Hund im Büro? Stress lass nach!

Bürohund Hugo. © Madeline Lindhorst
Bürohund Hugo. © Madeline Lindhorst

Im Homeoffice: Ich sitze vor dem Rechner, Zeitdruck, mein Kopf schwirrt, rote Flecken machen sich auf meinem Hals breit. Da kommt mein Setter heran und legt mir sanft seinen Kopf auf den Oberschenkel. Sein Blick sagt: Frauchen, wird es nicht mal wieder Zeit, um kurz nach draußen zu gehen? Wie Recht er hat! Ich streiche ihm übers Ohr, stehe auf und gehe mit ihm an die frische Luft. Der Stress kann warten. Zwar ist der Termindruck nach dem Spaziergang immer noch da, aber man selber ist wieder voller Elan und neuer Ideen. 

 

Luxus für Freiberufler, die von zu Hause aus arbeiten können? Nicht unbedingt: Immer mehr Firmen erlauben ihren Mitarbeitern unter bestimmten Umständen, den Vierbeiner mit zur Arbeit zu nehmen. Denn wie mehrere Studien* zeigen, beeinflusst ein Bürohund das Arbeitsklima maßgeblich positiv. Das Streicheln, Spielen und Interagieren mit Hunden regt beim Menschen die Produktion des Glückshormons Oxytocin an. Dieses trägt im Gegenzug dazu bei, dass die Stresshormone Insulin und Cortisol reduziert werden. Die Mitarbeiter sind also psychisch ausgeglichener und so deutlich weniger anfällig für stressbedingte Erkrankungen wie Burn-out oder Depressionen. Aber auch das Image des Chefs wird durch das Erlauben von Vierbeinern am Arbeitsplatz aufpoliert, denn die Mitarbeiter bewerten nicht nur das Arbeitsklima besser, sondern schätzen auch ihre Vorgesetzten mehr. Dies wiederum wirkt sich auf den Erfolg der Firma aus, denn wenn die Firmenführung mehr auf ihre Arbeitnehmer eingeht, sind diese meist auch motivierter, engagierter und identifizieren sich mehr mit ihrer Firma.

Bei allen positiven Aspekten: Sicherheit geht natürlich vor. In einem Betrieb mit Maschinen hat ein Vierläufer in der Regel nichts zu suchen, zu groß ist die Gefahr, dass er sich selbst oder Mitarbeiter verletzt. Soll ein Hund ins Büro oder in ein Ladengeschäft mitgebracht werden, muss natürlich abgeklärt werden, ob der Kandidat verträglich und entspannt genug ist. Wichtig ist auch, zu klären, ob bei einem Mitarbeiter eine Allergie auf Hundehaare besteht. Da gibt es Unterschiede, nicht jeder Allergiker ist auf jeden Hund allergisch. Ist der Kollege gewillt, heißt es: ausprobieren! Falls nicht, bedeutet das die rote Karte für den Vierbeiner.

Was, wenn die halbe Belegschaft einen Hund zu Hause hat (das kann bei jagdlichen Firmen durchaus vorkommen) und auf einmal jeder seinen felligen Liebling mit zur Arbeit nehmen möchte? Entweder die Hunde verstehen sich alle wirklich gut miteinander und liegen brav unter Herrchens beziehungsweise Frauchens Schreibtisch. Oder aber alle müssen immer auf der Hut sein, dass sich die vierfüßigen Rivalen nicht in die Haare kriegen – in diesem Fall kann ein Machtwort des Chefs für ein Hundeverbot die logische Folge sein.

Spieleregeln für den Hund im Büro von www.vier-pfoten.de

  • Vorab überprüfen: „Passt“ mein Hund wirklich in ein Büro? Kann er sich auch eine Weile unauffällig und ruhig verhalten oder bellt er oft?
  • Nur gesunde Hunde sollten ins Büro mitgenommen werden.
  • Klare Absprachen erleichtern ein gutes Miteinander: Lässt sich der Hund von jedem streicheln? Wann sollte er lieber nicht gestört werden? Welche Erziehungsregeln gelten?
  • Vor Arbeitsbeginn braucht der Hund einen ausgiebigen Spaziergang sowie auch zwischendurch feste Gassigehzeiten. Fütterungszeiten einhalten und nicht unkontrolliert Leckerlis verteilen – das gilt vor allem für Kollegen. Der Wassernapf sollte immer bereitstehen.
  • Ein Hund im Büro braucht einen festen Platz, auf den er sich zurückziehen kann. Ideal sind Körbchen, Hundedecke oder spezielle Hundeboxen.
  • Kleine Spielpausen bringen für den Hund sowie für die Besitzer Abwechslung ins Büro. Konzentration und Arbeitsleistung dürfen aber nicht unter dem tierischen Kollegen leiden!
  • Auch im Büro müssen Hundedecke, Napf & Co. stets sauber sein!
  • Es gibt immer wieder Termine, zu denen der Hund nicht mitkommen kann. Für solche Fälle vorab schon nach Lösungen suchen.
  • Fühlt sich der Hund grundsätzlich wohl im Büro? Oder steht er aufgrund der vielen Leute unter Dauerstress und kann nicht abschalten? Dann sollte eine andere Lösung gesucht werden. ali

* Studien nachzulesen unter www.bv-bürohund.de/wissenschaftliche-untersuchungen

Aktionstag „Kollege Hund“

 

Der Deutsche Tierschutzbund ruft alljährlich zu einem Aktionstag „Kollege Hund“ auf. Immer am letzten Donnerstag im Juni sollen Hundebesitzer die Möglichkeit erhalten, ihre Hunde für einen Tag mit zur Arbeit zu bringen. www.tierschutzbund.de/aktion/kampagnen/heimtiere/kollege-hund