Rufen, Locken und Reizen

Zwei Ruf-, Lock- und Reizjagd-Spezialisten: Wildmeister i.R: Konrad Esterl (links) mit dem 3-teiligen Hirschruf und Klaus Weiss­kirchen mit dem von ihm entwickelten Schwarzwildlocker. © WM-Intern
Zwei Ruf-, Lock- und Reizjagd-Spezialisten: Wildmeister i.R: Konrad Esterl (links) mit dem 3-teiligen Hirschruf und Klaus Weiss­kirchen mit dem von ihm entwickelten Schwarzwildlocker. © WM-Intern

Ansitz und Pirsch sind jagdlicher Alltag und haben dennoch ihren Reiz. Nicht umsonst sagt eine alte Weisheit: „Die Jagd ist alle Tage neu!“, denn jeder Gang ins Revier ist immer etwas anders als diejenigen davor. Besonders im deutschsprachigen Raum hat sich die Tradition entwickelt, das männliche Wild in der Brunft zu bejagen und dabei die jeweiligen Lautäußerungen nachzuahmen. Letzteres ist eine Kunst und Wissenschaft für sich, die Interessierte auch bei den jährlichen Hirschrufmeisterschaften auf den Jagdmessen in Dortmund und Salzburg erleben können.

Rufen, Locken und Reizen benennt die drei Wege der Jagd mit Lautäußerungen, dem Musizieren, wie es versierte Könner gerne nennen. So erzielt der Jäger bei Hirsch und Elch die besten Erfolge, wenn territoriale oder Kampfrufe der männlichen Stücke imitiert werden. Wirkliche Spezialisten wenden bei diesen Wildarten zusätzlich das Mahnen des weiblichen Wildes an, doch der Fokus liegt auf den verschiedenen Rufen der Hirsche. 

Bei der Blattjagd auf Rehböcke imitiert der Blattjäger die Laute der getriebenen Ricke, um den Territorialbock zu provozieren und damit heranzulocken. Da diese Taktik vor allem dann nicht gelingt, wenn der gesuchte Rehbock gerade selbst mit einer Gespielin beschäftigt ist, bietet es sich an, den Angst­-ruf eines Rehkitzes zu imitieren und damit zu versuchen, die Ricke heranzurufen, welcher der Rehbock unweigerlich auf dem Fuß folgen wird. 

Nicht nur Schalenwild lässt sich durch das Nachahmen von Lautäußerungen heranrufen. Reizvoll ist ebenso die Jagd mit der Hasenklage auf den Fuchs oder die Jagd mit dem Enten- oder Krähen-Locker. Wer einmal die Gelegenheit hatte, Wildmeister i.R. Konrad Esterl mit seinem legendären Vortrag zur Ruf-, Lock- und Reizjagd zu erleben, wird sich lebhaft erinnern, wie viele Geräusche genutzt werden können, um den jagdlichen Erfolg zu verbessern. Genannt sei hier nur der Häherruf, mit dem ziehendes Wild zum Verhoffen gebracht werden kann, um einen sicheren Schuss anzutragen.

Es gehört viel Erfahrung dazu, diese Sprache der Tiere zu erlernen. Neben dem Erkennen, Verstehen und der richtigen Anwendung der Rufe müssen die Laute auch naturnah wiedergegeben werden. An dieser Stelle kommen die verschiedenen Lockinstrumente ins Spiel. Seit Langem durchgesetzt hat sich der Hirschruf nach Frevert für die Jagd auf den Rothirsch. Vielfältiger ist das Angebot an Blattern für die Jagd auf den Rehbock. Die Bandbreite geht dabei von unterschiedlichen Mundblasinstrumenten bis hin zum bekannten Buttolo-Blatter, der aus einem Gummiblasebalg besteht, der mit der Hand bedient werden kann. 

Natürlich kann nicht jeder Mitarbeiter im Fachhandel zum versierten Lockjäger ausgebildet werden, um der Kundschaft eindrucksvoll etwas vorspielen zu können. Trotzdem sollte gerade im Fachhandel jeder Verkäufer zumindest wissen, wozu die einzelnen Locker eingesetzt werden können: Welche Wildart und was soll damit imitiert werden? Deshalb empfehle ich zur Verbesserung der Beratungskompetenz den bereits erwähnten Vortrag von Konrad Esterl, der mit Klangbeispielen auch als DVD oder CD erhältlich ist. Darüber hinaus sollte im Verkauf bekannt sein, dass das Wild bei der Rufjagd oft sehr nah an den Jäger herankommt und dieser in aller Regel dabei vom Erdboden aus jagt. Hier ergeben sich Möglichkeiten für Zusatzverkäufe, beispielsweise von Tarnkleidung und mobilen Ansitzschirmen. z

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www.frankonia-b2b.de

www.fritzmann.org