Der geeignete Stoff – Kleider machen Leute

Ob Outdoor-Erlebnis oder Jagd – die Grundfrage ist immer: Eher passives Beobachten und längeres Verweilen oder zügige Bewegung in anspruchsvollem Gelände?  © Härkila
Ob Outdoor-Erlebnis oder Jagd – die Grundfrage ist immer: Eher passives Beobachten und längeres Verweilen oder zügige Bewegung in anspruchsvollem Gelände? © Härkila

Bei Vertretern der Grünen Zunft ist die grüne Farbe traditionsbedingt bei der Jagdkleidung beliebt. Früher ging man davon aus, dass Grün im grünen Wald einfach die beste Tarnung ist, heute weiß man, dass Schalenwild farbenblind und ein ausgesprochener Bewegungsseher ist.

 

Demzufolge ist die Farbgebung ziemlich irrelevant, vorausgesetzt, sie integriert sich durch eine entsprechende Schattierung in das ständige Wechselspiel aus Licht und Schatten, auf das wir im Wald stoßen. Gemusterte Tarnkleidung, beispielsweise Realtree, ist einfarbigen Großflächen vorzuziehen. Insbesondere bei Drückjagden heißt es, Tradition Tradition sein lassen und zu einem kräftigen Neonorange greifen, wenn man lieber gesehen werden möchte, anstatt durch zünftig grüne Tarnkleidung auf der Stecke zu bleiben. Wer gerne pirscht, sollte neben einem geeigneten Farbspiel auch auf die Geräuschentwicklung achten. Denn wenn jede Bewegung ein Rascheln verursacht, nutzt dem Jäger auch der beste Sichtschutz nichts! Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Robustheit: Wer schon einmal als Treiber eine Drückjagd in Jeans mitgemacht hat, der wird festgestellt haben, dass diese nach einer Brombeerhecke einiges von ihrer ursprünglichen Form verloren hat – ebenso wie die Beine des Trägers.

 

Traditionelles Gewebe oder moderne Stoffe?

Für alle möglichen Revierarbeiten sollte die Kleidung reißfest, strapazierfähig und geräuscharm sein. Ob der Kunde lieber zu reinen Naturprodukten, wie Loden oder Leder, oder eher zu Hightech-Stoffen greift, hängt vom persönlichen Geschmack ab. Sicher sind die Lodenjacken von Jagdhund qualitativ hochwertig, dazu winddicht, nässefest und temperaturausgleichend. Vor allem aber handelt es sich hier um hochwertige Naturprodukte, die zudem bei der Pirsch absolut geräuschlos getragen werden können. Auch Leder, beispielsweise als Verstärkung an der Vorderseite einer Hose, bietet idealen Schutz. Bei diesen Naturprodukten muss allerdings beachtet werden, dass sie verhältnismäßig pflegeintensiv und nur bedingt waschmaschinengeeignet sind. So sollte Loden lediglich gelüftet und ausgebürstet werden. Eine moderne Alternative ist beispielsweise ein hoher Cordura-Anteil. Für dieses Gewebe werden Polyamidfasern doppelt versponnen und dann verwoben, sodass ein sehr reißfester Stoff entsteht. Im Gegensatz zu Baumwolle, Polyester und herkömmlichem Nylon ist es deutlich abriebbeständiger. Nachteilig ist allerdings, dass er schwer zu beschichten und sonnenunbeständig ist, das heißt es wird bei ständiger Sonneneinstrahlung brüchig. 

Eine Alternative ist das von Fjällräven entwickelte G-1000. Das dichte Gewebe besteht aus 65 Prozent Polyester sowie 35 Prozent Baumwolle und ist gewachst. Dadurch ist es wind- und wasserabweisend und sehr robust. Dennoch bleibt es extrem atmungsaktiv und schnelltrocknend. Es verfügt zudem über eine Schutzfunktion gegen Sonnenstrahlen und Stechinsekten. Ein guter Partner also, der allerdings hin und wieder nachgewachst werden will. 

