Vier Jahrzehnte – WM-Intern wird 40

© WM-Intern
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Waffenmarkt-Intern geht ins 40. Jahr, was Anlass für einen Rückblick auf vier Jahrzehnte ist. Neue Trends, restriktives Waffenrecht und eine stetig voranschreitende Entwicklung der Kommunikationstechnik prägten diesen Zeitraum und WM-Intern war als Branchenfachzeitschrift stets mitten im Geschehen. 

 

Zeitschriften sind keine neutralen Gegenstände, sie werden von Menschen gemacht, die dem Produkt unweigerlich ihre persönliche Note aufprägen. So war und ist es auch beim Waffenmarkt-Intern. Von Beginn an war WM-Intern ein unabhängiges, kritisches Blatt, das in den letzten vier Jahrzehnten auch für manchen Aufreger in der Traditionsbranche Waffenfachhandel sorgte. 

Als Karlfranz Perey vor vierzig Jahren das Konzept Waffenmarkt entwarf, war Insidern klar, dass man in der neuen Zeitschrift Klartext schreiben würde. Der Gründer war aufgrund seiner früheren Tätigkeit für führende Handelsunternehmen der Branche als Vor- und Querdenker bekannt, der kein Blatt vor den Mund nahm. Die nachfolgende Verlegerin, Maggy Spindler, führte diese Tradition weiter. Seit 2013 gehört die Zeitschrift zum Verlag Neumann-Neudamm in Melsungen. Unter der Regie von Heiko Schwartz, Herausgeber, arbeitet das Redaktionsteam unter der Führung der Redaktionsleiterin Claudia Jahn weiter in der Tradition kritischer und unabhängiger Berichterstattung. Zur Diskussion anregende Kommentare gehören ebenso zum festen Bestandteil von WM-Intern wie die Neuheiten-Meldungen aus der Branche. 

 

Eng verbunden war und ist WM-Intern stets mit der IWA in Nürnberg, die zu den jährlichen Highlights für die WM-Intern Redaktion gehört. Dabei waren es oftmals WM-Intern-Beiträge, die heiße Diskussionen während der vier Messetage auslösten. In den Gründerjahren gab es sogar eine Messe-Sonderausgabe, die während der IWA produziert wurde und am zweiten beziehungsweise dritten Messetag zur Verteilung kam. Im Zeitalter der elektronischen Medien haben sich solche Serviceangebote überholt. 

Für Gesprächsstoff sorgte 1980 ein in der IWA-Ausgabe (WM-Intern 3/1980) veröffentlichtes Interview, das Karlfranz Perey (KP) mit dem damals 37-jährigen Wulf-H. Pflaumer (WHP) führte. Hier folgt eine der markantesten Passagen daraus, als es um die preisgünstigen Daisy-Waffen ging: „KP: Aber warum soll sich ein Büchsenmacher mit solchen Sachen abgeben? WHP: Er soll sich nicht ‚abgeben‘, sondern sie so behandeln, wie man solche Produkte halt behandelt. Rein ins Fenster, im Geschäft so hingestellt, dass jeder drüber fällt. System Selbstbedienung – um Gottes Willen keine Beratung, das wäre viel zu teuer. Außerdem kann ein Büchsenmacher, der Waffen für 10.000 Mark verkaufen kann, sich nur selber im Wege stehen, wenn er hier beraten soll. Es genügt, viel Spaß zu wünschen und zu kassieren.“ So weit aus der guten alten Zeit, als man noch darüber stritt, ob man Freizeitwaffen im Sortiment führt. Heute sichern diese Waffen – natürlich verstärkt um Premium-Linien – gar manchem Waffenfachhändler das wirtschaftliche Überleben und Wulf-H. Pflaumer ist längst einer der ganz Großen der Branche. Traditionalisten ließen in den 1980er Jahren oftmals in Gesprächen kein „gutes Haar“ an den Machern von WM, die sehr früh diesen Trend wohlwollend begleiteten.

