Messerportrait: Ulu

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

www.vienna-suiseki.com

www.deutsche-messermacher-gilde.de

„Ulu“ von Gunther Löbach – Ganzstahl-Ausführung aus wildem Damast (1.2842 und 75Ni8); Durchmesser: ca. 13,5 cm; Gewicht: 329 g www.scorpiodesign.de © Christoph Daim
„Ulu“ von Gunther Löbach – Ganzstahl-Ausführung aus wildem Damast (1.2842 und 75Ni8); Durchmesser: ca. 13,5 cm; Gewicht: 329 g www.scorpiodesign.de © Christoph Daim

Auch wenn wir mit einem Messer zuerst einmal eine eher gestreckte Klinge assoziieren, so sind runde Messer bei genauer Betrachtung doch etwas ganz Alltägliches. Ein Beispiel sind natürlich die Messer der weit verbreiteten Brotschneide-Maschinen oder die legendären Berkel-Aufschnittmaschinen, die, gut restauriert, als mechanische Sammlerstücke seit über 100 Jahren ihre Arbeit verrichten. Alle diese Messer sind maschinenbetriebene Messer. Handgeführte Messer, bei denen die Klinge rund ist (oder ein Kreisabschnitt) sind ein wirklicher Spezialfall: eine lange Tradition hat in dieser Hinsicht das „Ulu“ der Eskimo. Es ist ein Universalmesser, das nur von Frauen für ihre Alltagsarbeit verwendet wird. Durch die besondere Form, ohne eine Spitze, wird zum Beispiel beim Häuten von Tieren verhindert, dass das Leder beschädigt wird. Auch für Küchenarbeiten ist dieses Messer sehr gut geeignet. Das vorliegende Exemplar ist eine moderne Interpretation des Ulu, und zwar gleich in zweierlei Hinsicht: Sowohl die Form mit dem integrierten Griff, als auch das Material sind ungewöhnlich. Waren sehr frühe Uluit noch aus Stein geschliffen, werden diese Messer seit dem Kontakt mit den ersten europäischen Reisenden aus dem deutlich effizienteren und haltbareren Material „Stahl” hergestellt. Ein Ulu aus handgeschmiedetem Damast ist aber eine echte Besonderheit