Aktiv mit Hund – auch abseits der Jagd

©lenkadan - stock.adobe.com
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Die Zeiten, als Jagdhunde während der jagdarmen Phase nur im Zwinger herumlümmelten, sind vorbei. Inzwischen weiß man, dass Bello möglichst über das ganze Jahr hinweg im Training bleiben sollte – 

sowohl körperlich als auch kognitiv. Denn ein durchgängig im Training stehender Vierläufer ist, wenn es darauf ankommt, leistungsfähiger und hat eine bessere Bindung zu seinem Führer. Welche Beschäftigung für den Jagdhund geeignet ist, stellen wir hier vor.

 

Hundesportarten gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und jährlich werden neue Aktivitäten erfunden – oder einfach neu kombiniert. Für den jagdlich geführten Hund sind aber nicht alle „Hobbys“ gleichermaßen geeignet. Sportarten, die besonders auf andere Rassegruppen fokussiert sind, wie zum Beispiel Schutzhundesport, Hunderennen auf der Bahn oder Treibball, sind natürlich generell auch mit unseren jagenden Vierbeinern möglich. Sie fördern aber eher weniger die von uns gewünschten Eigenschaften. Ähnlich verhält es sich mit Aktivitäten, die den Hund in ein sehr hohes Erregungslevel ohne viel Kontrolle bringen, wie etwa Frisbee oder Flyball. Zwar können unsere Vierbeiner mit einer konditionierten Einstimmung auf eine bevorstehende Aktivität in der Regel sehr gut unterscheiden, wann Power-Spaß und wann ernsthafte Arbeit ansteht, doch man muss es ihnen ja nicht unnötig schwer machen, wenn so viele bestens geeignete Beschäftigungen zur Verfügung stehen. Wir konzentrieren uns in diesem Artikel daher auf diejenigen Sportarten, die unseren vierläufigen Jagdhelfer in seiner ursprünglichen Bestimmung unterstützen.

© deponte - www.fotolia.de
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Zunächst einmal gilt es, die richtige Sportart zu finden: eine, die beiden Spaß macht! Sowohl dem Zwei- als auch dem Vierbeiner. Es nützt nichts, wenn der Labrador für das Dummytraining brennt, aber der Zweibeiner sich dabei tödlich langweilt. Oder andersherum der Mensch das schnelle Radeln mit vorlaufendem Hund (Bike-Jöring) genießt, sich der Vierläufer dabei aber unwohl fühlt. Suchen Sie sich eine Hundeschule, die möglichst viele Sportarten anbietet, und probieren Sie Ihre Favoriten aus. Sie werden schnell merken, was Ihnen und Ihrem Hund gut liegt.

 

Agility

Geeignet für: alle Größen

Vorteil: besonders wendige Hunde

Benötigte Ausrüstung: aufwendig; ein Parcours besteht aus Slalomstangen, Tunnel, Wand, Wippe und einigem mehr. Wer einen großen Garten hat, kann sich dort einen eigenen Parcours aufbauen. Ansonsten bietet sich der Besuch einer Hundeschule oder eines Vereins an.

Wie?: Beim Agility durchlaufen Hund und Mensch möglichst schnell gemeinsam einen Hindernisparcours. Der Mensch leitet den Hund jedoch nur aus der Nähe an, er springt nicht selber über Hürden oder kriecht durch Tunnel. Eine ruhigere Variante ist Hoopers-Agility. Hierbei muss der Mensch an einem vorgegebenen Platz stehen bleiben und von dort aus seinen Hund auf Entfernung in einer vorgegebenen Reihenfolge über die Hindernisse lotsen.

 

Turnierhundesport 

Geeignet für: alle Größen

Vorteil: Lauffreude (von Hund und Mensch)

Benötigte Ausrüstung: aufwendig; ein Parcours besteht aus mehreren Hindernissen.

Wie?: Turnierhundesport ist Agility teilweise ähnlich. Auch hier muss ein Parcours auf Zeit bewältigt werden, jedoch springt der Mensch mit über die Hürden und läuft auch durch den Slalom – dalli, dalli! Außerdem gibt es einen ruhigen Gehorsamsteil.

