Messerporträt: Geweihgriffe

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

www.viennablade.com

www.deutsche-messermacher-gilde.de

Zwei kleine Kappmesser aus selbstgeschmiedetem Damast mit geschnitzten Geweihgriffen von Hans Weinmüller.  © Christoph Daim
Zwei kleine Kappmesser aus selbstgeschmiedetem Damast mit geschnitzten Geweihgriffen von Hans Weinmüller. © Christoph Daim

Geweih gehört neben Stein, Holz, Knochen und Zähnen zu den ältesten Materialien, die den Menschen in ihrer Geschichte zur Verfügung standen. Dementsprechend vielseitig wurde Geweih verwendet – nicht nur um Schlagwerkzeuge für besonders feine Retuschen an steinzeitlichen Klingen und Pfeilspitzen zu machen, sondern auch als Material für Behausungen und Lagerplätze, als Hacke oder Axt und sogar als Grundmaterial für bildnerische oder künstlerische Arbeiten wurde es schon sehr früh genutzt. Und natürlich wird es von Messermachern und Messerbenutzern seit Langem als natürliches Griffmaterial geschätzt. Einen Geweihgriff der besonderen Art zeigen die hier präsentierten Messer von Hans Weinmüller. Die vorgegebenen natürlichen Strukturen des Geweihes werden als Grundlage genutzt, um Skulpturen von Gesichtern oder Figuren zu schaffen. Das funktioniert nach dem gleichen Grundprinzip, das uns zum Beispiel Gestalten oder Gesichter in Wolken erkennen lässt (Pareidolie), nur dass die Griffskulpturen von Hans Weinmüller von länger dauerndem Bestand sind. Beide hier gezeigten Messer sind sogenannte „primitive Folder“. Dabei verzichtet Hans Weinmüller ganz bewusst auf jegliche Arretierung oder Feder. Abgesehen von dem selbst geschmiedeten Damast ist dies wohl die einfachste und ursprünglichste Form, ein Klappmesser zu bauen.

www.hwknivesandmore.com