 

 

Die Tücke liegt im Detail: Wasserabweisende oder wasserdichte Kleidungsstücke haben ihre Schwachstellen oft an Nähten und Reißverschlüssen. Will der Kunde unter Expeditionsbedingungen jagen, sind geschützte Reißverschlüsse usw. ein Verkaufsargument.
Die Tücke liegt im Detail: Wasserabweisende oder wasserdichte Kleidungsstücke haben ihre Schwachstellen oft an Nähten und Reißverschlüssen. Will der Kunde unter Expeditionsbedingungen jagen, sind geschützte Reißverschlüsse usw. ein Verkaufsargument.
Jacken mit Membranen bieten oft einen besseren Schutz gegen Wind und Temperatureinflüsse. In unserem Beispiel ist es dazu eine farblich für die Einzeljagd wie auch für Gesellschaftsjagden geeignete Version. © Härlila
Jacken mit Membranen bieten oft einen besseren Schutz gegen Wind und Temperatureinflüsse. In unserem Beispiel ist es dazu eine farblich für die Einzeljagd wie auch für Gesellschaftsjagden geeignete Version. © Härlila

Der Ansitzsack ist nicht nur ein Klassiker, er ist auch die optimale Lösung für die Kombination aus beschwerlichem Anmarsch in leichterer Kleidung mit anschließendem längerem Verweilen an einer Position. © Seeland
Der Ansitzsack ist nicht nur ein Klassiker, er ist auch die optimale Lösung für die Kombination aus beschwerlichem Anmarsch in leichterer Kleidung mit anschließendem längerem Verweilen an einer Position. © Seeland

Gore-Tex – Was ist das eigentlich?

Ob Jacken, Hosen oder Stiefel – gerade im Jagd- und Outdoor-Bereich gibt es zahllose Produkte mit einer Gore-Tex-Membran, die man dem Kunden anbieten kann. Diese besteht aus einer Doppelschicht aus expandiertem Polytetraflourethylen (ePTFE) und Polyurethan (PU). Diese Membran ist mit unzähligen kleinsten Poren durchsetzt, sodass Wasser nicht nach innen, Wasserdampf aber nach außen dringen kann. Dadurch bietet sie – anders als imprägnierte Produkte – einen dauerhaften Schutz vor Regen, während gleichzeitig Dämpfe nach außen entweichen können. So staut sich keine Schweißnässe, wie man es von herkömmlichen Regenjacken kennt, und es sind ein angenehmes Körpergefühl und hoher Tragekomfort gegeben. 

Eine Wachsjacke ist auch wind- und wasserdicht. Warum soll ich Gore-Tex empfehlen?

Weil eine Jacke mit einer Gore-Tex-Membran deutlich einfacher zu pflegen ist und damit Ihrem Kunden Zeit spart! Wachsjacken müssen bei häufigem Tragen regelmäßig per Hand gesäubert werden, anschließend sollen sie langsam trocknen, aber bitte nicht auf der Heizung. Außerdem ist häufig Nachwachsen angesagt, was je nach Qualität des Wachses zu einer entsprechenden Duftentwicklung führt. Beim Tragen sind sie kratzanfällig und auch zum Weghängen später muss ein geeigneter Ort gefunden werden. Eine Jacke mit Gore-Tex-Membran kann man dagegen einfach in die Waschmaschine stecken, wobei Pulverwaschmittel oder Produkte, die Weichspüler, Fleckenentferner oder Bleiche enthalten, vermieden werden sollten. Danach kann sie auf die Leine oder kurz in den Trockner. Fertig. 

 

Zeck-Protec – Wie funktioniert das?

