Mi

29

Jul

2015

Zielfernrohrmontagen

© MAK
Von MAK kommt die mit einer Spezialmontage am Okular befestigte MAKcam. Bild: © MAK

Um die Vorzüge von Waffe und Optik bestmöglich nutzen zu können, ist die Montage als Verbindung zwischen beiden Bauteilen von denkbar großer Bedeutung. Auf dem Sektor der Montagen zeichnen sich seit einigen Jahren interessante Trends ab. So gewinnen taktische Gewehre an Bedeutung und immer mehr Jagdbüchsenhersteller versehen die Systemgehäuse ihrer Gewehre mit Vorrichtungen für hauseigene Montagesysteme. 

Der Zielfernrohrmontagemarkt hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Mit den aufkommenden Schießsportwettbewerben für Waffen mit Zielfernrohren kam eine neue Käufergruppe ins Spiel. Während in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg primär Jagdwaffen mit Zielfernrohren ausgerüstet wurden, kommen jetzt die Sportschützen mit ihren speziellen Bedürfnissen für die Präzisionsbüchsen zum Waffenfachhandel.

Soweit es die technischen Grundvoraussetzungen betrifft, haben beide Gruppen – Jäger und Sportschützen – identische Bedürfnisse, wenn es um die Zielfernrohrmontage geht: Das Zielfernrohr muss spannungsfrei und schussfest auf die Waffe montiert werden. Bei den weiteren Anforderungen ergeben sich in der Praxis jedoch durchaus beachtliche Unterschiede. 

Die mitteleuropäische Jägerschaft favorisiert traditionell Montagen, die ein rasches Abnehmen und Wiederaufsetzen des Zielfernrohrs bei Wiederholbarkeit der Treffpunktlage gewährleisten. Die Gründe liegen klassischerweise einerseits darin, dass die offene Visierung jederzeit nutzbar sein oder die Optik beim Transport geschützt werden soll. Andererseits will mancher Jäger sein kostspieliges Zielfernrohr auf mehreren Waffen nutzen, ein Zweitglas für seine Waffe anschaffen oder rasch gegen ein Rotpunktvisier tauschen, um die Waffe allen erdenklichen Jagdsituationen anpassen zu können. In den frühen Jahrzehnten der Zielfernrohre dominierte die Suhler Einhakmontage, die hohe handwerkliche Fähigkeiten erforderlich macht und durch Passarbeiten recht kostspielig ist. Wiederbelebt wird diese Montageart seit einigen Jahren durch die Firma Ziegler, die Gestecke ohne größere Passarbeiten auf den Markt brachte. 

In der Praxis wurde die Suhler Einhakmontage spätestens seit den 1970er-Jahren durch die verschiedenen Schwenkmontagen abgelöst. Die gebräuchlichsten davon haben vorne einen Zapfen, der in die Montageplatte mit 90-Grad-Drehung eingesetzt wird. Rückwärtig wird die Montage dann durch eine entsprechende Führung gehalten und mittels Hebel oder drehbarem Rad fixiert. Die Schwenkmontagen haben gleich mehrere Vorteile: Sie sind stabiler als die Suhler Einhakmontage und dazu noch einfacher und kostengünstiger zu montieren. 

Vermehrt rüsten die Büchsenhersteller ihre Modelle mit eigenen Entwicklungen aus, was einige weitere Montagesysteme etablierte.

Besonders populär sind die Sattelmontage von Blaser, die Double-Square-Montage für die Mauser 03 oder die Suhler Schwenkmontage.

© EAW
EAW bietet eine neue Montage für die Sauer 404. Bild: © EAW
© EAW
Bild: © EAW

EAW präsentiert jetzt eine neue Schwenkmontage für die brandneue Sauer 404. Ihre wichtigsten Vorteile sind laut Hersteller eine große Flexibilität bei verschiedenen Zieloptiken sowie ein deutlich preisgünstigeres Montieren von Zweitgläsern, da nur neue Oberteile benötigt werden. Weiter können Rotpunktvisiere durch eine Adapterplatte einfach auf der Montagebasis aufgesetzt werden. Natürlich ist die neue EAW-Montage wiederholgenau und durch verschiedene Bauhöhen der Oberteile kann ein optimaler Anschlag geschaffen werden. Bei der neuen Montage für die Sauer 404 können die bewährten Oberteile der Hebelschwenkmontage auf der speziellen Basis für die Sauer 404 verwendet werden.

© Dentler
Montageplatte Dentler Basis Vario mit Höhen- und Seitenverstellung. Bild: © Dentler

Auf Erfolgskurs ist seit einigen Jahren die modular aufgebaute Dentler-Montage zum raschen Wechsel der Zieloptik. Optimal ist die BASIS-Ausführung, wenn mehrere Optiken auf einer Waffe verwendet werden sollen. Natürlich kann man mit der Optik auch zu einer anderen Waffe wechseln, wenn man sich die Zielfernrohrjustierung merkt. Die BASIS-Variante ist jedoch nicht entwickelt, um eine Zieloptik auf mehreren Waffen einzusetzen. Dazu hat man jetzt die Ausführung Basis Vario entwickelt. Dafür erhielt die Grundschiene eine stufenlos justierbare Höhen- und Seitenverstellung. Durch diese Maßnahme wird es möglich, die Grundschiene so einzurichten, dass eine Zieloptik ohne Nachjustieren am Zielfernrohr auf mehreren Waffen verwendet werden kann.

