Der Zauber des jagdlichen Blätterwaldes

Die meisten Besucher sind beeindruckt, wenn sie erstmals die Räumlichkeiten der Deutschen Jagdbibliothek in Melsungen betreten. Viele wissen nicht, welch vielfältigen Kulturschatz das jagdlich geprägte Schrifttum birgt und wie zahlreich es ist. Allein die Zeitschriften zum Thema Jagd sind eine Fundgrube, die ihresgleichen sucht.

 

Deutsche Jagdbibliothek (DJB)

Bei der Suche nach Antworten auf jagdliche Fragen bieten die Zeitschriften und Periodika zahlreiche Anhaltspunkte, sie stellen einen Bezug zu anderen Themen her und liefern präzise zeitliche Angaben. Gerade deshalb sind sie – zumindest seit Mitte des 19. Jahrhunderts – das wichtigste Arbeitsmittel in der jagdlichen Forschung. Die bis auf wenige Bände in der Bibliothek vollständig vorhandenen Ausgaben der Deutschen Jägerzeitung, des Deutschen Jägers, von Hugo’scher Jagdzeitung, Wild und Hund, Deutscher Jagd und St. Hubertus sowie zahlreiche andere sind ein hilfreiches Instrument von unschätzbarem Wert.

Im Herbst 2009 fanden innerhalb weniger Tage die Gründungsversammlung der Deutschen Jagdbibliothek und die Gründung der 

Julius-Neumann-Stiftung als sie tragende Institution statt. Den Anstoß dazu lieferte der Verkauf und somit die Zerstreuung der Bibliotheca Tiliana des Industriellen und Jagdwissenschaftlers Kurt Lindner (1906–1987) ab dem Jahr 2003. Sie enthielt etwa 12.000 Druckwerke – jagdliche Fachliteratur und solche benachbarter Disziplinen wie etwa der Forstwissenschaft oder Angelfischerei – und war die seinerzeit bedeutendste private jagdliche Buchsammlung Europas.

Die Deutsche Jagdbibliothek setzt ihren Sammelschwerpunkt auf sämtliche deutschsprachige jagdliche Literatur, also nicht nur auf Fachwerke, sondern beispielsweise auch auf die Jagdbelletristik. Sie verfügt inzwischen über einen Sammlungsbestand von weit über 10.000 Publikationen. Dazu kommen zahlreiche Gemälde und Kunstgegenstände, denn parallel ist der Aufbau einer Sammlung „Deutsche Jagdkunst“ geplant. Beides zusammen ist sowohl den zahlreichen privaten Spendern zu verdanken, kommt aber gleichermaßen durch Auflösungen von Bibliotheken aus dem Forst-Bereich oder durch Schenkungen von Erben, die mit dem Bereich Jagd nicht mehr viel anfangen können, zustande. Dennoch ist die Sammlung bei Weitem noch nicht vollständig. Die Stiftung selbst schätzt, dass ungefähr 40.000 Bände in deutscher Sprache zum Thema Jagd erschienen sind, nicht mitgezählt die zahlreichen Romane und Erzählungen, die in einem jagdlich geprägten Umfeld spielen oder in denen Jäger Handlungsträger sind.


Auf dem Weg in die Deutsche Jagdbibliothek sind Arbeiten von Hans Lakomy zu sehen. Die „Big Five“ laden ein zum Innehalten und Bestaunen.

 

Julius-Neumann-Stiftung

Der Sammlungsschwerpunkt „Jagd“ ist ein Fachbereich, der in öffentlichen Bibliotheken quasi nicht, bestenfalls als Randbereich von Biologie, Naturschutz oder Forstwissenschaft vorhanden ist. Private Sammlungen hingegen werden nicht selten mit dem Ableben ihres Besitzers aufgelöst. Um das zu verhindern, haben sich die Gründungsstifter – Verlag J. Neumann-Neudamm AG, JANA Jagd + Natur VertriebsGmbH, Heiko und Walter Schwartz – entschieden, die Julius-Neumann-Stiftung als Träger der Deutschen Jagdbibliothek ins Leben zu rufen. Denn nur so ist eine Ewigkeitsgarantie gegeben und eine Abhängigkeit der Einrichtung von Personen, Unternehmen, kommerziellen Interessen oder anderem ausgeschlossen.

Die gemeinnützige Stiftung zur Förderung der Jagdkultur wird vollständig aus privaten Mitteln finanziert und ist unabhängig von staatlichen Subventionen und Zuschüssen. Ihre wesentlichen Aufgaben bestehen im Aufbau einer öffentlich zugänglichen Deutschen Jagdbibliothek und dem Aufbau der Sammlung „Deutsche Jagdkunst“ sowie der Präsentation jagdlicher Gemälde und Skulpturen. Besucher des Verlages werden bereits im Treppenhaus mit einer beeindruckenden Dauerausstellung empfangen, die Teil der Sammlung ist.

Auch die Förderung des jagdlichen Schrifttums gehört zu den Aufgaben der Julius-Neumann-Stiftung. Daher galt es bereits von Anfang an, die zahlreichen Medien bibliographisch zu erfassen und diese Daten möglichst öffentlich zugänglich zu machen. Inzwischen werden die Bestände der Deutschen Jagdbibliothek dafür kontinuierlich in die Datenbank eingegeben. Interessenten können das wachsende Datenvolumen unter www.julius-neumann-stiftung.de/online-katalog einsehen.

