Wortgewaltige Sonderausstellung im Waffenmuseum Suhl

© Waffenmuseum Suhl
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Waren Sie auch schon einmal dort, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen? Oder haben jemanden dahin geschickt, wo der Pfeffer wächst? Nein? Dann auf nach Suhl! Dort, hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen … ach falsch, das war ja etwas anderes. Also auf ins grüne Herz Deutschlands zum Südhang des Thüringer Waldes, denn das Waffenmuseum Suhl hat sprichwörtliche Redensarten ins Visier genommen und lädt ein zu einer interaktiven Entdeckungsreise durch unseren Alltagssprachgebrauch.

 

Redensarten, Sprichwörter und geflügelte Worte begleiten uns durch unser Leben, sie bereichern unsere Sprache auf bildhafte Weise, indem wir Positives wie Negatives einfach durch die Blume sagen. Wir verwenden sie täglich, oftmals, ohne dass es uns bewusst wird. Welche Bedeutung ursprünglich dahintersteckt, wissen wir meist gar nicht mehr, und nur selten bleibt die Zeit, solchen Dingen auf den Grund zu gehen. Dabei nutzen wir alle jeden Tag im Durchschnitt einhundert Redewendungen.

Haben Sie nicht mal wieder Lust auf ein Kaffeekränzchen? Was möchten Sie trinken? Kaffee? Tee? Kakao? – Es ist schon klar, dass Sie nicht durch letzteren gezogen werden wollen. Doch anstatt hier eine Milchmädchenrechnung aufzumachen, möchten wir Ihnen lieber reinen Wein einschenken. Ein bisschen Geduld müssen Sie aber haben, da hilft nur Abwarten und Tee trinken. Oder eben Kaffee. Am besten zeitgemäß, also echter Bohnenkaffee, frisch aufgebrüht von einem qualifizierten Barista. Wobei die neueste Mode ja nun auch schon wieder kalter Kaffee ist. Glauben Sie nicht?

Es war das Trendgetränk des letzten Sommers: Cold Brew Coffee. Bei dieser Zubereitungsmethode, die bereits im 17. Jahrhundert nachweisbar ist, wird der Kaffee kalt aufgesetzt und soll dadurch nicht nur aromatischer, sondern sogar bekömmlicher sein. Mit dem schalen Geschmack von kaltem Kaffee hat das nun aber gar nichts zu tun. In der bekannten Redensart wird diese Eigenschaft analog zu der Uninteressantheit einer Darstellung gesetzt. Logisch, dass kalter Kaffee daher für die meisten wohl eher unspannend ist. Wenn Sie dennoch nach einer Alternative suchen, bestenfalls koffeinfrei, dann nehmen Sie doch Muckefuck. Der ist als Ersatz für echten Bohnenkaffee im Allgemeinen zwar auch nicht gut gelitten; hergestellt aus gerösteten Pflanzenteilen, wie beispielsweise Gerste, Malz, Roggen, Eicheln oder Zichorien, hat er jedoch bestimmt alles Zeug zum Trendsetter, wenn dieser alte Hut mit neuem Namen versehen zum letzten Schrei aufsteigt.

Echter Bohnenkaffee, der bekömmlich, weil sehr dünn geraten, ist gemeinhin unter der Bezeichnung „Blümchenkaffee“ bekannt. Der Begriff ist negativ konnotiert, weil darin einst ein Missverhältnis zwischen dem teuren Porzellan und dem sparsam verwendeten Kaffeepulver gesehen und dies als Zeichen von Geiz gewertet wurde. Dabei hat das Blümchen im Kaffee einen durchaus bemerkenswerten Ursprung. Es ist auf die Meißener Porzellanmanufaktur zurückzuführen, die dieses in der Biedermeierzeit sehr beliebte Motiv am Boden der Tasse zu Beginn des 19. Jahrhunderts eingeführt hat. Sicherlich sind Ihnen auch noch andere Redewendungen bekannt, die sich mit diesem alten Handwerk assoziieren lassen. Sie kennen doch bestimmt den „Elefant im Porzellanladen“ oder den berühmten Sprung in der Schüssel, und Sie wissen, dass Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist.