© Henneberger
Demo-Platte der neuen Henneberger-Schiene zur Aufnahme der Sattelmontage vom Typ HMS Swift. Bild: © Henneberger

Auf Flexibilität setzt man auch bei der Firma Henneberger. Henneberger baut seine erfolgreiche Montage HMS Swift weiter aus. Die HMS Swift zeichnet sich durch Wiederholgenauigkeit, Schussfestigkeit und insbesondere denkbar einfache und rasche Bedienbarkeit aus. Die für die Blaser-Sattelaufnahme und Picatinny-Schienen lieferbare HMS Swift gibt es jetzt für weitere Systeme, wie zum Beispiel die Sauer 303. In diesem Jahr präsentiert Henneberger eine neue Basis für die Aufnahme der Sattelmontage. Durch das Anbringen der neuen Bodenplatte kann die HMS-Swift-Montage vom Typ Sattelmontage auch auf andere gängige Repetierertypen mühelos aufgesetzt werden.

Einen eigenen Weg beschreitet seit einigen Jahren die Firma Leupold mit ihrer Quick-Release-Montage, bei der sich sowohl am Vorder- als auch am Hinterring Haltezapfen zur Fixierung des Zielfernrohrs befinden. Die QR-Montage hat sich längst bewährt und gestattet ein elegantes Erscheinungsbild. An der Wiederholbarkeit der Treffpunktlage nach dem Abnehmen und Aufsetzen des Glases besteht ebenso wenig Zweifel wie an ihrer Schussfestigkeit. Allerdings bietet sie keinerlei Korrekturmöglichkeiten durch Support oder andere Justiermöglichkeiten zum Spannungsausgleich. Daneben gibt es noch weitere interessante abnehmbare Montageanordnungen, wie beispielsweise die Schnellspannmontage Rapid oder die Flex-Brückenschwenkmontage. Alle diese Montagen sind primär für Jagdwaffen entwickelt worden.

Präzisionsbüchsen haben zum einen keine offene Visierung und zum anderen werden sie durchweg in gepolsterten Koffern und Futteralen transportiert. Eine abnehmbare Montage macht also in der Praxis wenig Sinn. Dazu kommt, dass trotz engster Passungen und handwerklich perfekter Ausführung alles, was sich in der Mechanik bewegen und abnehmen lässt, mit Toleranzen, wenn auch geringfügig, behaftet ist. 

Die Festmontage hat zwar den Nachteil, dass man nach dem Abnehmen im Regelfall wieder neu einschießen muss, aber im Gegenzug bietet sie, einmal richtig ausgeführt, die geringste Störanfälligkeit. Bevorzugt werden die Festmontagen von Sportschützen, Präzisionsschützen und Jägern, die eine Waffe ohne offene Visierung führen. Letzteres ist insbesondere bei amerikanischen Büchsen anzutreffen. 

Auch im Marktsegment der Festmontagen haben einige Waffenhersteller eigene Konstruktionen vorgelegt, die hervorragende Eigenschaften hinsichtlich Schussfestigkeit und einfacher Ausführung bieten. Vorrangig zu nennen sind hier die Festmontagen von Tikka und Sako sowie die Ruger-Integral-Montage. 

Im Trend liegen bei den Sportgewehren insbesondere Weaver- und Picatinny-Schienen. Die ursprünglich als besonders preisgünstige Lösung konstruierte Weaver-Montage hat sich längst zur Idealmontage für Sportgewehre gemausert. 

Das Weaver-Prinzip mit Klemmbacken und unter den Ringen sitzenden Querstegen, die in die Querausfräsungen der Schiene passen, gestattet hochgradig schussfeste Montagen. Für Match- und Präzisionsgewehre, die extrem hoher Beanspruchung ausgesetzt sind, setzt sich dieser Montagetyp immer mehr durch, ja er wurde inzwischen zum Standard bei den Präzisionsbüchsen. Zunehmend kommen auch die Präzisionsbüchsen der führenden Serienhersteller mit einer genormten Picatinny-Schiene. Selbst Gewehre für die .50 BMG lassen sich mit entsprechend massiven Montagen dieses Typs ausrüsten. Ferner ist es mit den Picatinny-Schienen leicht machbar, die Schienen für weite Schussdistanzen mit einer Neigung nach vorne herzustellen. Bei den taktischen Präzisionsbüchsen wurde die Blockmontage für das Picatinny-Profil längst zum Standard. 

© Recknagel
Die superleichte Blockmontage von Recknagel. Bild: © Recknagel

Von Recknagel kommt jetzt eine ultraleichte Blockmontage, die weniger als 150 g wiegt. Interessant dürfte diese neue Alternative besonders für Waffen sein, die durch Wettkampfregelwerke im Gesamtgewicht begrenzt sind. Gleichzeitig bietet Recknagel auch eine neue Notvisierung, bestehend aus Lochvisier und Korn, für Picatinny-Schienen an. 

MAKcam heißt ein neues kompaktes Kamerasystem, das direkt durch die Zieloptik filmt und fotografiert. Die Handhabung und die Funktion des Zielfernrohrs werden durch die Kamera nicht beeinträchtigt. Mit einem einfachen Handgriff kann die Kamera vom Zielfernrohr abgenommen werden. Möglich wird dies durch eine am Zielfernrohr verbleibende Spezialmontage von MAK. Man liefert die neue Montage bereits für alle gängigen Okulardurchmesser. 

Zu einem der wichtigsten Großhändler für Montagen entwickelte sich binnen weniger Jahre die Firma Lippejagd Brinkmann, die eine Vielzahl der genannten Montage-Marken im Sortiment führt, beispielsweise die Fabrikate EAW, Henneberger, MAK, Leupold, Ziegler und Innomount.