 

Deutsche Jagdbibliographie (JB)

Damit jedoch nicht genug: Die Julius-Neumann-Stiftung hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, über den Bestand der DJB hinaus, die gesamte deutschsprachige Jagdliteratur zu erfassen. Denn eine vollständige Bibliographie deutscher Jagdliteratur existiert bislang nicht. Zwar gibt es einige Vorarbeiten wie die „Bibliographie der deutschen und der niederländischen Jagdliteratur von 1480 bis 1850“ (Berlin, New York 1976) von Kurt Lindner, auch sind für die Zeit von 1850 bis 1945 in begrenztem Umfang Daten erfasst, doch der Erscheinungszeitraum nach 1945 ist überhaupt noch nicht bearbeitet worden.

Vorrangig geplant ist, zunächst einmal die Fachliteratur und die Zeitschriften zu bibliographieren. Die bisher vernachlässigte Jagdbelletristik sowie die jagdliche Reiseliteratur nebst jagdlicher Sekundärliteratur sollen dann ebenfalls Berücksichtigung finden. Der Stiftungsrat mit der Geschäftsführung hat es sich zur prioritären Aufgabe gemacht, die Bibliographie jagdlichen Schaffens zu vervollständigen, damit die inhaltliche Auswertung danach schneller und gezielter erfolgen kann. „Denn auch wenn ein Werk (noch) nicht in der Deutschen Jagdbibliothek zu finden ist, ist doch das Wissen um seine Existenz entscheidend, um dem Recherchierenden die Möglichkeit zu geben, alle Quellen zu erforschen“, sagt Heiko Schwartz.

Außerdem sollen künftig öffentliche Datenbanken wie zum Beispiel die Lexika-Plattform Wikipedia mit jagdlich fundiertem Wissen gefüttert werden. Trotz hoher Veröffentlichungsstandards sind jagdliche Artikel dort augenscheinlich oft schlecht oder gar nicht recherchiert. Zudem mangelt es häufig an Jagdkünstlern und Autoren – die Verknüpfung zu deren Lebensläufen und Schaffenswerk wird parallel zur Bibliographie erstellt.

Der Titel des Jahrbuches zeigt jeweils ein Kunstwerk, dessen Künstler dem Leser innerhalb der Ausgabe vorgestellt wird.
Der Titel des Jahrbuches zeigt jeweils ein Kunstwerk, dessen Künstler dem Leser innerhalb der Ausgabe vorgestellt wird.

Neudammerin/ Die Jagd

Um regelmäßig Neues über die Stiftungsarbeit zu erfahren, interessante Fundstücke aus der Deutschen Jagdbibliothek kennenzulernen oder auch aktuelle Berichte über die Jagdkultur zu lesen, lohnt ein Blick in „Die Jagd“, das Jahrbuch für Jagdkultur und Geschichte im ländlichen Raum. 2003 erstmals erschienen unter dem Titel „Die neue Neudammerin“, versteht sich die Zeitschrift als eine moderne Neuauflage der Deutschen Jägerzeitung, die nach ihrem Verlagsort Neudamm seinerzeit liebevoll Neudammerin genannt wurde.

Dem Leser etwas Besonderes bieten – unter dieser Prämisse wird nicht nur den Jägern, sondern auch den interessierten Nichtjägern seit über einem Jahrzehnt jagdliches Wissen, Unterhaltung sowie Kultur und Brauchtum vermittelt und dabei ohne Rücksicht auf Politik und aktuelle Ereignisse der kleine Luxus von Zeitlosigkeit gepflegt. Neben einer bunten Mischung aus alten Texten und jagdkulturellen Betrachtungen der Gegenwart liegt ein Hauptaugenmerk auf den schönen Künsten. Die reiche Bilderwelt der Jagdkunst und die sprachliche Kunst der Jagdlyrik zu zeigen oder auch das Vorstellen mal mehr, mal weniger bekannter Autoren hat hier einen besonderen Stellenwert.

Ganz nebenbei hat sich die Neudammerin nach 2009 zu einem Organ und Sprachrohr der Julius-Neumann-Stiftung gemausert. Durch notwendig gewordene strukturelle Veränderungen ist aus dem bis dato vierteljährlich erscheinenden Heft nun ein Jahrbuch geworden, das den geballten Zauber des jagdlichen Blätterwalds bereithält – und dabei ist und bleibt es die derzeit einzige Jagdkulturzeitschrift ihrer Art.

www.julius-neumann-stiftung.de

www.julius-neumann-stiftung.de/deutsche-jagdbibliothek 

Welche Möglichkeiten zur Unterstützung der Stiftungsarbeit gibt es?

Grundsätzlich kann sich jeder einbringen, um etwas zur Arbeit der Julius-Neumann-Stiftung beizutragen. Dazu gibt es im Einzelnen derzeit folgende Optionen:

  1. ein Engagement im Förderverein der Julius-Neumann-Stiftung
  2. ein Abonnement der Stiftungszeitschrift „Die Jagd“ (bis 2015: Die neue Neudammerin)
  3. Sachspenden wie Bücher, Kunstgegenstände aus dem jagdlichen Bereich, Präparate, historische jagdpraktische Gegenstände
  4. einmalige oder regelmäßige Geldspenden
  5. oder auch durch eine testamentarische Verfügung (über Werte oder Rechte, zum Beispiel durch Abtretung der Buchrechte aus einem Autorenvertrag nach dem Tod)

 

Die Autorin dieses Artikels ist Claudia Mertsch (cm).

Er ist in der März-Ausgabe 2017 in WM-Intern erschienen.