Von der Erleuchtung bei Tageslicht

Rotwild im Altholz. Hätten Sie das Stück ganz links im Bild auch mit bloßem Auge gleich entdeckt? © Carsten Zulauf
Rotwild im Altholz. Hätten Sie das Stück ganz links im Bild auch mit bloßem Auge gleich entdeckt? © Carsten Zulauf

Das Thema Wärmebild auf der Jagd ist in aller Munde. Ob verteufelt oder als Lösung für alles angepriesen, Fakt ist: Das Interesse am Thema ist riesig. Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Artikel angehen soll, und dann entschieden, dass ein Feedback zu unseren Vorträgen zum Thema sowie Anwendungsbeispiele aus dem eigenen Revier für den Fachhandel sicher den größeren Mehrwert haben als technische Erläuterungen.

 

Der Kunde will, aber er oder sie weiß nicht was

Bei unseren Vorträgen, Lehrgängen oder an unserem Messestand gibt es neben Fragen zu Produkten oder nach Tipps für die Praxis ein immer wiederkehrendes und intensiv nachgefragtes Thema: Kann man Wärmebildgeräte auch tagsüber einsetzen?

Kurz und knapp: Warum nicht? Denn anders als Nachtsichtgeräte macht die Wärmebildtechnik ja kein Licht respektive Restlicht sichtbar, sondern die unterschiedlichen Wärmegrade der Umgebung. Die sind auch am Tag unterschiedlich und der Wildkörper dadurch in der Umgebung selbst tagsüber sichtbar, im Winter natürlich besser als im Sommer, denn dann ist der Unterschied zwischen Umgebungs- und Körpertemperatur größer.

Die Frage könnte also auch lauten: Kann man Wärmebildgeräte auch im Sommer einsetzen? Auch das geht problemlos.

Waschbären sind im dichten Laub oft schwer zu finden. Die Wärmebildtechnik macht sie jedoch gut sichtbar. © Carsten Zulauf
Waschbären sind im dichten Laub oft schwer zu finden. Die Wärmebildtechnik macht sie jedoch gut sichtbar. © Carsten Zulauf

Ich selbst nutze die Technik nun seit Jahren und gehe inzwischen überhaupt nicht mehr ohne Wärmebildkamera auf Jagd. Egal ob Ansitz, Pirsch, Drückjagd oder Nachsuche, ob am Tag oder in der Nacht: Das Wärmebildgerät ist immer dabei.

Warum? Weil man einfach viel mehr sieht, was selbst das geschulteste Auge übersehen würde, und weil man in gewissen Situationen viel eher auf Wild vorbereitet ist. Die Chance liegt darin, das Wild zu sehen, wenn wir der Tarnung oder der nur minimalen Sichtbarkeit des Wildkörpers wegen sonst ohne die Funktion eines Wärmebildgerätes kaum eine Chance hätten, das Stück zu entdecken. Denn der Temperaturunterschied ist häufig größer als die sichtbare Farb- oder Bewegungsabweichung zwischen Wild und Deckung.

Ein erstes gutes Beispiel ist die Rehwildjagd an einem Weizenschlag im Sommer. Die Ernte steht kurz bevor, die Ähren sind schon voll, das Getreide ist also rehhoch. Wenn ich das Feld in der Hoffnung abglase, irgendwo ein Paar zuckende Lauscher zu entdecken, so fällt mir das aufgrund der sich im Wind wiegenden Weizenähren schon sehr schwer. Nehme ich aber das Wärmebildgerät zur Hand – und ja, das geht auch im Hochsommer –, erkenne ich aufgrund des bestehenden Temperaturunterschiedes sofort jeden Lauscher, der aus dem Ährenmeer rausschaut, und kann mich gezielt vorbereiten. Das heißt, dass ich nicht überrascht werde, wenn das Stück plötzlich auf der Fahrspur steht.

Ein weiteres Beispiel ist die Pirsch auf den Bock zur Blattzeit. Wenn ich im Juli oder August tagsüber auf eine Dickung zupirsche, an dessen Rand sich der Bock niedergetan hat, stehen meine Chancen mit einem Wärmebildgerät wirklich gut, dass ich ihn sehe, bevor er mich sieht, sodass ich meinen Standort zum Blatten sehr viel besser vorbereiten kann.

