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15

Apr

2016

Spannende Unterhaltung im Visier

Bei den hier vorgestellten Krimis und Thrillern spielt eine Waffe eine entscheidende Rolle. Weit weg von Fachbüchern gibt es in diesen Romanen zahlreiche Details, die die Lektüre für Leser aus der Waffenbranche doppelt spannend macht!

 

Thomas Willmann: 

Das finstere Tal

Ein abgelegenes Hochtal irgendwo in den Alpen, umschlossen von hohen Felswänden. Es ist kurz vor Winteranfang und es ist klar: Ist der Winter erst mal da, kommt man aus dem Tal nicht mehr heraus. Just zu dieser ungünstigen Zeit kommt ein Fremder mit seinem Maultier in das einzige Dorf des Tals, mit der Anmutung eines Cowboys. Er sagt, er sei Künstler und wolle die Landschaft auf Leinwand malen. Das ist nicht gelogen – aber dahinter steckt noch viel, sehr viel mehr. Zum Beispiel, dass in dem langen Futteral nicht nur aufgerollte Leinwände verpackt sind …

Der Autor Thomas Willmann versteht es meisterlich, den Leser in den Bann der Geschichte zu ziehen, die abweisende Haltung der Bergbewohner zu beschreiben, die Kälte des harten Winters, die ganze Beklommenheit des Tals. Die Geschichte spielt Ende des 19. Jahrhunderts, und zu dieser Zeit waren die Menschen nicht zimperlich, bisweilen geht es sehr brutal zu in diesem Alpen-Western-Krimi. Nichts für schwache Nerven, aber dadurch wirkt das Buch erst recht authentisch. Erst kürzlich wurde „Das finstere Tal“ verfilmt, mit Tobias Moretti in der Hauptrolle.

Willmann, Thomas: Das finstere Tal. Ullstein Verlag 2010

Oliver Bottini: 

Im weißen Kreis

2006, kurz vor der Fußball-WM in Deutschland: Ein V-Mann meldet einen illegalen Waffenkauf einer Makarow und einer Tokarew, beide mit Schalldämpfer. Das Team um die Freiburger Kripo-Hauptkommissarin Louise Bonì ist alarmiert: Droht womöglich ein Attentat? Die Ermittlungen führen Bonì in die Neonazi-Szene. Auch ein deutscher Zweig des KuKluxKlan kommt ins Spiel. Das Geflecht aus Hass und Gewalt, auf das sie stößt, scheint jedoch noch viel weiter zu reichen, als zunächst angenommen. Und die Bundesanwaltschaft legt der Kommissarin Steine in den Weg. Während eines Treffens der weißgekleideten Kapuzenmänner, das kreisförmig im Wald abgehalten wird, gerät Louise Bonì in große Gefahr. Der „kleine“ Waffenhandel tritt eine große Lawine los. Wird Bonì die mächtigen Hintermänner erwischen?

„Im weißen Kreis“ aus Bottinis Bonì-Reihe ist der sechste Fall für die Hauptkommissarin. Die trockene Alkoholikerin, nicht mehr ganz taufrisch, alleinstehend, hat sich ganz der Arbeit verschrieben und ist eine Art weiblicher einsamer Wolf. „Im weißen Kreis“ ist vielsträngig und spannend, mit einigen unvorhersehbaren Wendungen. Der Autor Oliver Bottini hat für seine Kriminalromane bereits zahlreiche Preise erhalten. So ist es nicht verwunderlich, dass sein aktuelles Buch als Tipp auf der Krimi-Bestenliste der ZEIT genannt wird. 

Bottini, Oliver: Im weißen Kreis. DuMont Buchverlag 2015

Gerard Donovan: 

Winter in Maine

Julius Winsome lebt zurückgezogen in einer Jagdhütte in den Wäldern von Maine. Es ist Winter, er ist allein, aber er hat seinen treuen Hund Hobbes an seiner Seite. Eines Nachmittags wird Hobbes aus nächster Nähe erschossen – mit Absicht. Aber von wem? Der Verlust trifft Julius mit aller Wucht und lässt ihn in einen absoluten Ausnahmezustand verfallen. Mit furchtbarer Präzision und Nüchternheit bereitet er seinen Rachefeldzug vor. Dabei hilft ihm die in die Jahre gekommene, aber gepflegte Büchse des Großvaters aus Kriegszeiten, eine Lee-Enfield. Als Kind ließ ihn sein Vater damit schießen und erklärte: „In einem Gewehr befinden sich bloß Kugeln. Es ist ein Mann nötig, es zu halten, ein Auge, um es aufs Ziel zu richten und ein Finger, um es abzudrücken.“

Der Autor beschreibt die Figur des Julius Winsome mit starken Gegensätzen: Einerseits sehr emotional in der Liebe zu seinem Hund und der Natur im Allgemeinen, Winsome freut sich zum Beispiel unbändig über ein paar Blümchen auf der Wiese. Andererseits seine analytische, völlig kaltherzige Jagd auf die möglichen Mörder seines Hobbes. Ein weiterer Pluspunkt neben der packenden Story ist die brillante Übersetzung aus dem Englischen durch Thomas Gunkel.

Donovan, Gerard: Winter in Maine. btb Verlag 2011

ali