Neuer Ausbildungsweg: Kauffrau/Kaufmann im E-Commerce

© Antonioguillem - stock.adobe.com
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Ab dem 1. August 2018 kann der neue Beruf „Kauffrau/Kaufmann im 

E-Commerce“ ausgebildet werden. Möglich ist dies in allen Betrieben des Groß- und Einzelhandels, aber auch der herstellenden Industrie, die Onlinekanäle für den Vertrieb ihrer Waren und Dienstleistungen nutzen. Mit Inkrafttreten der Verordnung können Betriebe sich als Ausbildungsbetriebe bei ihren IHKs melden und auch Ausbildungsverhältnisse eingetragen werden. Bis zum Sommer 2018 werden zudem die Berufsschulstandorte festgelegt und die dortigen Lehrkräfte intensiv auf die neuen Lernfelder vorbereitet. 

 

Der neue Beruf ist in intensiver Zusammenarbeit der maßgeblichen Verbände und Sozialpartner des Handels und der Dienstleistungsindustrie in nur 15 Monaten entwickelt worden. Die beteiligten Ministerien und Institutionen auf Bundes- und Landesebene haben gleichfalls mit Nachdruck die obligatorischen Prüfungen vorgenommen. „E-Commerce ist mehr als eine Fertigkeit neben anderen in bestehenden Berufen. Unsere Branche wächst dynamisch in allen Bereichen der Wirtschaft. Mit dem neuen Beruf tragen wir nicht nur dazu bei, dringend benötigte Fachkräfte für Digitalisierung zu schaffen. Er wirkt auch identitätsstiftend“, freut sich Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des E-Commerce-Verbandes bevh und Mitglied der Sachverständigen-Kommission für den neuen Beruf. „Der neue Beruf trifft bundesweit bei Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen auf großes Interesse“, so Simon Grupe, Ausbildungsexperte beim DIHK. „Die duale Berufsausbildung als Markenzeichen der deutschen Wirtschaft bietet nun eine neue, auf digitale Geschäftsmodelle ausgerichtete Qualifikation an.“

Wer darf ausbilden? 

Alle Betriebe, die bereits einen Onlineshop betreiben. Es reicht auch aus, wenn die Firma regelmäßig Onlinevertriebskanäle nutzt, zum Beispiel eine Kooperation mit Amazon oder Ebay. Der Betrieb muss bei der örtlichen IHK nachweisen können, dass er die Inhalte der Ausbildungsverordnung erfüllen kann. Mithilfe des neuen Azubi erst einen eigenen Shop aufbauen zu wollen, geht nicht. Im Betrieb muss es einen Mitarbeiter mit Ausbilderschein geben, der sich mit E-Commerce-Inhalten auskennt.

 

Sie wollen ausbilden. Was ist zu tun?

Zunächst gehen Sie zu Ihrer IHK und geben Bescheid, dass Sie gerne in diesem Beruf ausbilden möchten. Sie wird prüfen, ob Ihr Betrieb dafür geeignet ist. Sobald der Beruf im Bundesgesetzblatt steht, beginnt die Erarbeitung eines betrieblichen Ausbildungsplans. 

 

Was sind die Inhalte der Ausbildung?

Laut IHK Düsseldorf: Vertriebskanäle auswählen und einsetzen, Waren oder Dienstleistungen entwickeln und online bewirtschaften, projektorientiertes Arbeiten, Kommunikation, Beschaffung, kaufmännische Steuerung, Onlinemarketing, Online-Verträge. Der E-Commerce-Verband bevh geht darüber hinaus davon aus, dass Azubis lernen werden, einen Online-Vertriebskanal passend zum Betrieb und zum Nutzerverhalten auszuwählen. Ebenfalls dazugehören werden die Vertragsanbahnung und -abwicklung (Fulfillment), inklusive Kundenservice und Retouren. Die Berufsausbildung dauert drei Jahre, kann aber verkürzt werden.

 

Die Unternehmen sind gefragt

Für die Festlegung der Berufsschulstandorte ist die Unterstützung der Unternehmen gefragt: Auf der Seite www.ecommerce-ausbilden.de können Unternehmen ihre Stimme abgeben. Einfach die Postleitzahl und die beabsichtigte (nicht bindende) Anzahl von Ausbildungsplätzen im E-Commerce eintragen und mitmachen. Die so entstehende Liste hilft den regionalen Industrie- und Handelskammern sowie den Bezirksregierungen bei der Entscheidung über Berufsschulstandorte.