© Waffenmuseum Suhl
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Das Büchlein passend zur Ausstellung

 

Bereits 2017 wurde das Buch „Den Nagel auf den Kopf getroffen. Sprichwörtliche Redensarten im Visier“ veröffentlicht. Die Museums­pädagogin Doris Eckhardt und der Zeichner Klaus-Dieter Hornig vermitteln darin auf spannende Art und Weise die Hintergründe zahlreicher Redensarten. Es ist für alle Altersgruppen bestens geeignet. Ursprünglich war diese Veröffentlichung als Vorbereitung und ergänzendes Material für die Sonderausstellung geplant, doch aufgrund der großen Nachfrage erschien bereits 2018 die 2. Auflage im Réne Burkhardt Verlag, Erfurt. Es ist im Museumsshop erhältlich. http://rene-burkhardt.de/buecher/belletristik

 

© Waffenmuseum Suhl
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Zahllose Redensarten lassen sich nicht allein im Alltagsleben verorten, sie sind im Zuge der Ausübung vieler alter, zum Teil heute auch längst wieder vergessener Berufe aufgekommen. So haben sich die Suhler Ausstellungsmacher ausgehend von der Frage: „Wie kann man Handwerk und Alltagsleben in vergangenen Zeiten den kleinen und großen, wissbegierigen und an Erfahrung reichen Museumsbesuchern vermitteln?“, an die Aufarbeitung von Sprichwörtern, Redewendungen und geflügelten Wörtern gemacht. „Gerade intergenerative Veranstaltungen leben von Redensarten. Jüngeren und älteren Museumsbesuchern bieten sie eine ideale Grundlage, um ins Gespräch zu kommen. Durch die bildhafte Sprache wird vieles anschaulicher und somit verständlicher“, erklärt Peter Arfmann, der Leiter des Waffenmuseums Suhl.

Da sich in der Literatur für eine Redensart oft mehrere Bedeutungen finden lassen, hat sich die Projektleiterin Doris Eckhardt mit Dr. Rolf-Bernhard Essig, „dem Indiana Jones der Sprachschätze“, zusammengetan. Er begleitet die Vorbereitung, den Aufbau und das Rahmenprogramm der Sonderausstellung als Kurator. Mit an Bord ist einmal mehr auch der Suhler Künstler Stefan Neidhardt, der bereits für die Ausstellung „Die Waffen der Frauen“ wesentliche Skulpturen geschaffen hat. Insbesondere für alle, die keinen Geldscheißer daheim haben, wird sein Exponat „Goldesel streck dich!“ in Szene gesetzt.

Gemeinsam wollen die Beteiligten einen aktiven Beitrag zur Erhaltung der Sprache unserer Vorfahren und des Dialektes leisten. Oberstes Ziel des Projektes ist dabei eine anschauliche, leicht verständliche Vermittlung der Museumsinhalte, deren multisensorischer Anspruch zum Beispiel durch Objekte zum Anfassen, Hörstationen oder Filme erfüllt wird. Darüber hinaus wird es Aktionen mit Kindergärten und Schulen, Senioren, dem Regionalfernsehen, der Kinderzeitung, dem Institut für germanistische Sprachwissenschaften der Universität Jena und der Suhler Werkstätten gGmbH (eine anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen) geben, die eine interaktive Ausstellungsgestaltung gewährleisten. Durch verschiedene Tafeln, im Gästebuch, in Ausstellungsbereichen, die ständig aktualisiert werden, und bei den verschiedenen Rahmenveranstaltungen hat zudem jeder Museumsbesucher die Möglichkeit, seine Ideen einzubringen und die Ausstellung selbst mitzugestalten.

Mag sein, dass Ihnen hier die eine oder andere Patronenhülse begegnet – Worthülsen hingegen gehören nicht zum Fundus des Waffenmuseums, denn „jeder“ meint hier tatsächlich auch jeden, weil die Suhler in ihrem barrierefreien Museum sowohl altersgerechte als auch intergenerative Führungen und Veranstaltungen anbieten. Sie versuchen auf dem Weg der Inklusion Schritt zu halten und wollen darüber hinaus so ganz nebenbei für bisher Museumsuninteressierte ein Ort des unterhaltsamen Lernens, Erfahrungsaustausches und Gespräches werden.

