Messerportrait: Kiridashi 2

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

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Modernes Kiridashi aus D2-Stahl in Vollintegral-Bauweise. Gesamtlänge: 160 mm, Klingenlänge: 60 mm; von Frank Funke. www.messermacher-funke.de
Modernes Kiridashi aus D2-Stahl in Vollintegral-Bauweise. Gesamtlänge: 160 mm, Klingenlänge: 60 mm; von Frank Funke. www.messermacher-funke.de

Nach der vorbereitenden Erklärung des Kiridashi möchte ich jetzt ein Kiridashi vorstellen, das sich noch deutlich weiter von seinen japanischen Vorbildern entfernt hat. Natürlich gibt es bei diesen Schnitzmessern etliche Variationsmöglichkeiten – sie können Holzgriffe haben, unterschiedliche Griffwicklungen oder auch nur aus einem Stück Stahl bestehen, wie das Messer der September-Ausgabe. Ein beidseitiger, symmetrischer Klingenanschliff wäre ebenfalls möglich, ist bei den traditionellen Kiridashi aber schon eher eine Ausnahme. 

Das hier abgebildete Exemplar von Frank Funke ist ein Vollintegralmesser aus rostfreiem D2-Stahl mit der Klingenstärke eines Beils! Seine Abstammung von einem eher filigranen Schnitzwerkzeug zeigt es eigentlich nur dem geschulten und an der Geschichte der Messer interessierten Betrachter. Dafür gefällt dieses Messer mit einer ganz eigenen Ästhetik und seiner ausgewogenen Form. Der Mosaik-Pin als zentrales, dekoratives Element ziert das Messer, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Konstruktion in Integralbauweise trägt zum gediegenen und mächtigen Eindruck bei und das Wüsteneisenholz als Griffmaterial strahlt vornehmes Understatement aus. Noch eine weitere Besonderheit zeichnet die Messer von Frank Funke aus: Jedes von ihnen zeugt von einem eigenen und frischen Stil, ist auf angenehme Art anders, aber trotzdem wiedererkennbar – und das gelingt ihm mühelos, ohne bewusst anders sein zu wollen.

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