abgelegt und mich von Beginn an für das jagdliche Schießen interessiert. Das ist kaum verwunderlich, denn durch Hans-Jörg Faden bin ich überhaupt zur Jagd gekommen. Da er aktiver Schütze ist und selbst auch schon Bundesmeister war, war das Thema für mich unumgänglich. Ich habe schnell meinen Spaß an dem Sport gefunden und versuche natürlich, bei jedem Training meinem Meister Paroli zu bieten. Das spornt mich an.


Wie lauten deine Ziele für die kommende Saison?

Nadine Weers: Ich glaube, dass 2014 einfach mein Jahr war: Abitur, Ausland, Bundesmeisterin. Es wird schwer sein, dieses Ergebnis zu toppen und es wird schwer sein, meinen Titel erfolgreich zu verteidigen. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich negativ eingestellt oder ohne Ehrgeiz zur BM 2015 fahre. Damit möchte ich nur sagen, dass ich mir bewusst keine konkreten Ziele für diese Saison stecke und mich nicht unter Druck setze. Ich trainiere weiter, versuche meine Leistung zu halten und im besten Falle zu steigern. Wenn es passt, dann passt es – und wenn nicht, dann nicht. Vor ein paar Jahren hätte ich mir nie erträumt, mit 20 Jahren schon Deutsche Meisterin zu sein und im gleichen Zuge die Groß-Goldene Nadel zu schießen. Ich bin glücklich, dass es so gekommen ist und ich bin dankbar für alle, die mich unterstützt und mir zu dem Titel verholfen haben. 


Was rätst du anderen jungen Jägerinnen und Jägern in Bezug auf regelmäßige Schießstandbesuche?

Nadine Weers: Die Frage würde ich eher von einem ‚alten Hasen’ beantworten lassen. Ich kann nur behaupten, dass die Starthilfe in Sachen Schießtraining von enormer Wichtigkeit ist. Im Jagdkurs wird oftmals nur soweit gelehrt, dass man die Prüfung gerade besteht. Aber das, was danach kommt, ist das eigentliche Schießen. Und da braucht man eine erfahrene Person an seiner Seite, die bestenfalls selbst Wettkampferfahrungen hat und sich die Zeit nimmt, einem öfter mal über die Schulter zu schauen. Nur so lernt man, worauf es ankommt. Hier kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: ‚Zu viele Köche verderben den Brei.’ Ich lasse mir gerne über die Schulter schauen und bin dankbar, dass mich jemand auf meine Fehler aufmerksam macht. (ak)