Wenn Silhouetten verschwinden

Was wir sehen, entspricht nicht dem, was unser Wild sieht. Schalenwild sieht Rottöne im grünen Bereich. Dadurch bleibt trotz Warnorange die Tarnfunktion erhalten.  © Martin Otto
Was wir sehen, entspricht nicht dem, was unser Wild sieht. Schalenwild sieht Rottöne im grünen Bereich. Dadurch bleibt trotz Warnorange die Tarnfunktion erhalten. © Martin Otto

 

Inzwischen gibt es auf dem Markt zahlreiche Camouflage-Muster. Ob schlicht gemustert, mit Blättern oder gar vollkommen als Baum-Look, sommerlich, herbstlich, winterlich – da verliert man schnell den Überblick. Was ist denn nun eigentlich wirklich das sinnvollste Muster?

 

Gibt es das überhaupt?

Wie so oft gibt es das eine ultimative Muster natürlich nicht. Die Wahl des Camo-Looks hängt zunächst einmal davon ab, welche Wildart bejagt werden soll, denn jede bringt ihre eigenen Eigenschaften, die eigene Umgebung und damit eigene Ansprüche an das Tarnmuster mit. Wenn der Kunde nicht Unsummen für Jagdbekleidung ausgeben möchte, weil er genau genommen für jede Wildart eigene Tarnkleidung anschaffen müsste, sollte sich der Verkäufer auf die Hauptwildart(en) des Kunden konzentrieren.

Schalenwild beispielsweise ist teilweise farbenblind. Es nimmt zwar Blau gut wahr, Rottöne erscheinen für das Wild allerdings auch im grünen Bereich und können damit von diesem nicht unterschieden werden. Hier spielt es also keine Rolle, ob das Camo nun orange oder grün ist. Der häufig gewählte Orangeton „Blaze orange“ liegt farblich in einer Wellenlänge von rund 600 Nanometern und ist damit als Farbe für unsere Schalenwildarten nicht wahrnehmbar. Die Tarnung funktioniert aber nur dann, wenn das Tarnmuster an die natürliche Umgebung des Waldes angepasst ist. Die einfarbige Fläche einer einfachen Warnweste ist ein einfarbiger Fleck in der Natur und damit auffällig. Ein Aufdruck mit dunklen Ästen auf der Jacke dagegen harmoniert mit dem Hintergrund und lässt die Silhouette für das Wild verschwinden, während der Jäger für andere Jagdteilnehmer gut sichtbar bleibt. 

Gesicht und Hände zu tarnen, ist wichtig, denn sonst heben sie sich als helle Flecken vor dem Hintergrund ab. © K.-H. Volkmar
Gesicht und Hände zu tarnen, ist wichtig, denn sonst heben sie sich als helle Flecken vor dem Hintergrund ab. © K.-H. Volkmar

Die Tatsache, dass unterschiedliche Farbtöne vor dem Hintergrund anders wirken, bedingt auch, dass es durchaus relevant ist, ob im hellen Herbstwald ein dunkler oder eben ein heller Camo-Anzug getragen wird. Nur wenn die Farbspektren ähnlich sind, verschwimmen die Konturen und man verschmilzt mit der Umgebung. Das geht für Laubwälder bereits so weit, dass einige Tarnanzüge mit künstlichen Blättern bestückt sind. Der Jäger wird sozusagen zum Busch. 

Im Gegensatz zum Schalenwild kann Flugwild Farben sehen, sodass bei ihrer Bejagung nicht nur das Muster, sondern auch die Kolorierung zur Umgebung passen muss. Hier bietet sich häufig ein Schilf­imitat an.

Beim Fuchsansitz im Winter eignet sich ein Schnee-Camo besonders gut. Allerdings gilt es in diesen Breiten zu beachten, dass richtige Schneetage eher die Ausnahme darstellen.

Jede auch noch so gut angepasste Tarnjacke nutzt allerdings wenig, wenn Hände und Gesicht ausgespart werden. Diese erscheinen in jeder Umgebung als einfarbige Flächen und heben sich ab, sodass das Wild den Jäger doch gewahr wird. Zudem sind die Hände viel in Bewegung, beispielsweise beim Ergreifen der Waffe oder des Fernglases, wodurch sie als Unregelmäßigkeit und Bewegung im Gelände leicht eräugt werden. Um das zu verhindern, wurden inzwischen ausgezeichnete Handschuhe, Masken und Kappen entwickelt. 

Neben dem Muster ist aber auch die Qualität der Bekleidung entscheidend, denn niemand wird Freude an zu warmer, zu kalter oder qualitativ minderwertiger Tarnbekleidung haben. Für den Einsatz auf der Pirsch gilt es zudem, an den Schutz vor Dornen sowie an die Widerstandsfähigkeit zu denken. Dabei muss jedoch genügend Bewegungsfreiheit erhalten bleiben, um schnell und sicher einen Schuss antragen zu können. Eine Membrane sollte vorhanden sein, um vor Wind und Regen zu schützen, Atmungsaktivität verhindert ein übermäßiges Schwitzen. Unter all dem darf die Geräuscharmut nicht leiden, denn sonst ist der Jäger zwar nicht zu sehen, akustisch aber bei jeder Bewegung gut wahrnehmbar. 

Wenn der Kunde das ganze Jahr über getarnt sein will, hat er die Wahl, sich entweder unterschiedlich dicke beziehungsweise warme Bekleidung mit jeweils leicht verschiedenen Farben zuzulegen oder sich für eine Überziehjacke mit einem Grundmuster zu entscheiden, die im Winter mit darunter getragener warmer Kleidung verstärkt wird.

Das Tarnmuster Optifade™ wurde aufgrund von Erkenntnissen über das Sehvermögen des Schalenwildes am Computer entwickelt. © Härkila
Das Tarnmuster Optifade™ wurde aufgrund von Erkenntnissen über das Sehvermögen des Schalenwildes am Computer entwickelt. © Härkila

 

 

 

OPTIFADE

 

Die aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Art des Sehens des Schalenwildes am PC entwickelte Optifade™-Tarnkleidung wirkt auf den ersten Blick militärisch. Sie lässt allerdings den Jäger durch einen Effekt von zwei Mustereigenschaften perfekt mit seiner Umgebung verschmelzen. Das Optifade™-Tarnmuster verfügt über ein großflächiges Macro-Muster, das mathematisch so berechnet ist, dass es die Konturen des Jägers vor dem Hintergrund aufbricht und damit verschwimmen lässt. Ein Micro-Muster sorgt in Gestalt kleinflächiger, verteilter Formen für eine gewisse räumliche Tiefe sowie die farbliche Anpassung an den Hintergrund und macht den Jäger so „komplett unsichtbar“. 

Die Autorin dieses Artikels ist Benia Hüne (hb).

Er ist in der Dezember-Ausgabe 2016 in WM-Intern erschienen.