Welcher Weidmann kennt das nicht? Ein Tag im Revier mit den üblichen Arbeiten in Feld, Wald und Wiese und wenn er abends nach Hause kommt, muss er seinen ganzen Körper nach den lästigen Holzböcken absuchen. Produkte mit der geruchlosen Zeck-Protec-Imprägnierung bieten hier einen nützlichen Schutz gegen die Quälgeister. Der große Vorteil gegenüber Sprays oder Cremes liegt darin, dass der Wirkstoff während der Produktion in die Kleidung eingearbeitet wurde und so mehr als 80 Waschgänge lang aktiv bleibt, ohne dass eine erneute Imprägnierung der Kleidung nötig ist. Durch den eingearbeiteten Wirkstoff wird bei den Zecken ein sogenannter „Hot-Feet-Effekt“ an den empfindlichen Nerven ihrer Saugfüße ausgelöst, wenn sie die Kleidung berühren. In Reaktion darauf rollen sich die Zecken ein und fallen wieder zu Boden. Für Menschen dagegen ist das Produkt völlig hautfreundlich. 

Safarisituationen erfordern leichte und leicht trocknende Kleidung. In der Beratung darf nicht vergessen werden, auf die kalten Nachttemperaturen in Wüstenregionen hinzuweisen, sodass für die Morgen- und Abendpirsch jeweils auch wärmere Bekleidung zweckmäßig ist. Auch in der heißen Tageszeit sind lange Ärmel und eine Kopfbedeckung sinnvoll, um der Sonnenbestrahlung zu entgehen.

Für die Jagd in gut strukturierter Landschaft sind Tarnmuster zu empfehlen. Hier muss zwischen sportlich aktiver Jagd und eher statischen Jagdarten unterschieden und die Ausrüstung danach gewählt werden. Von außen nicht zu erkennen ist die richtige Unterwäsche, deren Funktionalität gerade im Winter entscheidend sein kann. Je nach Hersteller müssen alle Komponenten auch miteinander funktionieren können, dazu ist genaue Kenntnis der Produkteigenschaften vor der Beratung notwendig.


 

Ist Gummistiefel gleich Gummistiefel?

Jeder kennt die stinkenden, schon von Weitem nach einem feuchten, geruchsintensiven Innenklima aussehenden Plastikstiefel, die zwar außen vor Pfützen schützen, sich aber innen schnell mit Schweiß zu füllen scheinen. Hier kann man dem Kunden Stiefel aus Naturkautschuk anbieten. Dieser hat nicht nur durch das weichere Material einen deutlich besseren Tragekomfort, sondern nimmt auch bis zu einem gewissen Grad Feuchtigkeit auf, insbesondere, wenn er mit einem speziellen Innenfutter versehen sind. Allerdings scheiden sich auch hier die Qualitäten bei der Kratzfestigkeit und der Resistenz gegen Fette, Öle sowie aggressive Flüssigkeiten, etwa Benzin, Laugen und Säuren. Wichtig bei guten Gummistiefeln ist die Ausstattung mit einem guten Fußbett und einer entsprechenden Sohle, denn nur so kann ein komfortables Laufen erreicht werden. Je dicker die Stiefel mit einem Neoprenfutter ausgestattet sind, umso wärmeisolierender sind sie. Und wenn der Kunde keine Gummistiefel anziehen will? Dann wären wir wieder beim Anfang, der Gore-Tex-Membran. Denn diese wurde bereits in Schuhen und Stiefletten verarbeitet und bietet auch hier optimalen Schutz bei Wind wie Regen und zugleich atmungsaktiven Laufkomfort! Sie sind pflegeleicht, sollten allerdings nicht gefettet oder geölt werden, da sonst die Poren verstopfen können. 

 

Welche Kleider machen nun Leute?

 

Vor- und Nachteile haben sicher alle Kleidungsstücke. Ob Ihre Kunden lieber zu natürlichen Materialien oder modernen Stoffen greifen, hängt ganz von deren persönlichem Geschmack und dem gewünschten oder in Kauf genommenen Pflegeaufwand ab. Sicher ist, dass eine Auswahl hochwertiger, langlebiger Produkte im Sortiment und eine gute Beratung die Kompetenz des Fachhandels unterstreicht – auch wenn der Kunde dafür etwas mehr Geld ausgeben muss. Es lohnt sich für ihn auf jeden Fall.

Die Autorin dieses Artikels ist Benia Hüne (hb).

Er ist in der September-Ausgabe 2016 in WM-Intern erschienen.