Online, online über alles

Die Welt ist digital und das Internet als überregionaler Markt- und Handelsplatz ist nicht mehr wegzudenken – keine Frage! Unstrittig ist auch, dass besonders der Facheinzelhandel unter den Umsatzverschiebungen und dem Preisverfall im Onlinehandel leidet. Trotzdem liegen die Chancen und die Zukunft nicht ausschließlich, aber zu einem erheblichen Teil in den anonymen Händen von Suchalgorithmen und Onlinemarktplätzen. 

Das waren jetzt alles keine neuen Weisheiten, meinen Sie? Dann haben Sie recht. Spannend wird der Blick auf die neue Generation von Marketingstrategen, die sich anschickt die PR-Arbeit der Branche zu revolutionieren. Diese meist in den 80ern des letzten Jahrhunderts geborenen, sich gerade eben schon zu den Digital

Natives zählenden Kommunikationsexperten fahren offensichtlich völlig auf den Onlinehype ab. Atemberaubende Budgets werden auf oft fragwürdiges Onlinemarketing fokussiert, ohne der Frage nachzugehen, wen man damit eigentlich erreicht!

Sicherlich haben die meisten Deutschen heute irgendwie oder irgendwo einen Internetanschluss, aber ist dieser auch flächendeckend so schnell, das es Spaß macht Produkt- und Werbevideos anzuschauen? Eher nicht: Noch Ende 2016 antwortete das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur auf eine parlamentarische Anfrage, dass im ländlichen Raum bisher nur 29,9 Prozent der Haushalte einen Anschluss mit 50 Mbit/s buchen könnten,

während in den Städten bereits 86,2 Prozent Zugang zu schnellen Internetverbindungen hätten. Dass gerade von der Zielgruppe „Jäger“ ein erheblicher Teil in genau diesem ländlichen Raum zu Hause ist, ist natürlich auch keine neue Weisheit. Genauso alt ist die Erkenntnis, dass die deutsche Jägerschaft generationenübergreifend nicht unbedingt zu den technikaffinsten Gruppen der Gesellschaft gehört. Insofern ist anzunehmen, dass mit der Fokussierung auf Onlinewerbung lediglich ein kleiner Ausschnitt der Zielgruppe erreicht werden kann, während weite Teile der potenziellen Kunden einfach ignoriert werden.

Ich könnte jetzt noch lange weitermachen, beispielsweise mit einem Vergleich der Nutzungsdauer von Onlinemedien mit Printausgaben oder einer Analyse der Mitgliederzahlen jagdlicher Gruppen in den sozialen Netzwerken. Das Ergebnis wäre immer das Gleiche:

„Online“ ist wichtig, aber um die Masse der Zielgruppe nachhaltig zu erreichen, ist ein Medienmix aus klassischen und neuen Medien notwendig, der am effizientesten funktioniert, wenn diese Medien in

einer Kampagne aufeinander abgestimmt sind. Auch das ist keine neue Erkenntnis und eigentlich sollten gerade die oben erwähnten Marketing-Experten noch in der Lage sein, von Zeit zu Zeit über den Display-Rand des eigenen Smartphones zu schauen und zu reflektieren, ob sich die eigenen Präferenzen auch tatsächlich mit denen der Zielgruppe decken.