Marktrends – Chinesen polieren eigene Messermarken

Wie mein Autorenkollege Christoph Daim in seinem Vortrag zum Thema Messertrends auf der IWA 2018 richtig anmerkte, sind Trends spürbare Marktentwicklungen, die überraschend sein können 

www.youtube.com/watch?v=LeDCGjj8DvQ. Dabei muss es nicht zwangsläufig um Designs und Produkte gehen. Auch Marktstrukturen können sich im Zuge von Trends verändern. 

 

Schon letztes Jahr fielen IWA-Besuchern in Halle 5 die neuen chinesischen Aussteller WE Knife und Kizer auf. Ganzo war ebenfalls das erste Mal dabei. Es blieb nicht bei einem einmaligen Auftritt und weitere chinesische Hersteller gesellten sich dieses Jahr dazu. Viele der asiatischen Firmen fertigen seit den späten 1990ern für namhafte internationale Messermarken, auch für den deutschen Markt. Dieses Jahr traten sie nun vermehrt selbstbewusst mit eigenen Marken auf. Der Vorsprung westlicher Marken und Designer wird knapp, wenn sie nicht schon mit Chinesen zusammenarbeiten. Pulvermetallurgische Stähle, Titan, Kugellager und raffinierte Arretierungsmechanismen sind keine Besonderheit mehr. Die gehobene Qualität spiegelt sich auch in den Preisen wider. 

Ein weiterer Faktor für asiatische Messerhersteller ist eine Liberalisierung des chinesischen Waffenrechts. Das Führen von modernen Einhandmessern ist nun in China erlaubt. Der daraus resultierende Inlandsmarkt gibt vielen chinesischen Herstellern Schwung für Eigenmarken in der preislichen Mittelklasse. Bestehende Kontakte und Distributionskanäle bringen diese auf den internationalen Markt und damit zu uns. Die bestehenden Strukturen genügen vielen chinesischen Herstellern aber noch nicht, weshalb sie nach neuen Kooperationspartnern und Vertriebswegen suchen. Man darf also gespannt sein, was die nächsten Jahre uns aus Asien bringen. Bislang bilden Sprache und unbekannte Marktstrukturen Barrieren für die neuen Wettbewerber. Firmen wie We Knife und Ganzo holen sich für die Pionierarbeit vor Ort gerne osteuropäische PR- und Vertriebsmitarbeiter. Andere Hersteller setzen auf Joint-Ventures. Aber schauen wir uns doch ein paar Firmen genauer an.

© Kizer
© Kizer

 

 

Die noch junge Firma Kizer mit Firmensitz in Guangzhou, China, wurde im Jahr 2012 gegründet. Ziel des chinesischen Newcomers ist, hochwertige Messer für den täglichen Gebrauch zu fertigen, mit minimierten Toleranzen und unter Verwendung bester Materialien und moderner Fertigungstechnologien. Letztere stammen aus den USA oder Japan, während die Designs im Haus oder in Kooperation mit internationalen Messermachern entwickelt werden.

Das 73 Gramm leichte Kizer Splinter ist eine Kollaboration mit TomCat. Als schlanker Gentlemen Folder besitzt es einen konturierten Titangriff und eine kugelgelagerte S35VN-Klinge. Der in den mattierten Griff integrierte Framelock sichert die Klinge zuverlässig. Ein leichtes Stonewash-Finish gibt dem Splinter seine schlichte Eleganz. Die aufwendige Klingenachsschraube, die Fangriemenöse und der gefräste Titanclip runden das Gesamtbild ab.