Bleibt eigentlich nur die Frage, weshalb ausgerechnet ein Waffenmuseum auf die Idee kommt, sich der Vermittlung von nationalen wie internationalen Redensarten anzunehmen. Ist das nicht der richtige Moment, um noch ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern – jenem Utensil, in dem Frauen früher oft geheime Dinge versteckten, weil nur sie selbst es benutzten, aber niemand sonst?

Um seinen Gesprächspartnern nicht auf den Leim zu gehen – was zurückgeht auf den Singvogelfang mit Leimruten, der auch im Thüringer Wald eine lange Tradition hat –, hält Peter Arfmann es für sinnvoll, die Herkunft und Bedeutung der Redewendungen zu kennen. Vor allem aber sucht er den Dialog und will mit seinem Ausstellungskonzept „den Nagel auf den Kopf treffen“, er will also alles richtig machen bzw. mitten ins Schwarze treffen. Genau damit ist im Grunde schon alles gesagt: Der Ursprung dieser Aussage liegt im Schießsport. Zielscheiben wurden früher mit einem mittig eingeschlagenen Nagel aufgehängt. Traf der Schütze den Nagel, d. h. in die Mitte, prallte der Pfeil davon ab, denn er hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Heutige Zielscheiben haben eine andere Aufhängung, die Stelle des einstigen Nagels ziert ein schwarzer Punkt. Trifft der Schütze die Mitte, trifft er heutzutage also „ins Schwarze“. – Welches Sinnbild könnte besser zu einer (Sonder-)Ausstellung in einem Waffenmuseum passen?

 

Was?

Sonderausstellung: Wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Sprichwörtliche Redensarten im Visier

 

Wann?

17.03.2019 – 03.05.2020

 

Wo?

Waffenmuseum Suhl

Friedrich-König-Straße 19

98527 Suhl

 

Viele Redensarten lassen sich in der Ausübung alter Handwerksberufe verorten, wie beispielsweise der bereits erwähnten Porzellanherstellung oder im Instrumentenbau, wo der Ton die Musik macht, wo manchmal andere Seiten aufgezogen werden müssen und wo ein Organist die Möglichkeit hat, alle Register zu ziehen. Der Bekleidungsproduktion entlehnt sind Formulierungen wie „der spinnt“, „sich verzetteln“ oder „nach Strich und Faden“ – das kann einem natürlich Jacke wie Hose sein, nur am Rockzipfel sollte man vielleicht nicht unbedingt hängen, und Schürzenjäger haben ja ohnehin ihren eigenen Kopf. Wer auf diesen nicht gefallen ist, weiß, dass aus der Holzverarbeitung bekannt ist: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Einige Menschen stehen unter dem Pantoffel, sie können auch aus selbigen kippen, und manche haben den Ruf, ein Pantoffelheld zu sein. Es ist dabei allerdings überhaupt nicht schwer, auf dem Holzweg zu sein, den bereits Martin Luther in seiner Sprichwörtersammlung erwähnte.

Was sich das Waffenmuseum Suhl jedoch zunutze macht, ist der vielleicht nicht unbedingt allgemein bekannte Umstand, dass zahllose Redensarten im Bereich der Jagd-, Sport- und Militärwaffen angesiedelt sind. In der Museumsarbeit reicht es einfach nicht aus, lediglich die Dauerausstellung in Schuss zu halten. Da braucht es schon ein wenig mehr, um die Botschaft, das Lied sozusagen, zu einem Gassenhauer zu machen. Es bedarf immer der Menschen, die etwas von der Pike auf gelernt und somit auf der Pfanne haben, denn nur die können wie aus der Pistole geschossen verkünden, dass sie eine zündende Idee haben.

