Gut betucht – Funktionskleidung

Die Natur zum Vorbild: Corkshell von Schoeller. @ Schoeller
Die Natur zum Vorbild: Corkshell von Schoeller. @ Schoeller
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Schutz und Tragekomfort – das erwarten aktive Wettermenschen von ihrer Funktionskleidung. Das klingt einfach, ist aber komplex: Der Stoff soll Wasser abhalten und trotzdem atmen, robust und dennoch angenehm zu tragen sein, leicht, aber auch abriebfest und beständig sein.


Wasserdichte und atmungsaktive Membranen sind Kernelemente von Outdoor-Bekleidung. Die Wasserdichte ist seit Jahren zufriedenstellend, man kann tatsächlich tagelang im Regen wandern, klettern oder jagen, ohne nass zu werden. Der zweite Teil, die perfekte Atmungsaktivität, ist nach wie vor eine Herausforderung. An dieser Funktion tüfteln die Hersteller, um noch bessere Eigenschaften zu erreichen.

Der Meindl Dovre ist durch Gore-Tex im Futter wasserdicht, atmungsaktiv und wärmeisolierend. @ Meindl
Der Meindl Dovre ist durch Gore-Tex im Futter wasserdicht, atmungsaktiv und wärmeisolierend. @ Meindl

Der Klassiker unter den Funktionsstoffen heißt Gore-Tex. 1969 entdeckte der Amerikaner Bob Gore, dass PTFE bei einer rasch ausgeführten Reckung (Auseinanderziehen) nicht zerstört, sondern fest und hochporös wird. Eine atmungsaktive Gewebemembran war geboren. Gore-Tex-Textilien waren bei ihrer Markteinführung 1976 die ersten wasser- und winddichten Textilien, die dampfdurchlässig waren und damit das Verdunsten des Schweißes zuließen. Mittlerweile haben viele Hersteller ihre eigenen atmungsaktiven Membranen entwickelt. Aber auch die Firma Gore ist nicht untätig geblieben, die neusten Stoffe heißen Gore-Tex Pro und Gore-Tex Active. Welches Produkt für welchen Nutzer interessant ist, hängt vom Einsatzgebiet ab: Das normale Gore-Tex wird vom Hersteller als hoch atmungsaktiv, dauerhaft wasser- und winddicht sowie warm und komfortabel beschrieben. Gore-Tex Pro punktet mit maximaler Robustheit und ist dabei extrem atmungsaktiv, also etwas für stärkere körperliche Aktivitäten. Gore-Tex Active ist für dauerhaft schnelle Bewegungssportarten gedacht, zum Beispiel Berglaufen oder Mountainbiken. Firmen, die Gore-Tex-Membrane verwenden, sind zum Beispiel Adidas, Mammut und Patagonia, Härkila, Meindl und Hanwag.

www.gore-tex.com . www.adidas.de . www.mammut.ch . www.patagonia.com .  www.harkila.se . www.meindl.de . www.hanwag.de

Die europäische Antwort auf Gore-Tex heißt Sympatex. Die Marke wurde im Jahre 1986 durch den holländischen Akzo Nobel Konzern als Folge einer Polymer-Patentanmeldung geschaffen, seit 2003 ist Sympatex in deutschen Händen. Neu ist die Technologie „Moisture-Tech 360°“, die in Schuhen Verwendung findet. Sie soll komfortabel trockene Füße bei jedem Wetter ermöglichen. Sympatex wird zum Beispiel von den Firmen Vaude (Schuhe), Lowe Alpine und Outfox (Bekleidung) verwendet.