Ein historisches Jahr in der deutschen Waffenbranche war 2000, das der WM-Intern-Redaktion wahrlich wichtige Nachrichten bescherte. Gerhard Blenk verkaufte nach 15 Jahren die Firma Blaser an die schweizerische SIG. Noch im gleichen Jahr trennte sich die SIG von der Waffensparte und die beiden Investoren Michael Lüke und Thomas Ortmeier erhielten den Zuschlag, womit die beiden über Nacht in der Waffenbranche eine Schlüsselstellung einnahmen, schließlich gehörten ihnen damit neben Blaser auch Sauer, SIGARMS USA, Hämmerli und die neu entstandene Firma SAN. Mit der etwas später erfolgten Übernahme von Kettner wurde Michael Lüke zum vielleicht mächtigsten Mann in der deutschen Waffenbranche. Hörte man die Verlautbarungen von Lüke oder die heimlichen Insiderkenntnisse über angebliche Aussagen des Herrn Lüke, so geriet mancher kleine Fachhändler in Angstzustände. Selbst Lieferanten hatten Befürchtungen, dass die Lüke-Gruppe zu stark würde. 

 

Die Herausgeber und Verleger (von links): Karlfranz Perey,  Maggy Spindler und Heiko Schwartz. © WM-Intern
Die Herausgeber und Verleger (von links): Karlfranz Perey, Maggy Spindler und Heiko Schwartz. © WM-Intern

Den Zorn der inzwischen zur Otto-Gruppe gehörenden Firma Frankonia zog sich die WM-Intern Redaktion mit einem Beitrag im Heft 9/2007 zu. Der Autor des Artikels stellte bei der Besprechung der Herbstkataloge bezüglich des Frankonia-Katalogs nüchtern fest, dass dort nicht vertretene Marken für die Lagerhaltung des Waffenfachhändlers in Betracht kommen. Die Reaktionen des Marktriesen aus Würzburg waren laut und harsch zu vernehmen. 

Für Lesestoff sorgte auch die Schließung der Wischo in Erlangen und die Neugründung von Waimex vor einigen Jahren durch ehemalige Mitarbeiter von Wischo. 

Die Wellen schlugen hoch, als 2007 Verbindungen zwischen der Geschäftsführung von Forum Waffenrecht und der 2004 gegründeten FS Consulting International GmbH (FSCI) bekannt wurden. Pikant daran war der Zweck der FSCI, nämlich die Beratung bei der Entwicklung von Waffenblockiersystemen. WM-Intern stellte die Zusammenhänge in einem Beitrag (WM-Intern 9/2007) schonungslos dar.

Immer wieder musste sich die WM-Intern-Redaktion in den ersten Jahren auch den damals sogenannten „Schlafzimmerhändlern“ widmen. Gemeint waren die vermehrt auftretenden Nebenerwerbsbetriebe, von denen sich die traditionellen Büchsenmacherfachbetriebe in ihrer Existenz bedroht sahen. Daher war dies auch ein Hauptthema beim Interview mit dem damaligen VDB-Vorsitzenden Wilhelm Friedhoff in WM-Intern 3/1983. Die „Schlafzimmerhändler“ waren damals für den VDB und seine Mitglieder so etwas wie ein „rotes Tuch“. Längst haben sich Nebenerwerbler etabliert und finden auch Aufnahme beim VDB. So ändern sich die Zeiten und WM-Intern hatte stets das Ohr am Puls der Zeit, auch wenn es den VDB-Oberen nicht immer ins Konzept passte, was die Kölner wieder unters Volk gebracht hatten.

