Messerportrait: Was ist ein Kiridashi?

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

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Ein traditionell anmutendes Kiridashi von Joe Poehler, dem Präsidenten der DMG. Gesamtlänge ca. 15,5 cm. © Christoph Daim
Ein traditionell anmutendes Kiridashi von Joe Poehler, dem Präsidenten der DMG. Gesamtlänge ca. 15,5 cm. © Christoph Daim

Um dieses Messer verstehen und würdigen zu können, ist ein wenig Erklärung nötig; die wenigsten Leser dürften mit traditionellem japanischem Schnitzwerkzeug vertraut sein, denn genau darum handelt es sich hier nämlich. Es geht um ein vergleichsweise einfaches Werkzeug mit einer meist kurzen Schneide, die oft nur einseitig angebracht ist. Dadurch ergeben sich nicht nur Varianten für Links- oder Rechtshänder, auch für Arbeiten an schwierig erreichbaren Stellen kann ein jeweils passend geformtes Messer gewählt werden. Eine weitere Besonderheit dieser Messerform ist der häufig zu findende 3-lagige Aufbau der Klinge. Dabei wird eine besonders harte, schneidfreudige, aber spröde Mittellage von weniger hartem, aber elastischem Stahl flankiert. Um eine leichtere Nachschärfbarkeit bei gleichzeitig hoher Schärfe zu erreichen, werden Kiridashi traditionellerweise nicht aus rostfreiem Stahl hergestellt. Das hier gezeigte Messer von Joe Poehler ist eine moderne Neuinterpretation. Während die Form sehr typisch ist, fallen sofort die dekorativen Blüten aus Perlmutt auf und stellen eine Verbindung zum japanischen Hintergrund des Messers her. Auch der verwendete Stahl ist ungewöhnlich für ein Messer dieser Art: Es ist rostfreier Schneider/Schanz-Damast, der vom Messermacher umgeschmiedet wurde.