Das ist schon ziemlich starker Tobak, was die Ausstellungsmacher da vorhaben, wobei ihnen wahrscheinlich bewusst ist, dass einst ein Jäger den Teufel zum Narren hielt, indem er diesem, der noch nie ein Gewehr gesehen hatte, jenes als Pfeife anbot. Der Teufel konnte nicht widerstehen, bekam eine Ladung Schrot aus der Waffe und wunderte sich über den „starken Tabak“, der ihm aus dieser „Pfeife“ entgegenkam, was den Jäger sichtlich freute. In genau diesem augenzwinkernden Sinne wird den Museumsbesuchern Zunder gegeben – ein leicht entzündlicher Baumschwamm, der mithilfe von Feuersteinen oder Glut entflammt wurde, solange es noch keine Streichhölzer gab –, um damit sowohl deren Interesse als auch die Begeisterung anzufeuern.

 

Machen Sie sich auf die Pirsch! Spitzen Sie die Löffel und lauschen Sie der Sprache des Jägers aufmerksam wie ein Hase mit aufgestellten Ohren. Vielleicht werden Sie dabei Lunte riechen, vielleicht werden Sie auch Schwein haben und erfahren, wie Sie einen Bock schießen oder bestenfalls ihren Sonntagsbraten zur Strecke bringen. Doch wenn das in die Binsen geht, weil das Objekt Ihrer Begierde von Ihnen Wind bekommen hat und sich ins Schilf flüchtet, diese hohen, auch als Binsen bekannten Gräser und Pflanzen am Ufer eines Gewässers, oder durch die Lappen, denn Wölfe sind nun mal clever und schlüpften bei früheren Lappjagden auch schon mal durch die Tücher hindurch – dann werfen Sie die Flinte nicht gleich ins Korn. Mag sein, dass einst Söldner, die um des Geldes wegen kämpften, aber nicht unbedingt von der Sache an sich überzeugt waren, in einem aussichtslosen Kampf kapitulierten und wortwörtlich ihre Waffen ins Feld, also ins Korn, warfen, um auf ihrer Flucht ohne unnötigen Ballast schneller voranzukommen. Der Jäger hat sein Ziel nichtsdestotrotz im Blick, wenn er bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit die Flinte wieder in den Anschlag nimmt und seine Beute über die Zieleinrichtung am vorderen Laufende, dem „Korn“, fokussiert.

Ihm zur Seite steht bekanntlich in vielen Fällen sein vierläufiger Jagdhelfer. Auch der ist – wenig überraschend – für das eine oder andere geflügelte Wort in unserem Sprachgebrauch gut. Erinnern Sie sich, wann Sie sich das letzte Mal so richtig pudelwohl gefühlt haben? Der Begriff „pudeln“ bedeutet so viel wie „im Wasser plantschen“. Eine besonders wasserliebende Hunderasse, deren Name sich daraus ableiten soll, wurde früher daher gern in der Wasserjagd eingesetzt. Andere Rassen, die vor allem angeschossenes Wild aufspüren sollen, wurden vormals, da sie besonders aufmerksam sein mussten, „Schießhunde“ genannt. Wenn Sie die neue Sonderausstellung im Waffenmuseum Suhl besuchen, dann passen Sie also auf wie ein Schießhund, seien Sie äußerst aufmerksam und lassen Sie sich nichts entgehen. Andernfalls könnte es nämlich passieren, dass Sie einen Bären aufgebunden bekommen und Sie den Ausstellungsmachern auf den Leim gehen.

Viel reizvoller dürfte es dagegen sein, in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis den Vogel abzuschießen, wenn Sie nach Ihrem Museumsbesuch voller Begeisterung davon schwärmen, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, und Sie mit den schönsten sprichwörtlichen Redensarten im Visier buchstäblich dafür sorgen, dass der Funke überspringt. Sie dürfen es auch gern an die große Glocke hängen, wobei der Ruf der Glocke, die von Neuigkeiten kündet, auf eine Zeit zurückgeht, in der es noch keine modernen Kommunikationsmittel und -wege gab. Im digitalen Zeitalter verbreiten sich Nachrichten und Botschaften inzwischen längst schneller wie ein Lauffeuer, jedenfalls schneller wie eine rasant brennende Spur aus Schwarz- oder Schießpulver, die seinerzeit zur Fernzündung einer Sprengladung verwendet wurde.

Wie dem auch sei: Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk und das Museum freut sich über viele interessierte Besucher. cm

www.waffenmuseumsuhl.de

www.sprichwoerter-redewendungen.de

www.redensarten-index.de