Wie ein roter Faden zieht sich seit den ersten Ausgaben von WM-Intern das Waffenrecht durch alle vier Jahrzehnte. Es verging kaum ein Jahr, in dem wir nicht kritisch über angedachte Verschärfungen nach der grundsätzlichen Neuordnung des Waffenrechts von 1972 berichten mussten. Das größte Ärgernis: Alle Bundesregierungen versprachen mit schöner Regelmäßigkeit, das Waffengesetz transparenter und praxisgerechter zu gestalten. Zur großen Reform in diesem Sinne kam es jedoch nie. Die kritischen Zwischenrufe der WM-Intern-Redaktion passten auch manchem Verbandsfunktionär aus der Waffenbranche nicht immer. So war die sogenannte „Geheimdiplomatie“ dieser Funktionäre oftmals der Stein des Anstoßes. 2001 sollte es dann so weit sein. Die IWA dieses Jahres war diesbezüglich von Optimismus getragen. Die Sache schien in trockenen Tüchern und als die Verabschiedung im April 2002 im Bundestag anstand, geschah am 26. April 2002 der furchtbare Amoklauf in Erfurt. Die Arbeit von Jahrzehnten war kaputt und die Hatz der Gutmenschen auf legale Waffenbesitzer begann. Obwohl die dann vorgenommene Novellierung restriktiver ausfiel als der 2001er Entwurf, war man bei der IWA 2003 zumindest bei einigen Ausstellern nahezu euphorisch. Der Anscheinsparagraph war gefallen und der Weg damit weitgehend frei für die Black Guns, die heute aus kaufmännischer Sicht eine wichtige Stütze des Waffenfachhandels sind. WM-Intern begleitete diesen Trend von Beginn an positiv, teilweise gegen den Widerstand der Traditionalisten. 

Verwundert waren viele Leser aufgrund des Beitrags „Der Zauber des Orients“ (WM-Intern 8/2007). Anlass dafür war die grundsätzlich optimistische Tendenz des Beitrags zur Übernahme von Merkel durch die arabische Firma Caracal. Manch ein „Patriot“ sah schon den Ausverkauf deutschen Kulturguts darin.

Die emotional wohl schlimmste IWA fand 2009 statt, als ein Amokläufer am 11. März 2009, zwei Tage vor Eröffnung der IWA, in Winnenden ein Blutbad anrichtete. In den Folgemonaten waren die Extremforderungen der Waffengegner ein stetiges Thema für die WM-Intern-Redaktion, die leider auch über gegenseitige „Grabenkämpfe“ der einzelnen Interessenverbände der Legalwaffenbesitzer zu berichten hatte und sich dabei nicht immer Freunde schuf. Diese Beispiele belegen, dass die WM-Intern-Redaktion stets neue Entwicklungen im Blickfeld hat und auch unter Inkaufnahme von harscher Kritik ihre Journalistenpflicht erfüllt, wobei sie sicher in der Zukunft gleichermaßen mitten in manchem Fettnäpfchen stehen wird. 

 

Das Erscheinungsbild von WM-Intern hat ebenfalls über die vier Jahrzehnte mehrmals einen Wandel erfahren. Es begann mit einem ungewöhnlich großen, über DIN A4 liegenden Format, das jedoch nur wenige Ausgaben beibehalten wurde. Natürlich wurde die ersten Jahre in Schwarz-Weiß gedruckt. Farbe hielt beim Druck der WM-Intern in mehreren Etappen Einzug. Auch Hardy, das Erdmännchen, eroberte den Waffenmarkt: Was zu Beginn eine gelungene Auflockerung war, nahm in den letzten Jahren vor der Übernahme von WM-Intern durch den Verlag Neumann-Neudamm zuweilen groteske Züge an. Man konnte in machen Ausgaben meinen, Hardy hätte die Rollen von Herausgeber und Chefredakteur übernommen. In jenen Jahren wurde die Aufmachung von WM-Intern auch sonst immer bunter. Heiko Schwartz, Verleger von WM-Intern bei Neumann-Neudamm, führte das Branchen-Blatt zu seinem heutigen Erscheinungsbild. Hardy wurde auf ein gesundes Maß beschränkt und die farbliche wie grafische Gestaltung wurden modern und zugleich wieder zur Branche passend etwas konservativer, was von den meisten Lesern positiv aufgenommen wurde. Erweitert wurde auch das Team an freien Autoren, die für noch mehr Vielfalt sorgen. (hjh)

Die Party zur IWA 2018

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In Hardys Café hörte die Party gar nicht auf, denn hier wurde auf 40 Jahre WM-Intern angestoßen. Viele Freunde und Wegbegleiter sind der Einladung des Teams der Neumann-Neudamm GmbH gefolgt und haben mitgefeiert. „Vielen Dank für die Glückwünsche und den gemeinsamen Weg. Auf dass wir ihn noch viele Jahre gemeinsam gehen.“, sagt Heiko Schwartz, Verleger des Insider-Magazins der Branche.

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