Plagiarius 2017

 

Dass Plagiate und Fälschungen erfolgreicher Markenprodukte weder Kompliment noch Kavaliersdelikt sind, darauf verweist seit nunmehr 40 Jahren der Negativpreis „Plagiarius“, der die dreisten Geschäftspraktiken der Nachahmer, die 1:1 das jeweilige Design beziehungsweise die technischen Lösungen kopieren, ins öffentliche Bewusstsein rückt – so auch 2017. Die Preisverleihung fand im Rahmen einer internationalen Pressekonferenz im Februar auf der Frankfurter „Ambiente“ statt. Die Trophäe des Schmähpreises – ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase als Symbol für die immensen Gewinne, die die Produktpiraten sprichwörtlich auf Kosten innovativer Unternehmen erwirtschaften – erhielten in diesem Jahr folgende Produkte.

1. Preis: Roll-Hundeleine „flexi Explore L“ (Original von flexi-Bogdahn International GmbH & Co. KG, Bargteheide, Deutschland). Fälschungen gibt es von diversen anonymen Online-Anbietern, die über amazon.com (USA) mit Scheinidentitäten und täglich wechselnden Accounts agieren. Die minderwertige Qualität (zum Beispiel die nicht funktionierende Aufrollmechanik) führte in den USA bereits zu Kundenbeschwerden und Reputationsschäden. 

2. Preis: Bürostuhl „Silver“ (Original von Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG, Meßstetten-Tieringen, Deutschland). Das Plagiat wird über Shenzhen Chunshan Trading Co. Ltd., Shenzhen, VR China, vertrieben. 

3. Preis: Druckmessgerät (Original von WIKA Alexander Wiegand SE & Co. KG, Klingenberg, Deutschland). Fälschungen: Ma Anshan Exact Instrument Co., Ltd., VR China (Herstellung) und Buu Ky, Ho Chi Minh City, Vietnam (Vertrieb). 2015 wurden bei Buu Ky im Rahmen einer Razzia durch die Economic Police „WIKA”-Fälschungen beschlagnahmt. 2016 fand man in einer 2. Razzia die „VIKA“-Fälschungen, bei denen teils nur der vordere Teil des „W“ weggekratzt und teils das „W“ gegen ein „V“ getauscht worden war (siehe Lücke beim VIKA-Logo).

Des Weiteren ging eine „Auszeichnung“ an die Isolierkanne „Ciento” (Original von Helios Dr. Bulle GmbH & Co. KG, Wertheim, Deutschland), welche über einen Basarhändler in Dubai, VAE Vereinigte Arabische Emirate, vertrieben wird. Hier handelt es sich nicht nur um ein Design-Plagiat, sondern auch eine Markenverletzung. Der Nachahmer kopiert das Design der Isolierkanne „Ciento“ von Helios, vertreibt diese Kopie aber weder unter eigener Marke noch unter „Helios“, sondern benutzt illegal die Schweizer Marke „Zepter“ der Firma Zepter International. Er kombiniert also das Design einer renommierten Firma mit der Marke einer anderen bekannten Firma. 

Alle Fotos zeigen jeweils links das Original und rechts das Plagiat. © Plagiarius
Alle Fotos zeigen jeweils links das Original und rechts das Plagiat. © Plagiarius

Die Auszeichnung mit dem „Plagiarius“ sagt nichts darüber aus, ob das jeweilige nachgemachte Produkt „im juristischen Sinne“ erlaubt oder aber rechtswidrig ist. Das hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel eingetragenen gewerblichen Schutzrechten für das Originalprodukt oder unlauterem Wettbewerbsverhalten seitens des Nachahmers. Die Aktion Plagiarius kann und will also kein Recht sprechen. Sie macht jedoch auf die enormen (Image-)Schäden für die Originalhersteller und die (Sicherheits-)Risiken für Verbraucher aufmerksam. Solange eine Nachfrage für kopierte Waren besteht, wird diese allerdings auch bedient werden, denn für Fälscher ist dies ein extrem lukratives Geschäftsmodell. Daher ist eine praxisnahe Aufklärung der Verbraucher über die Produkt- und Markenpiraterie sehr wichtig. Die öffentliche Preisverleihung des Vereins hilft unter anderem bei der Sensibilisierung von Industrie, Politik sowie der Konsumenten für diese Problematik, die besonders durch das Internet und die digitale Kommunikation rasant zunimmt. (mvc)

www.plagiarius.com