Reizvoller Kombisport für jedermann – Schießen und Laufen


Das Sportschießen ist eine facettenreiche Sportart. „Ziel ist es, die Mitte einer Schießscheibe durch Einklang von Körper (statischem Aufbau und Körperbeherrschung) und Geist (innere Ruhe und Kontrolle von äußeren Einflüssen) zu treffen. Dies erfordert Training, sowohl körperliches als auch mentales.“ (Wikipedia) Geschossen wird dabei in den verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Waffen. 

 

Ob Flinte, Gewehr oder Pistole, ob Druckluft, Klein- oder Großkaliber, ob Wurfscheibenschießen, Laufende Scheibe, liegender oder stehender Anschlag – die Vielfalt macht diesen Präzisionssport, der unter anderem auch Konzentrationsfähigkeit verlangt, aus. Wem das allein jedoch nicht genug der sportlichen Herausforderung ist, der kann sich in Kombisportarten versuchen, bei denen das Schießen nur eine von mehreren Disziplinen ist. Die Wintersportart Biathlon, die das Schießen mit dem Skilanglauf kombiniert, dürfte – auch dank recht erfolgreicher deutscher Athleten – im Allgemeinen bekannt sein, doch auch Sommerbiathlon, Target Sprint oder Moderner Fünfkampf beinhalten das Schießen. 

Beim Modernen Fünfkampf beispielsweise ist das Pistolenschießen eine der fünf Disziplinen neben dem Degenfechten, Freistilschwimmen, Springreiten und Querfeldeinlauf, die in der Regel alle an einem Tag absolviert werden. 1912 erstmals olympisch, sollte damit die Tradition des antiken Pentathlon (Laufen, Speer, Diskus, Weitsprung, Ringen) wiederaufgenommen werden, um der Spezialisierung im Sport mit einem besonders vielseitigen Wettkampf entgegenzuwirken. So wurden hier sehr unterschiedliche und teilweise konträre Sportarten miteinander verbunden: „Zu den athletischen Disziplinen Schwimmen und Laufen gesellen sich das von der Konzentrationsfähigkeit bestimmte Schießen und das die schnelle Aktion und Reaktion verlangende Fechten. Praktisch als Krönung muss der Athlet dann beim Reiten Mut und Einfühlungsvermögen auf einem zugelosten Pferd beweisen“, fasst es der Deutsche Verband für Modernen Fünfkampf treffend zusammen. „Im Jahr 2009 wurde mit der Kombination aus Schießen und Laufen zum so genannten Combined eine spannende Abschlussdisziplin geschaffen. Hier gilt es vor allem, trotz hohem Puls eine ruhige Hand zu bewahren“, erzählt Medienwart Tobias Bürger. Und so befindet sich die komplexe Sportart stets im Wandel: Während anfangs mit Militärpistolen oder Revolvern, später dann mit Sportpistolen bzw. der olympischen Schnellfeuerpistole im Kaliber .22 auf teils bewegliche Figuren- oder Silhouettenwendescheiben geschossen wurde, schoss man ab Ende der 1980er Jahre mit einer 4,5 mm Luftpistole in stehender Position auf ein 10 Meter entferntes statisches Ziel. Seit 2011 werden Laserpistolen verwendet. Gemäß dem seit 2014 gültigen Reglement laufen die Athleten direkt nach dem Start zum Schießstand und müssen mit der Laserpistole (Multimedia-Pointer) fünf Ziele in 10 Metern Entfernung in maximal 50 Sekunden treffen. „Zwischen den einzelnen Schüssen muss die Pistole kurz den Tisch berühren“, so Bürger. Wie oft geschossen wird, spielt dabei keine Rolle, nach den 50 Sekunden wird weitergelaufen – egal ob es fünf Treffer gab oder nicht. Danach folgt ein 800 Meter langer Rundkurs. Dies wiederholt sich drei Mal, bevor die Fünfkämpfer nach insgesamt 3.200 Metern und viermaligem Schießen die Ziellinie überqueren. Wer hier als erster ankommt, hat den gesamten Wettkampf gewonnen. www.dvmf.de 