© Ruike
© Ruike

Ruike hat als junge Messermarke in Fachkreisen bereits an verschiedenen Stellen für Aufmerksamkeit gesorgt und insgesamt einen positiven Eindruck hinterlassen. Seit 1998 fertigte der Hersteller für diverse internationale Marken als Zulieferer, bis er schließlich 2016 Ruike als Eigenmarke einführte. Neben einer Auswahl an Einhandmessern und feststehenden Klingen führt Ruike auch klassische Taschenmesser mit mehreren Funktionen ins Feld. Die Messer werden über Fenix Deutschland vertrieben und überzeugen durch ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Fenix ist mit seinem Lampenprogramm bei professionellen sowie zivilen Anwendern fest etabliert.

Tantoklinge und rutschfeste, strukturierte G10-Griffschalen definieren das taktische Design des P138 von Ruike. Die satinierte, neun Zentimeter lange Klinge ist aus schwedischem 14C28N-Stahl gefertigt. Das Kugellager ist so weich, dass es den Flipper fast überflüssig macht. Ein kurzer, schwungvoller Schlenker aus dem Handgelenk und die Klinge rastet im Linerlock ein. Eine Zusatzsicherung am oberen Griffrücken verstärkt die Arretierung.

© Ruike
© Ruike

 

 

 

 

 

 

 

Das Criterion L51-B ist mit 23 Werkzeugen ausgestattet und das größte Exemplar der Outdoor-Serie von Ruike. Nagelhieb und Slipjoint machen das Führen der 

8,5 Zentimeter langen Klinge unbedenklich. Der Gürtelclip hebt das Criterion von anderen Messern seiner Klasse etwas ab und macht bei leichteren Modellen der Serie von Ruike auch Sinn.

© Tekut
© Tekut

Die Marke Tekut™ wurde bereits 1996 gegründet und in Asien und den USA vertrieben. Als offizieller Lieferant der Dienstmesser für die chinesische Polizei und Teile der Streitkräfte verfügt Tekut über Erfahrung in der Entwicklung und Massenfertigung von verlässlichen Einsatzmessern. Als Teil der Nextorch-Firmenfamilie kann sich die Marke in Europa auf eine hervorragende Reputation und ein wachsendes Vertriebsnetz stützen.

Auch Tekut hat ein umfangreiches Sortiment an cleveren Messern und Werkzeugen, von Einhandmessern über Campingbesteck hin zu Multi-Tools ist für jeden etwas dabei.

Das Einhandmesser Tough verfügt über eine satinierte Klinge aus rost­freiem 12C27-Sandvikstahl, die per Linerlock arretiert. Robuste Edelstahlplatinen und Heftschalen aus strukturiertem, schwarzem G10 bilden den sauber verarbeiteten Griff. Erwähnenswert ist der patentierte Mobillip-Taschenclip, welcher sich in zwei Positionen schieben lässt. Eine Stellung ermöglicht ein besonders tiefes und verdecktes Tragen in der Hosentasche. Das Messer kommt in einer durchsichtigen Blisterbox, die verschiedene Präsentationsmöglichkeiten erlaubt.

 

© WE Knife
© WE Knife

 

Die Marke WE Knife ist ein weiteres Beispiel für einen chinesischen Hersteller, der mit hohem Qualitätsanspruch im Segment der Premiummesser agiert. Bekannte Designer wie Ulrich Hennicke arbeiteten bereits mit 

WE Knife zusammen. Eine hochtechnisierte und CNC-gestützte Fertigung ermöglicht eine Produktion mit minimalen Toleranzen. So sind die vorwiegend als Titan-Framelocks aufgebauten Klappmesser meist mit pulvermetallurgischen Premiumstählen ausgestattet. Kugelgelagerte Klingen gehören zum Standard. Die liebevoll umgesetzten Details und die eigene Formensprache verschaffen dem seit dem Jahr 2000 aktiven Hersteller einen hervorragenden Ruf am Messermarkt. Alle Bauteile des Ignition Black von WE Knife sind aus Titan gefertigt. Einzige Ausnahme bildet die Vorderschale aus G10. Die kugelgelagerte Klinge aus VG-10 wird per Flipper oder per Daumenloch geöffnet.

ah 

Infos und Bezugsquellen