Graveurskunst – kreatives Handwerk

Was den Beruf des Graveurs auszeichnet, ist ein ausgeprägtes Interesse an kreativer Handarbeit. Aber auch die Liebe für unterschiedliche Materialien, künstlerisches Talent und zeichnerische Fähigkeiten sowie technisches Verständnis sollten Graveure mitbringen. Was sie dann aus den verschiedenen Zier-, Schmuck- und Gebrauchsgegenständen, die sie bearbeiten, machen können, ist wirklich sehr beeindruckend.

 

Das Gravieren diente seit jeher der Kennzeichnung des Eigentums, um vor allem Waffen und Werkzeuge dem jeweiligen Besitzer besser zuordnen zu können. Doch mit der Zeit ging es immer stärker um die Verzierung und Verschönerung, wodurch wahre Kunstwerke entstanden. Die Technik hat sich dabei im Laufe der Jahre nur wenig verändert: Noch immer wird in erster Linie mit Hammer und Stichel gearbeitet, doch bedingt durch die späteren beruflichen Anforderungen in einigen Graveurbetrieben wird das verwendete Werkzeug heutzutage durch die CNC-Technik und moderne Maschinen wie etwa Fräser oder Lasersysteme ergänzt.

Wenn wir von der traditionellen Handwerkskunst sprechen, dann sind es noch immer vor allem Jagdwaffen und Messer, die mit Flachstichtechnik, Reliefgravur und der Tauschierung – der Einlegearbeit von Linien, Flächen und Monogrammen aus Gold und Silber in Stahl (ähnlich der Intarsienarbeit in Holz) – „verschönert“ werden und so ihre ganz individuelle Optik erhalten. Aber auch Schmuck und Uhren lassen sich auf diese Weise zu exklusiven Unikaten gestalten. Die ausgebildeten Graveurinnen und Graveure versehen dabei in Handarbeit die jeweilige Oberfläche mit Beschriftungen, Ornamenten oder bildlichen Darstellungen. Das können beispielsweise Monogramme oder das Familienwappen, plastische Tiermotive oder komplette naturgetreue Jagdszenen sein.

 

Meist sind die zu gravierenden Gegenstände aus Metall – in erster Linie aus Stahl, aber auch aus Gold, Silber, Kupfer, Messing oder Zinn. Es gibt jedoch ebenso schöne Graveurarbeiten auf Acrylglas, Holz, Horn, Leder oder Stein. Hier sei besonders die Scrimshaw-Gravur erwähnt, denn das „Einritzen“ von Zeichen und Symbolen, das unsere Vorfahren in Horn, Knochen und Zähne erlegter Tiere vorgenommen haben, entwickelten Inuit und Walfänger im 18. und 19. Jahrhundert weiter. Sie begannen damit, feine Linien in Walrosszähne und Knochen zu ritzen, die zu komplexen Bildern wurden. Heute ist die Scrimshaw-Gravur eine anerkannte Kunstform, die Sammler überall auf der Welt begeistert – vor allem in Europa und den USA. Richard „Ritchi“ Maier ist gelernter Graveur und der bekannteste Scrimshaw-Künstler in Deutschland. Die Geschichte und Arbeitstechnik der Scrimshaw-Gravur erläutert er in einem Band der Workshop-Reihe des Messer Magazins. Der Hauptteil des Buches ist eine praktische Anleitung für alle Interessierten, die sich selbst daran versuchen wollen. Der Autor gibt zahlreiche Tipps zu Materialien und Werkzeugen und beschreibt jeden einzelnen Arbeitsschritt im Detail. Zahlreiche Fotos von Arbeitstechniken, Arbeitsabläufen und fertigen Arbeiten runden „Scrimshaw-Gravur in Theorie und Praxis“ ab. (Wieland Verlag, 

ISBN 978-3-938711-38-5) www.wieland-verlag.com

 

 

 

 

Die Gravuren von Ritchi Maier, der Ende der 1990er Jahre gemeinsam mit Messermacher Egon Trompeter Trompeter & Ritchi gegründet hat, genießen heute Weltruf und befinden sich in internationalen Sammlungen. Über Jahre hinweg kreierte er seinen eigenen unverwechselbaren Stil. 

www.trompeter-ritchi.de

© Trompeter & Ritchie
© Trompeter & Ritchie

 

Weitere Meister ihres Fachs, die jeweils ihre ganz persönliche „Handschrift“ hinterlassen, wenn es um das handwerklich aufwendige Gravieren von Messern und Gewehren geht, sind neben ihm beispielsweise Alexandra Feodorow und Jürgen Göser.

