„Ich möchte mich bei Ihnen um ein (Schul-)Praktikum bewerben“

Im Prinzip ja kein Problem, und sicher geht es Ihnen auch so, dass Sie der Jugend von heute gerne weiterhelfen und ihr einen Einblick in das Berufsleben ermöglichen möchten. Vermutlich strengen Sie sich an, lassen „unsere Zukunft“ nicht nur Kaffee kochen, sondern suchen dem Berufswunsch angepasste Arbeiten und befassen sich sogar mit dem Nachwuchs, der später ja unsere Rente zahlen soll, anstatt ihm einfach nur etwas aufzudrücken, was lange schon mal gemacht werden sollte. 

So erschreckend es im Grunde ist, aber ich würde glatt mit Ihnen wetten, dass Sie nur einen Bruchteil Ihres guten Willens nach den drei, vier oder acht Wochen nicht bereuen und Ihrem Praktikanten sowohl „viel Glück für die weitere berufliche Laufbahn“ wünschen als auch „nach Abschluss der schulischen Laufbahn über eine Bewerbung“ in Ihrem Haus sich freuen würden.

Denn wenn Kevin oder Chantal morgens von Mama oder Papa im Betrieb abgeliefert werden, können Sie sich glücklich schätzen, wenn die Helikoptereltern nicht erst noch den Arbeitsplatz ihres 15- bis 28-jährigen Lieblings in Augenschein nehmen. Haben Sie Glück, entpuppt sich das im Vorstellungsgespräch neugierige und interessierte Schätzchen als hyperaktives Ritalinkind, das Sie Löcher in den Bauch fragt – über alles –, sich durch den Tag huschelt und dessen unvorhersehbare Einschläge sie eher bremsen als beflügeln müssen. Sie können aber auch Pech haben und einen verwöhnten Drückeberger erwischen, der mittags das von Mama morgens geschmierte Brot vertilgt, eigentlich nur die Zeit absitzen und möglichst früh zum Chillen nach Hause will, der seine Arbeitsrechte schon ganz genau kennt – oder zumindest meint, sie richtig zu interpretieren. 

Denken Sie aber bitte daran, dass Sie dem Sprössling kein eindeutig negatives Praktikumszeugnis ausstellen dürfen, sondern wohlwollend mit unserer aller Zukunft umzugehen haben! Trotzdem werden Ihre Kollegen in der Führungsebene durch Formulierungen wie „bemüht“ und das Weglassen steigernder Adjektive und Adverbien durchaus gewarnt sein.

Sehen wir es doch einfach wie einen Lottoschein. So hübsch die Kreuze beim Abgeben auch sind, über Glück oder Geldverschwendung entscheidet erst die Ziehung. Bleiben wir also freundlich und zeigen allen verzogenen Gören und Bengeln von heute, was sie später im Beruf erwartet, und wenn es nur den Sinn hat, dass sie hinterher wissen, was sie (auch nicht) machen wollen. Vielleicht haben wir ja doch einmal einen Sechser und finden die Nadel im Heuhaufen. 

 

Euer Hardy