Messerporträt: Messer wie früher

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

www.viennablade.com

www.deutsche-messermacher-gilde.de

Eine unverkennbare Klingenform seit Jahrhunderten – der Trattenbacher Taschenfeitel.  © Christoph Daim
Eine unverkennbare Klingenform seit Jahrhunderten – der Trattenbacher Taschenfeitel. © Christoph Daim

In Zeiten der Verschärfung der Waffengesetze und der Ausweitung von Waffenverbotszonen kommt den einfachen, „gemütlichen“ Taschenmessern ganz ohne Klingenarretierung langsam wieder eine größere Bedeutung zu. Das liegt daran, dass sie weniger wie eine bedrohliche Waffe wirken, sondern eher wie ein altmodisches Alltagsutensil. Ein typisches Beispiel für ein solches Messer ist der sogenannte Taschenfeitel. „Der Feitel“ bezeichnet im österreichischen und bayerischen Sprachgebrauch ein (meist einfaches) Taschenmesser, oft vom Typ der hier abgebildeten Trattenbacher Taschenfeitel. Sowohl die Bezeichnung „Feitel“ als auch das dazugehörige Messer sind in weiten Teilen Deutschlands allerdings unbekannt beziehungsweise längst kein Begriff mehr. Dabei wurden in dem kleinen Tal an der österreichischen Eisenstraße zur Blütezeit dieser Messer bis zu acht Millionen Stück pro Jahr produziert und in die ganze Welt verkauft! Der letzte verbliebene Betrieb dort ist eine Art Museum und stellt gewissermaßen einen Ausflugstipp für Messerfreunde dar, die miterleben können, wie auf von Wasser angetriebenen Maschinen noch Messer wie vor über 100 Jahren hergestellt werden. Dabei ist die Form dieser Messer noch ein paar hundert Jahre älter. Die unveränderte Herstellung dieser traditionellen Messerform ist mittlerweile von der UNESCO in den Status eines immateriellen Kulturgutes erhoben worden.