Messerporträt: Der Höhlenwächter

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

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„Barlangör“ ist der ungarische Name dieses Messers von Attila Kertész und heißt so viel wie „Höhlenwächter“. Klingenlänge: 13 cm.  © Christoph Daim
„Barlangör“ ist der ungarische Name dieses Messers von Attila Kertész und heißt so viel wie „Höhlenwächter“. Klingenlänge: 13 cm. © Christoph Daim

Messer sind Werkzeuge. Als solche sind sie tief in der Vorzeit der Menschheitsgeschichte verankert und haben immer wieder viele Veränderungen erfahren. Besonders spannende Entwicklungen fanden während großer technologischer Erneuerungen statt. Beim Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit und später von der Bronzezeit zur Eisenzeit konnten sich die Handwerker, die mit den neuen Technologien und dem neuen Material arbeiteten, zuerst nur an den überlieferten, alten Formen orientieren. Danach erst konnten adäquate, zu den neuen Möglichkeiten passende Verfahren für Waffen und Werkzeuge entwickelt werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass frühe bronzezeitliche Schaber oder Messer noch wie die vorhandenen Steinwerkzeuge aussahen. Andererseits wurde auch versucht, exklusive und repräsentative Bronzeklingen, die selten beziehungsweise unerschwinglich und somit quasi ein Statussymbol waren, aus Feuerstein nachzubauen. Mit diesem Spannungsfeld spielt auch das hier gezeigte Messer vom ungarischen DMG-Mitglied Attila Kertész: Es ist ein modernes Jagdmesser, das sich in einer Art Steinzeit-Optik präsentiert. Dabei ermöglicht der moderne D2-Klingenstahl eine spezielle, besonders haltbare Färbung bzw. Beschichtung der Klinge, die dadurch fast den Farbton von Feuerstein zeigt. Die Hirschkrone als Griff und die rustikal genähte Scheide runden das Gesamtbild perfekt ab und lassen so ein ganz spezielles Messer entstehen.