Doch was alle interessiert: Schwarzwildbejagung!

Schwarzwild lässt sich mit der Wärmebildoptik auch im Wald leicht auffinden und sicher ansprechen. © Carsten Zulauf
Schwarzwild lässt sich mit der Wärmebildoptik auch im Wald leicht auffinden und sicher ansprechen. © Carsten Zulauf

Dank Wärmebildtechnik lässt sich die Sommerpirsch auf Sauen an bekannten Suhlen auf größere Entfernungen bewerkstelligen, ohne dass ich Gefahr laufe, die Rotte gleich hochzumachen. Auch an einem Wildacker habe ich gute Chancen, zu erkennen, von wo genau die Geräusche kommen, denn hier besteht ebenso häufig nur ansatzweise Sichtkontakt, den ich ohne Wärmebildtechnik nicht hätte.

Zudem beschränkt sich der kombinierte Einsatz von Wärmebildtechnik und Drohnen nicht nur auf die Kitzrettung, wo er sich deutlich erfolgreicher zeigt als das personen- und zeitaufwendige Absuchen per Durchgehen oder sogar der Drohnenflug mit einer Kamera. Beispielsweise ist das Abfliegen von Maisschlägen oder Wildäckern mit einem Wärmebildgerät doch um einiges Erfolg versprechender und erspart einem die Mobilisierung von Schützen und Hundeführen, wenn gar nichts im Acker steckt.

Trotz all dieser positiven Möglichkeiten muss jedoch auch gesagt werden, dass ein Wärmebildgerät am Tage und im Sommer natürlich seine Grenzen hat. Es ist nun mal kein Röntgengerät, was für uns vor allem bedeutet, dass wir irgendeine Art von Sichtkontakt zum Stück brauchen. Schauen also keine Lauscher aus dem Weizen oder Teller aus den Wildäsungspflanzen, werden wir des Stückes auch mit einem Wärmebildgerät nicht ansichtig werden.

Und ja, die große Wärme im Sommer macht den Einsatz eines Wärmebildgerätes nicht einfacher. Umrisse werden unklarer und auch Objekte wie große Steine heizen sich auf und geben eine Wärmesignatur ab, die schnell für einen Wildkörper gehalten werden kann. All diese Punkte sind aber mit einer sich einstellenden Erfahrung auszugleichen und stehen in keinem Vergleich zu den großen Vorteilen, die uns die Wärmebildtechnik bringt.

Genau diese Vorteile jedoch haben selbstverständlich einen Einfluss auf unsere Jagdausübung und wir müssen uns beim Kauf gut überlegen, wie wir unsere Bejagungsstrategien umstellen müssen, um die Technik optimal nutzen zu können. Aus diesem Grund haben wir das bundesweite Seminar „Schwarzwildbejagung Heute“ entwickelt.

Wie wir die Technik nutzen möchten und in unserem Revier können, hat ebenso einen Einfluss darauf, welches Gerät wir brauchen. Nicht jeder braucht ein Gerät für 4.000 Euro. Die Erkenntnis, dass vielen Jägern günstigere Geräte reichen, ist immer wieder ein Aha-Erlebnis bei von uns durchgeführten Beratungen. Aber auch, wenn man sich für ein günstigeres Gerät entschieden hat, sollte man sich genau informieren, da es im unteren Preissegment leider auch fast unbrauchbare Geräte gibt. 

 

Fazit

Wärmebild bei Tag ist absolut sinnvoll. Es gilt aber, sich gut beraten zu lassen und sich über die nächsten Schritte, die entsprechenden Bejagungsstrategien, zu informieren.

Der Autor: Carsten Zulauf

© Roland Zobel
© Roland Zobel

Jahresjagd-scheine: 19 

Bisherige jagdliche Wirkungsbereiche: 10 Jahre in einem Hochwildrevier im Taunus, seitdem in Franken zu Hause und Pächter eines Reviers in Mittelfranken.

Spezialgebiete: Drückjagdplanung, Seminare, Folien, Revierkarten, Shirts, Wärmebildtechnik, Schwarzwildbejagung

Beliebtestes jagdbares Wild: Schwarzwild

www.jagdservice-franken.de