Messermacher im Interview

Christoph Daim, der Autor unserer monatlichen Kolumne „Das Messerporträt“, arbeitet im richtigen Leben bei der Cooperative Fahrrad in Wien. Auf www.vienna-suiseki.com präsentiert er seine Messerunikate. © Christoph Daim
Christoph Daim, der Autor unserer monatlichen Kolumne „Das Messerporträt“, arbeitet im richtigen Leben bei der Cooperative Fahrrad in Wien. Auf www.vienna-suiseki.com präsentiert er seine Messerunikate. © Christoph Daim

Seit Juli 2014 stellt Christoph Daim, Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde, in jeder Ausgabe von WM-Intern ein außergewöhnliches Messer vor. Heute stellen wir Ihnen den bemerkenswerten Mann und seine Leidenschaft, das Messermachen, vor.

 

Christoph, wie bist du zu deinem Hobby gekommen? Mit der Bezeichnung Hobby tue ich mich eigenartigerweise schwer, ich würde das Messermachen nicht als Hobby bezeichnen. Allerdings habe ich auch keinen besseren Begriff dafür, mein Beruf ist es schließlich nicht ... Also, wie bin ich zum Messermachen gekommen? Selbst wenn es wie eine bezahlte Werbeanzeige klingt, es war wirklich so: In einem Bahnhofskiosk habe ich aus einer Laune heraus eine Ausgabe des Messer Magazin gekauft, um mir die Wartezeit zu vertreiben. Was ich dann gesehen und gelesen habe, hat mich sehr fasziniert. Nachdem ich später ein Buch über Messermachen und ein Damast Taschenmesser geschenkt bekommen habe, wollte ich es irgendwann selbst ausprobieren. Dazu habe ich dann, praktisch nur mit einem Akkuschrauber und ein paar Feilen ausgerüstet, einen Backlock-Folder gebaut. Mit Material und Tipps von Stefan Gobec war das eine spannende und wichtige Erfahrung. Es hat übrigens tatsächlich, wenn auch unter großen Mühen, funktioniert. Später hat mir schließlich die Aufnahme in die Deutsche Messermacher Gilde – das war 2011 – gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.


Wann war das? Das erwähnte Messer Magazin mit dem Titelbericht über Mokume habe ich im Herbst 2005 gekauft. Seit 2007 baue ich handgefertigte Messer.


Wie kommst du auf die Ideen für deine Messer? Das ist eine wirklich spannende Frage, die ich gerne etwas ausführlicher beantworten möchte: Bedingt durch meinen Zugang zum Messermachen als Quereinsteiger (noch mit 40 wäre ich im Leben nicht darauf gekommen, dass ich irgendwann einmal ein Messer bauen würde) interessieren mich einfache, klassische 08/15-Formen von Messern eigentlich nicht. Eine Idee, eine Skizze, eine Vision steht am Anfang, wie beispielsweise ein Messer zu bauen, dass auf ganz natürliche Weise wie ein Bambuszweig ausschaut. Oder wie ein steinzeitliches Werkzeug, aber aus Stahl gefertigt. Und es ist mir auch schon passiert, dass ich beim Arbeiten sozusagen die Kontrolle an den Stahl abgegeben habe und dass ein Messer „einfach entstanden“ ist. Ich musste es nur zulassen. Das ist ein spannender kreativer Prozess, der sich beim Arbeiten „im Flow“ ergibt.


Wie viel Zeit und Geld investierst du jährlich in die Messermacherei? Ich verwende viel Zeit auf die handwerkliche Tätigkeit, da ich nur mit sehr wenigen elektrischen Werkzeugen arbeite. So säge ich beispielsweise alle Rohlinge mit der Laubsäge aus dem Stahl. Das erlaubt mir aber auch sehr feine und präzise Schnitte mit minimalem Materialverlust. Da ich zudem keinen Bandschleifer besitze, feile und schleife ich alle Klingen in meiner sehr kleinen Werkstatt von Hand. Das hat Vor- und Nachteile, aber so konzentriere ich mich auf die wenigen wirklich wichtigen Messer, die ich unbedingt bauen will. Und es spart Geld für teure Maschinen. Die hochwertigen und seltenen Materialien, mit denen ich sehr gerne arbeite, sind schließlich teuer genug!


Wie viele Messer hast du bisher hergestellt? Und wie viele hast du davon verkauft? Ich baue circa ein Dutzend Messer pro Jahr. Und jedes davon findet irgendwann „seinen“ speziellen Liebhaber und Besitzer, manchmal dauert es halt ein wenig.

Wie findest du deine Käufer? Welche Vertriebswege nutzt du? Ganz wichtig sind für mich Ausstellungen, insbesondere die der DMG und der persönliche Kontakt mit den Besuchern. Darüber hinaus präsentiere ich vieles auch auf meiner Homepage, die gut besucht wird.


Arbeitest du mit dem Handel zusammen? Ja, das tue ich, obwohl ich mir für meine spezielleren Arbeiten manchmal eher eine Galerie wünschen würde als ein Messergeschäft! Aber es gibt zum Beispiel in Wien, nahe des Stephansdomes ein kleines Messergeschäft, das eine sehr gute Auswahl handgefertigter, hochwertiger Messer, speziell von österreichischen Messermachern, anbietet, die „Wiener Klinge“. Dort bin ich natürlich auch vertreten. 

www.vienna-suiseki.com

www.gobec.at  

Von der Skizze zum Messer. © Christoph Daim
Von der Skizze zum Messer. © Christoph Daim
Seltene Materialien und interessante Formen fordern Christoph Daims Fantasie heraus. © Christoph Daim
Seltene Materialien und interessante Formen fordern Christoph Daims Fantasie heraus. © Christoph Daim