Test: Victorinox Outdoor Master Mic

© Victorinox
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Mit den beiden neuen Messern der Serie Outdoor Master hat Victorinox seit Ende letzten Jahres erstmals feststehende Messer für Outdoor und Bushcraft im Programm: Das Outdoor Master Mic L mit 10 cm und das Outdoor Master Mic S mit 7 cm Klingenlänge, beide mit Micarta-Griffen. Wir haben das große der beiden Messer ausgiebig getestet.

 

 

 

 

 

Geliefert wird das Victorinox in einer schlichten, umweltfreundlichen Pappschachtel. Gleich der erste Eindruck beim Auspacken begeistert. Toll schaut es aus, das Outdoor Master Mic L in massiver Full-Tang-Bauweise mit ansprechenden Micarta-Griffschalen in seiner Kydexscheide mit Feuerstarter. Direkt überkommt einen der umtriebige Wunsch, damit raus in den Wald zu gehen, Kleinholz und Feuer zu machen. 

© Victorinox
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 Doch werfen wir erst einmal einen näheren Blick auf das gute Stück. Bereits die Verpackung verrät, das Outdoor Master kommt gar nicht aus der Schweiz. Victorinox lässt es von der bekannten spanischen Messerschmiede Muela fertigen. Doch in Sachen Verarbeitung ist das Messer hervorragend ausgeführt. Einzig eine kleine unschöne asymmetrische Fräskante am Übergang von Schneide zum Griff will nicht so recht ins qualitative Gesamtbild passen. Doch das ist auch schon alles, was es an unserem Testmuster zu meckern gibt. Das Messer selbst wiegt 220 g, ist 22 cm lang und aus rostfreiem Stahl der Sorte 1.4116 geschmiedet, mit einer Rockwellhärte von 56–57. Die 10 cm lange Klinge ist mit einer Stärke von 4,2 mm durchweg robust ausgeführt, der Vollerl steht am Griffende einige Millimeter über. Die Drop-Point-Form ist ideal für ein Outdoor-Messer und verstärkt die Spitze. Ansonsten setzt Victorinox bei der Schneidengeometrie auf den bewährten Scandi-Schliff, welcher jedoch nicht exakt originalgetreu ausgeführt ist. Bei näherem Betrachten fällt auf, dass er an der Schneide über eine Sekundärphase verfügt. Das macht den Schneidenwinkel zwar flacher und somit etwas weniger schneidfreudig, die Klinge insgesamt aber stabiler. Rasiert hat sie ab Werk allemal. Und wer draußen lieber filigrane Schnitzarbeiten ausführen will, kann ja noch ein normales Schweizer Taschenmesser einpacken. Der Griffrücken ist zum Feuerstarten im 90°-Winkel angeschliffen. Hinten wurde ein angenehm griffiges Jimping eingearbeitet. Der Griff liegt hervorragend in der Hand und spricht mit den dunkelblau-schwarzen Micarta-Schalen – kontrastiert mit roten Linern – auch optisch eine gelungene Designsprache. Ebenso gelungen ist die Tek-Lok-kompatible schwarze Kydexscheide. Ein interessantes Feature: Der feste Sitz der Klinge lässt sich über eine seitlich höhenverstellbare Schraube justieren. Diese sollte man jedoch gut anziehen, da sie sich sonst lockert. Doch selbst in der niedrigsten Position saß das Messer stets ordentlich. Draußen im Wald war das Outdoor Master Mic L in seinem Element und durfte sich so richtig austoben. Wie aufgrund der Sekundärphase bereits erwartet, ist das Messer kein perfekter Schnitzer. Heringe und Äste anzuspitzen oder Feathersticks herzustellen, funktioniert gut, nur mit manch anderer Klinge eben ein bisschen besser. Seinen Trumpf spielt das Victorinox bei groben Arbeiten aus: beim Entrinden und Entasten, beim Hacken und Stutzen großer Äste und kleiner Stämme – und vor allem beim Batonieren, also dem Spalten selbst größerer Holzscheite. Das alles funktionierte astrein und machte richtig Spaß. Der fein geschliffene Griff entpuppte sich dabei als echter Handschmeichler und ermöglichte ermüdungsfreies Arbeiten, wenngleich er bei Nässe griffiger sein dürfte. Abhilfe schafft hier ein Lanyard. Ein Passendes liefert sogleich der Feuerstarter. Um diesen nicht zu verlieren, bietet es sich nämlich an, ihn stattdessen mit einem Stück elastischer Schnur gegen Verlust zu sichern. Das lohnt, denn er funktioniert hervorragend und produziert viele heiße, lang nachglühende Funken, welche Holzspäne oder Gras, erst recht Kienspan oder Birkenrinde leicht und zuverlässig entzünden. 

Trotz aller Beanspruchungen kam es im Test zu keinen Schäden, wie Klingen­ausbrüchen oder ähnlichem. Im Gegenteil erwies sich die Schneide als durchaus schnitthaltig. So rasierte sie nach drei Tagen im Wald zwar nicht mehr, schnitt aber noch ganz passabel durch Papier. Allein durch Reinigen und Abziehen über einen mit Polierpaste behandelten Lederstreifen ließ sich wieder eine gute Gebrauchsschärfe herstellen. 

Victorinox liefert mit dem Outdoor Master Mic L ein robustes Arbeitstier, auf das man sich draußen bedenkenlos verlassen kann. Nähere Infos (auch zum kleinen Modell) gibt es unter www.victorinox.ch.

Der Autor dieses Artikels ist Daniel Guthannß.

Er ist in der Mai-Ausgabe 2020 in WM-Intern erschienen.