Schmähpreis Plagiarius – das sind die „Gewinner“ 2020

© Plagiarius e. V.
© Plagiarius e. V.

Gegen dreisten Ideenklau, für Innovation und fairen Wettbewerb: Anfang Februar wurde der vom Designer Prof. Rido Busse 1977 ins Leben gerufene Plagiarius an die diesjährigen Preisträger verliehen. Die „Gewinner“ der vier Hauptpreise (der 3. Preis wurde zweimal vergeben) sind: 

 

1. Preis: Küchen-Schneidgerät „Nicer Dicer Quick“. Original: Genius GmbH (Limburg, Deutschland), Fälschung: Ningbo A-Biao Plastic Industry & Trade Co., Ltd. (VR China)

2. Preis: KAYSER Sahnekapseln. Original: Kayser Berndorf GmbH (Wien, Österreich), Fälschung (Vertrieb): Female Foods BV, Woerden (Niederlande, liquidiert). Ein belgischer Händler hatte die Fälschungen „im guten Glauben“ erworben. 

3. Preis: JULIUS-K9 Hundegeschirr „IDC Powerharness“. Original: JULIUS-K9 Zrt. (Szigetszentmiklós, Ungarn), Fälschung: Shenzhen Dog Favors Pet Supplies Co., Ltd. (VR China)

3. Preis: (Laptop-)Rucksack „Wenger Ibex“. Original: Wenger S.A. (Delémont, Schweiz), Plagiat: Herstellung: VR China, Vertrieb: Swiss Bag (Jerusalem, Israel)

Darüber hinaus wurden auch wieder sechs gleichrangige „Auszeichnungen“ verliehen – unter anderem an das Plagiat der Taucherlampe „Ledlenser D14.2“ (Original von Ledlenser GmbH & Co. KG, in Solingen, Deutschland): Ein deutscher eBay-Händler wurde abgemahnt. Er gab Restbestände heraus und nannte seinen Lieferanten. Vertrieb: unter anderem über Stels Solutions Sp. z o.o. (Polen) und SATIS (Polen). 

 

Dabei sagt die Auszeichnung, die bereits zum 44. Mal verliehen wurde, wie üblich nichts darüber aus, ob ein nachgemachtes Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Ziel der Aktion Plagiarius ist vielmehr seit jeher, die skrupellosen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Industrie, Politik und Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Zugleich vermittelt der Verein den Unternehmern sowie den Kreativen die Bedeutung und Wirksamkeit von gewerblichen Schutzrechten – beispielsweise Marke, Patent, Design – und ermutigt sie, ihr geistiges Eigentum zu schützen und Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem möchte die Aktion Plagiarius dazu beitragen, dass Konsumenten technischen und kreativen Leistungen mehr Wertschätzung entgegenbringen, indem sie ihnen vor Augen führt, dass die Entwicklung eines Produktes von der ersten Idee über Design, Konstruktion, Zertifizierungen und Prototypenbau bis zur Marktreife viel Zeit, Geld, Know-how, Mut und Innovationskraft kostet. Dafür steht auch die Trophäe des Negativpreises: Ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase – Symbol für die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten von Kreativen und der Industrie erwirtschaften. Nähere Informationen, auch zu den Preisträgern, unter: www.plagiarius.com mvc   

© Plagiarius e. V.
© Plagiarius e. V.

Der chinesische Hersteller hat Design und Konstruktion des Originals 1:1 übernommen. Er vertreibt die Plagiate über ein weltweites Distributionsnetz. Der Markenname „Wenger“ wird nicht verletzt, aber die von Wenger S.A. geschützte Wenger Emblem Bildmarke (Kreuz auf einem Quadrat). Swiss Bag vertreibt in seinem Shop und auf seiner Website parallel Wenger-Originalprodukte und Wenger-Plagiate. (links Original, rechts Plagiat/Fälschung)

© Plagiarius e. V.
© Plagiarius e. V.

Der Nachahmer kopiert nicht nur das geschützte Design inklusive 3D-Marke, sondern auch das Taucher-Piktogramm. Der sehr niedrige Preis spiegelt sich in billigen Materialien (Plastik statt Edelstahl), einem nicht ausreichend dimensionierten Kühlkörper und minderwertigen LEDs sowie mangelhafter Funktionalität wider: Trotz zwei Einstellmöglichkeiten für die Lichtstärke ist das Ergebnis beim Plagiat in beiden Positionen das gleiche schwache Licht. (links Original, rechts Plagiat / Fälschung)