Messerportrait: The Raven

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

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„The Raven“ von Gerhard Wieland. Klingenlänge: 16 cm, Gesamtlänge: 36 cm. Stahl 1.545, Bronze und Ebenholz. (Bild:C. Daim)
„The Raven“ von Gerhard Wieland. Klingenlänge: 16 cm, Gesamtlänge: 36 cm. Stahl 1.545, Bronze und Ebenholz. (Bild:C. Daim)

 

Messer und Literatur III

Das Messer von Gerhard Wieland hat mich wieder zum Lesen animiert: Ich wollte wissen, was den Messermacher und Schmied dazu bewogen hat, sich diese enorme Arbeit anzutun, um ein Messerkunstwerk zu schaffen, bei dem die Funktionalität ganz eindeutig nicht im Vordergrund steht. Wer sich angesichts dieses Messers immer noch die Frage stellt: „Und wozu soll ich das benutzen?“, hat das Wesen künstlerischer Arbeit nicht verstanden.

Die Antwort auf die Frage nach der Faszination des relativ kurzen Gedichtes aus dem vorletzten Jahrhundert lässt sich vor allem beim Lesen der englischen Originalversion finden. Gerhard Wieland hat mit seinem Messer aus Stahl, Ebenholz und Bronze eine Verbeugung vor E. A. Poes Werk „The Raven“ geschaffen.

Auf zwei Details möchte ich bei diesem Messer besonders hinweisen: 

Die Zwinge in Form des Rabenkopfes wurde nicht in Wachs modelliert und dann gegossen (der vergleichsweise einfachere Weg), sondern aus besonders dickwandigem Bronzerohr geschmiedet und dann ausgestaltet wie eine Skulptur.

Die Klinge zeigt neben den Schmiedespuren auch noch eine Härtelinie, wie man sie sonst eher von japanischen Schwertern kennt. Dabei wird die Klinge vor dem Härten mit Lehm bestrichen, um beim raschen Abkühlen unterschiedlich harte Bereiche zu erhalten. Diese sind gut an den „Wölkchen“ im Stahl erkennbar, deren Formen sich bei der Herstellung nicht exakt planen und vorherbestimmen lassen.