Die Schwesterunternehmen Sympatex und Ploucquet haben gemeinsam eine Multifunktionsjacke mit einem innovativen Heiz-, Kommunikations- und Beleuchtungssystem entwickelt. Basis der hochwertigen Funktionsjacke bildet die 100 Prozent wasser- und winddichte sowie optimal atmungsaktive ‚guaranteed green‘ Sympatex-Membran. 

www.sympatex.dewww.ploucquet.eu  . www.vaude.comwww.lowealpine.comwww.outfox-wear.com 


Mischgewebe aus natürlichen und synthetischen Fasern sind stark im Kommen, so zum Beispiel in Kombination mit Merino. Der Spezialist für Polyester, Advansa, hat das Material „Thermo Cool mit Merinowolle“ auf dem Markt, es soll die Vorteile von Wolle und Funktionsfasern vereinen: den natürlichen Griff und die wärmende Funktion der Wolle mit den atmungsaktiven Eigenschaften der synthetischen Fasern. Vor allem in Unterwäsche und Socken wird Thermo Cool verarbeitet, zum Beispiel in Socken von noorsk. 

www.noorsk.de

Auch Moskito- und Insektenschutz gewinnt bei Bekleidung an Bedeutung. Vorreiter beim Insektenschutz ist der englische Spezialist für Travelwear Craghoppers. Hier setzt man schon seit einigen Jahren auf die „NosiLife“-Ausrüstung. Der amerikanische Hersteller Burlington hat die Anti-Insektentechnologie „No Fly Zone“ im Programm, die gegen Zecken ebenfalls wirksam sein soll. Insektenschutz findet sich genauso bei Columbia unter dem Namen „Insectblocker“ und bei Jack Wolfskin als „Insect Repellent Fabric“. www.craghoppers.com . www.jack-wolfskin.com

Mit NosiLife-Kleidung von Craghoppers ist man auf Reisen gut geschützt und sieht gut aus.
Mit NosiLife-Kleidung von Craghoppers ist man auf Reisen gut geschützt und sieht gut aus.
@ Craghoppers
@ Craghoppers

UV-Schutz plus Minimalgewicht war bis vor Kurzem bei Bekleidung nicht zu realisieren, denn normalerweise ist es enorm schwierig, einen sehr leichten Stoff lichtundurchlässig zu machen. Gelungen ist das dem Hersteller mit nanotechnologischem Hintergrund, Toray, mit dem Gewebe Airtastic. Diese Hersteller setzen Airtastic in ihrer Kollektion ein: Pajak und Powderhorn. 

www.pajaksport.plwww.powderhornworld.com

Eine Art Öko-Softshell hat die Schweizer Innovationsschmiede Schoeller entwickelt. Mit einer Cork-shell-Technologie ist es gelungen, die Eigenschaften des Naturproduktes Kork mit denen von hochwertigen Funktionstextilien zu kombinieren. Corkshell bietet eine deutlich höhere Wärmedämmung als herkömmliche Softshells bei gleichzeitig hoher Atmungsaktivität und einem hervorragenden Tragekomfort. Als Rohstoff nutzt Schoeller keinen neuen Kork, sondern ausgediente Weinflaschenkorken. 

Inspiriert von der Natur nahm sich Schoeller außerdem die Funktion der wasserabweisenden Oberfläche von Entenfedern zum Vorbild und setzt diesen Effekt auf Textilien um. Das Resultat ist ecorepel, eine PFC-freie und biologisch abbaubare Textilausrüstung. Die Technologie basiert auf Paraffinen, welche auf dem Textil Wasser und wässrigen Schmutz einfach abperlen lassen, ähnlich wie bei den Federn einer Ente.

Mit beiden Produkten zeigt Schoeller einen weiteren Trend auf: Die Nachfrage nach Recyclingmaterialien, Naturstoff und sauber produzierten Stoffen. 

www.schoeller-textiles.com 

Die wasserabweisenden Eigenschaften von Vogelfedern waren das Vorbild für Ecorepel.
Die wasserabweisenden Eigenschaften von Vogelfedern waren das Vorbild für Ecorepel.
@ Schoeller
@ Schoeller

Zukunftsmusik: Alternativen zur Baumwolle

Weil der Rohstoff Baumwolle knapp und damit mit der Zeit teurer wird, suchen Hersteller nach neuen Materialien. Milchseide ist einer von vielen neuen Stoffen, die gerade auf den Markt kommen. Ein Stoff, der aus dem Holz von Buchen und Eukalyptus hergestellt wird, ist bereits auf dem Markt. Künftig könnten wir sogar Kleidung aus Mais, Soja und sogar Krabbenschalen am Körper tragen.