Ausgebildet in allen Richtungen der Gravurtechniken (CNC-Gravuren, Münzprägung, Industriegravuren, Jagdwaffengravuren usw.) hat sich Alexandra Feodorow durch ihre familiäre jagdliche Prägung, aber auch durch ihre Praktikumsstellen bei den Graveurmeistern Peter Schaschl (Ferlach) und Christian Pramesberger (Ebensee) ihren Schwerpunkt auf die Jagdwaffengravur gelegt. Naturgetreue Jagdszenen sind daher ihr Spezialgebiet. www.af-gravuren.de

Krieghoff K80, Ornament nach eigenem Entwurf im Flachstich mit Feingoldeinlagen. © Alexandra Feodorow
Krieghoff K80, Ornament nach eigenem Entwurf im Flachstich mit Feingoldeinlagen. © Alexandra Feodorow
Mauser Magnum, Elefant in plastischer Ausführung, Ergänzung Elefantenhaut.
Mauser Magnum, Elefant in plastischer Ausführung, Ergänzung Elefantenhaut.

Auch Jürgen Göser fertigt in seinem Atelier handgestochene Gravuren in höchster künstlerischer Qualität. Göser hat über 45 Jahre Berufserfahrung als Waffengraveur und auch seine Tochter Daniela erlernte dieses Handwerk im Familienbetrieb. Auf Techniken wie Flachstich, Ziselierung, Bulino-Stil (Federstich) und Edelsteinfassungen spezialisiert, hat er aus den seiner Meinung nach schönsten und aufwendigsten Techniken Reliefgravur und Bulino-Stil eine Kombination entwickelt. Das Ergebnis erzeugt einen 3D-Effekt, wobei durch feinste Schattierung und absolute Detailgenauigkeit ein lebendiges Gesamtbild mit einer plastischen Tiefenwirkung erreicht wird. Diese Art von Gravur bezeichnet der Graveurmeister deshalb als seinen eigenen, persönlichen Stil, den er schwerpunktmäßig auf Jagdwaffen, Messern, Pistolen und Schmuck anwendet. Aber erwähnt sei auch das Motorcycle-Engraving, denn gravieren lässt sich fast jedes Metall und für neue kreative Herausforderungen ist Göser immer offen. 

www.goeser-gravuren.de

Zylinderköpfe – Harley Davidson. Wolfmotive in tiefer, plastischer Reliefausführung. © Jürgen Göser
Zylinderköpfe – Harley Davidson. Wolfmotive in tiefer, plastischer Reliefausführung. © Jürgen Göser
Pistolengriffkäppchen Falke mit tiefem Relief, Goldeinlagen im Hintergrund und 16 Brillanten.
Pistolengriffkäppchen Falke mit tiefem Relief, Goldeinlagen im Hintergrund und 16 Brillanten.

Maschinelle Gravuren eröffnen unendliche, individuelle Anwendungsmöglichkeiten auf diversen Untergründen. © Lasergravur München
Maschinelle Gravuren eröffnen unendliche, individuelle Anwendungsmöglichkeiten auf diversen Untergründen. © Lasergravur München

 

Gravuren sind natürlich ein sehr weites Feld. Neben den kunstvollen Handgravuren in alter Tradition gewinnt – wie bereits erwähnt – die „maschinelle“ Gravur immer mehr an Bedeutung. Trophäen, Schilder, Stempel sowie weitere Prägewerkzeuge werden tagtäglich mit verschiedenen Techniken wie beispielsweise der Laser­gravur beschriftet, verziert und verschönert. Gerade hier scheint die Materialauswahl allerdings grenzenlos: Der Fingerabdruck oder der Herzschlag auf einem Schmuckstück, die Handschrift oder ausgefallene Motive auf Ledertaschen, den Namen oder persönliche Nachrichten auf Holzuhren, das Firmenlogo oder die Initialen auf Obst – dies sind sicherlich recht außergewöhnliche Varianten, die aber zeigen, was mit Gravuren alles möglich ist. www.lasergravur-muenchen.de 

www.siro-lasertec.de

www.woodwatch.com

© Siro Lasertec, © Woodwatch
© Siro Lasertec, © Woodwatch

Die Autorin dieses Artikels ist Miriam von Chamier (mvc).

Er ist in der Januar-Ausgabe 2019 in WM-Intern erschienen.