Das erinnert ein wenig an Biathlon, wobei hier lediglich das Sommerbiathlon vorgestellt werden soll. Bei dieser Mehrkampfsportart werden zwei Varianten unterschieden: Die Crosslauf-Variante, die der Sportordnung des Deutschen Schützenbundes (DSB) unterliegt, und die Variante mit Rollerskiern, die im Prinzip – ebenso wie Biathlon im Winter – dem Deutschen Skiverband (DSV) zuzuordnen ist. Die Wettbewerbe bestehend aus Sportschießen und Rollskilaufen werden jedoch ausschließlich von der Internationalen Biathlon-Union (IBU) organisiert – erstmals 2006 und bis 2012 teilweise in Kombination mit der Crosslauf-Variante. Rollski-Biathleten sind für gewöhnlich auch im Winter aktiv. Sie führen ihr Gewehr (Kleinkaliber) mit sich, während es bei der Crosslauf-Variante am Schießstand verbleibt. www.biathlonworld.com 

Fitness und Treffsicherheit: Die Herausforderungen beim Target Sprint kommen in verschiedenen Altersklassen gut an. © Frank Hübner
Fitness und Treffsicherheit: Die Herausforderungen beim Target Sprint kommen in verschiedenen Altersklassen gut an. © Frank Hübner

Sommerbiathlon, wie es durch den DSB geregelt ist, wird über Laufstecken zwischen 2,4 km und 8 km ausgetragen, und zwar in den fünf Disziplinen Einzelwettkampf, Sprint, Verfolgung, Massenstart und Staffelwettkampf. Geschossen wird mit Luftgewehr im Wettbewerb für jedermann oder mit Kleinkaliber im Spitzensportbereich – sowohl stehend als auch liegend. Dabei ist die Größe der Ziele unterschiedlich. „Die Trefferfläche beträgt mit Luftgewehr im Stehendanschlag 35 mm und im Liegendanschlag 15 mm bei einer Distanz von 10 Metern. Mit Kleinkaliber sind es im Stehendanschlag 115 mm und liegend 45 mm bei einer Distanz von 50 Metern“, erklärt Frank Hübner, Referent für Sommerbiathlon/Target Sprint beim DSB. Wird nicht getroffen, gibt es Strafrunden oder Strafzeit. 

Dem Sommerbiathlon ähnlich, jedoch mit anderem Schwerpunkt ist die relativ neue Sportart Target Sprint, denn auch hier ist es eine Kombination aus Laufen und Schießen. Jedoch handelt es sich um einen Kurzstreckenlauf (insgesamt 1.200 Meter) – daher auch die Bezeichnung Sprint – und die verwendete Waffe ist stets ein Luftgewehr. Nach der Premiere beim Internationalen Junioren Cup in Suhl im Jahr 2012 veranstaltete die International Shooting Sport Federation (ISSF) beim Sportschießen-Weltcup 2013 in München den Target Sprint als Test-Wettbewerb, der bei den Teilnehmern sehr gut ankam. Der Reiz für die Sportschützen liegt darin, die Treffsicherheit mit Fitness zu kombinieren. Der Wettbewerb beginnt mit einem Massenstart und besteht aus drei Laufrunden à 400 Meter. Dazwischen gehen die Athleten jeweils zur Schießbahn, holen ihre Gewehre und müssen aus 10 Metern Distanz fünf Klappenscheiben-Ziele mit einem Durchmesser von 35 mm aus stehender Position treffen – bei nationalen Wettbewerben auch 15 mm im Liegendanschlag. Während in den Anfangszeiten noch so lange geschossen werden musste, bis alle 5 Ziele getroffen wurden, um den Schießstand zu verlassen, dürfen inzwischen maximal 10 Schuss je Schießeinlage abgegeben werden. Je Fehler müssen dann 10 Sekunden in einer „Penalty Box“ abgesessen werden, bevor es auf die Laufstrecke zurückgeht. „Wir betrachten den Target Sprint als 3. Säule des Sommerbiathlons neben den beiden Mittelstrecken-Disziplinen mit Luftgewehr und Kleinkaliber, bei denen es eher um Ausdauer geht“, so Hübner. 

www.dsb.de

www.issf-sports.org

www.sommerbiathlon.net

 

Es wird deutlich, dass gerade das ungewöhnliche Zusammenspiel von gegensätzlichen Eigenschaften wie Kraft und Ausdauer beim Laufen mit Ruhe und Konzentration beim Schießen diese Kombisportarten allesamt gleichermaßen sehr interessant für Athleten sowie auch das Publikum machen. Für Sportschützen ergeben sich daraus ganz neue Möglichkeiten, die vielleicht auch für Ihre Kunden von Interesse sein könnten. (mvc)

Dieser Artikel ist in der Juli-August-Ausgabe 2016 in WM-Intern erschienen.