Das URD 2.0 – neue Vermarktungskonzepte mit 3D-Druck im Serienbau

© Dirk Hofmeister
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Zusammen mit dem deutschen Messermacher Dirk Hofmeister stellte Böker auf der diesjährigen IWA das URD 2.0 mit einem innovativen Vermarktungskonzept vor. Das kompakte Messer mit Cleaver-Klinge und kurzem Griff wird unter Böker Plus als Neck Knife kategorisiert. Dabei ist es viel mehr.

 

Das URD 2.0 ist das Kernstück eines umfassenden Baukastensystems, zu dem man sich auf einem handelsüblichen 3D-Drucker eine Vielzahl an Produkterweiterungen und Zubehör herstellen kann. Das Angebot reicht von unterschiedlichen Griffschalen in verschiedenen Formen und Größen über Scheiden hin zu Geschenkschatullen, die man als Datei herunterladen und in verschiedenen Farben und Materialien ausdrucken kann. „Aber wo liegt der Mehrwert für den Fachhandel?“, war die erste Frage an Marc Götzmann, Produktmanager bei Böker. Auch wenn 3D-Drucker immer gebräuchlicher werden, hat nicht jeder Verbraucher einen zu Hause stehen. Wer als Fachhändler eine niedrige dreistellige Investition nicht scheut, kann hier einen zusätzlichen Service bieten. Für den Download der Druckdatei entstehen geringe, einmalige Kosten, die weitere Gestaltung von Farbe, Struktur und natürlich auch des Preises liegen beim Fachhändler.

Ähnlich handhabt Midgards-Messer seinen „Druckservice“, womit auch Fachhändler unterstützt werden, die keinen 3D-Drucker besitzen. Wer nicht selber drucken möchte, kann gegen einen kleinen Aufpreis die Griffschalen oder Scheiden in gewünschter Farbe, Oberflächenstruktur und gewünschtem Material bestellen.

 

Was ist ein URD?

URD ist eine der drei Nornen aus der nordischen Mythologie, die am Fuße des Weltenbaumes sitzen und die Schicksalsfäden der Menschen spinnen. Am Ende eines menschlichen Lebens durchtrennen die Nornen den Schicksalsfaden.

© Dirk Hofmeister
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„Das URD war nur der Anfang, um den Spieltrieb zu wecken. Der Endkunde hat Spaß daran, das Messer weiter zu modifizieren“, erklärt Dirk Hofmeister sein Konzept. Ob mit abschließendem Griffring oder als Dreifingermesser, von diversen Kunststoffen, Kupfer, Carbon über Holzfilament bis hin zu Glow-in-the-Dark-Materialien sind dem Experimentier- und Spieltrieb keine Grenzen gesetzt. Filamente werden mit PLA oder einem ähnlichen Kunststoff vermischt, Schicht für Schicht aufgetragen und miteinander verschmolzen. Die unterschiedlichen Erweiterungen ermöglichen eine Anpassung an die eigenen Bedürfnisse und optimieren den Nutzwert.

„Wir wählten bewusst eine Cleaver-Klinge, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren, wenn Eltern dieses Messer ihren Kindern schenken.“ Dirk Hofmeister weiß, wovon er spricht. Seine 16 Jahre alte Tochter Lia ist eine der jüngsten Messermacherinnen in Europa und teilt seine Leidenschaft für Messer von Kindesbeinen an. Sie unterstützt ihren Vater nicht nur bei der Entwicklung von Messern. Die Idee für den Namen sowie für das Logo stammen ebenfalls von Lia Hofmeister, die sich intensiv mit nordischer Mythologie befasst. Daher führen die meisten Messer aus Hofmeisters Werkstatt die Namen nordischer Gottheiten oder Helden.

@ Dirk Hofmeister
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© Screenshot Youtube
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„Wir sind weltweit die ersten Custom-Messermacher, die zusätzlich im neuen 3D-Druck-Verfahren arbeiten“, erzählt uns Dirk Hofmeister stolz. „Die Kunst beim 3D-Druck ist es, die STL-Dateien so zu schreiben, dass sie auf jedem beliebigen Drucker funktionieren. Und zwar so, dass jeder Laie ohne großen Aufwand die Datei hochladen kann. Unsere Idee war, Händlern und Wiederverkäufern Lizenzen, auch exklusiv, für eigens erstellte Druckdateien anzubieten, die diese dann drucken und verkaufen können. Wir haben verschiedene Muster für unsere existierenden Messer bereits programmiert vorliegen. Diese bieten wir über ein Download-Portal an.“ 

Dirk Hofmeister möchte Sachen schnell umsetzen. Mittlerweile ist seine kleine Manufaktur bestens strukturiert und vernetzt. Ein externer Partner schneidet die Rohlinge aus dem gewünschten Stahl mittels Wasserstrahler zu, Hofmeister schleift und härtet den Rohling, während in der Zwischenzeit im 3D-Drucker schon Griffschalen und Scheide hergestellt werden. „Mittlerweile haben wir sogar einen eigenen Youtuber. Er bekommt jedes Produkt, das er ausgiebig behandelt und vorstellt. Damit geben wir Händlern mit eigenem Webshop zusätzliches Werbematerial an die Hand.“ Andre Doerck ist ein aufstrebender Youtuber in der Survival-Szene, der Midgards-Messer mit Tests und Berichten unterstützt. https://www.youtube.com/user/derNordlandwolf

Solche Videos eignen sich natürlich ebenfalls für Bildschirme am POS oder im Schaufenster. 

Dirk Hofmeister nutzt das Internet intensiv für seine Unternehmung: „Bei technischen Fragen können unsere Kunden sich mit ihrem Anliegen direkt an uns oder an unsere Facebook-Gruppe wenden.“ Die Mitglieder helfen sich dort gegenseitig und reagieren manchmal schneller, als das Team von Midgards-Messer es könnte. Gleichzeit wird das junge Unternehmen auch entlastet. 

Seine Ziele für die Zukunft hat Hofmeister klar vor Augen: „Wir wollen den 3D-Druck auf Messern etablieren. TPU wird Kydex als Material für Scheiden in fünf Jahren abgelöst haben. Es verkratzt die Klinge nicht, es ermüdet nicht und es ist schon fast so weich wie Leder. Schlaufen und Tragesysteme werden einfach mit drangedruckt.“ Zudem sei es ökologischer als Kydex, da weniger Material nötig ist. Beim Kydex muss man einen Rand lassen, durch den man die Hohlnieten treibt und aus dem man die Scheide ausschneidet. Seine Annahmen klingen logisch – wir sind gespannt, welchen Schicksalsfaden die drei Nornen für Midgards-Messer und den 3D-Druck im Messermarkt noch spinnen werden.

Kontakt

Dirk Hofmeister

Bachstraße 1

78247 Hilzingen

E-Mail: dirkhofmeister@t-online.de

Telefon: 0152-27510870

www.midgards-messer.de 

www.boker.de

Der Autor dieses Artikels ist Adrian Hopp (ah).

Er ist in der Mai-Ausgabe 2019 in WM-Intern erschienen.