© Conny Hagen - www.fotolia.de
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Obedience

Geeignet für: alle Größen

Vorteil: besonders konzentriert arbeitende Hunde

Benötigte Ausrüstung: mittel; am Anfang reichen ein paar Pylone, später kommen einige kleine Hürden, Apportel und flache Bodenmarkierungen dazu.

Wie?: Präzises Arbeiten ist gefragt! Der Hund läuft bei Fuß – aber nicht irgendwie, genau neben dem Knie seines Menschen muss es sein. „Platz“ und „Sitz“ aus der Bewegung heraus, und zwar sofort. Voranschicken an einen markierten Ort, Apport über eine Hürde – all dies sind Aufgaben im Obedience. Dabei muss die Ausführung penibel exakt sein.

 

Dummy-Training

Geeignet für: alle Größen

Vorteil: Retriever, Vorstehhunde

Benötigte Ausrüstung: wenig; ein paar Dummys (mit Sand gefüllte Canvas-Säcke).

Wie?: Ein Dummy wird ausgelegt, der Hund soll ihn finden und bringen. Oder ein Dummy wird geworfen, während der Hund ruhig wartet und sich merkt, wo der Dummy hinfällt. Auf ein Kommando wird der Dummy vom Hund geholt. Das funktioniert auch mit mehreren Dummys, die der Hund dann nacheinander bringen soll.

 

Trick-Dogging

Geeignet für: alle Größen

Vorteil: Schlauberger

Benötigte Ausrüstung: wenig; ein Clicker ist hilfreich.

Wie?: Pfötchengeben, „tot“ umfallen, eine Rolle machen, Slalom durch Ihre Beine laufen, Umrunden von Gegenständen – das Feld der Hundetricks ist sehr weit. Schön ist, dass auch (größere) Kinder begeistert mitwirken können. 

 

Bike-Jöring

Geeignet für: eher größere Hunde, beispielsweise Vorsteher

Vorteil: Lauffreude, Gehorsam am abspringenden Wild

Benötigte Ausrüstung: aufwendig; ein Mountainbike für den Menschen samt Schutzausrüstung, für den Vierbeiner ein spezielles Zuggeschirr samt Sicherheitsleine. 

Wie?: Der mit einem Spezialgeschirr samt -leine am Fahrrad befestigte Hund läuft mehr oder weniger flott voraus, der Mensch folgt radelnd im entsprechenden Tempo. Statt dem Rad kann auch ein spezieller Roller (Scooter) verwendet werden. Die Skandinavier praktizieren das Jöring auch auf Ski.

 

Über den Tellerrand geschaut: Interessante Veranstaltungen mit Hund

Dog & Bow – eine Art Biathlon mit Bogen und Hund: Fünf Pfeile werden unter Zeitdruck geschossen, anschließend läuft das Mensch-Hund-Team zwei Kilometer, insgesamt drei Durchgänge.

Infos: www.dogtrekking.at

 

Das Donaueschinger Windhund-Festival gilt als Olympiade der Windhund-Züchter, zu der Windhund-Fans aus mehr als 20 Nationen anreisen. Die Vielfalt an Windhunden und eine international geprägte Stimmung schaffen ein besonderes Flair.

Infos: http://sighthound-festival.com

Begleithundeprüfung

Wer wettkampfmäßig Hundesport betreiben möchte, kommt an der Begleithundeprüfung nicht vorbei. Sie ist in den meisten Disziplinen die Voraussetzung für die Teilnahme an Wettkämpfen. Dabei wird der Hund auf seine Alltagstauglichkeit überprüft. Die Schwerpunkte liegen auf Verkehrssicherheit, Sozialverträglichkeit, Unbefangenheit und Gehorsam. Sehr empfehlenswert für jeden Hund!

Infos: www.vdh.de/hundesport/begleithundpruefung

Die Autorin dieses Artikels ist Adina Lietz (ali).

Er ist in der März-Ausgabe 2018 in WM-Intern erschienen.