Jagd ist systemrelevant – als Schädlingsbekämpfung!

Wie in allen Belangen, so wird unser Handel im Jagdbereich von den politischen Rahmenbedingungen beeinflusst. Veränderungen von gesetzlichen Erlaubnissen, wie zuletzt die Legalisierung der Wärmebildgeräte und Restlichtverstärker für den jagdlichen Einsatz auf der Waffe, fördern unsere Umsätze oder sie behindern diese. Inwieweit vordergründig als Erleichterung scheinende Regelungen zu einer nachhaltigen Stärkung des Marktes führen oder aber ein sicheres Marktsegment langfristig unbedeutend machen, ist eine Frage, die fast nur durch Indizienauswertung – und selbst dann nur hypothetisch – beantwortet werden kann. Dennoch ist Wachsamkeit das Gebot der Stunde, sonst wachen wir erst auf, wenn andere geregelt haben, was uns angeht. 

 

Mit großer Freude, und sicher auch Genugtuung, wurde das Rundschreiben der zuständigen Ministerien an die obersten Jagdbehörden der Bundesländer als auch an den Verteiler der Jagdverbände in Deutschland im April 2020 gewertet. Das zur Begründung der ministeriellen Entscheidung lediglich die Bedeutung der Jagd für den Schutz vor Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft genannt wurde, störte offenbar zunächst niemanden. Warum auch, man darf ja jagen und das in Pandemiezeiten zuerst nach der sicheren Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln geschaut wird, leuchtet auf den ersten Blick ja auch ein. Trotzdem wäre es im Rahmen der Begründung der Systemrelevanz angebracht gewesen auf die Erfüllung jener gesetzlichen Regelungen hinzuweisen, denen die Jägerschaft im Sinne des Wildes ebenfalls unterliegt. Hier ist beispielsweise der Tierschutz zu nennen und natürlich die Verpflichtung aus dem Jagdgesetz, einen gesunden Wildbestand zu pflegen und zu erhalten. Diese Gesetze geben den Rahmen vor, in dem die Jagd Kulturpflanzen und Biotope vor Wildschäden sichert sowie die Wildtiere selbst vor maßloser und willkürlicher Ausrottung schützt. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass diese jagdgesetzlichen Grundlagen ja ohnehin Bestandteil der Jagdausübung sind, ist es wichtig, sie auch immer wieder zu benennen. Warum das so ist, wird bei einem Blick auf weitere politische Konzepte deutlich, in denen das als „herrenlos“ definierte Wild als zu leicht in die Rolle des Schädlings gedrängt wird.

 

Waldstrategie 2050

© JAHR TSV
© JAHR TSV

Die Entwicklung eines Konzeptes für einen gesunden und wirtschaftlichen Waldbestand ist ein wichtiger, zukunftsweisender Prozess, Wege zu finden, die Wald auch mit Klimawandel erhalten. Zum Ökosystem „Wald“ gehören jedoch nicht nur mehr als Bäume und Sträucher, er hat auch mehr Aufgaben als nur profitabler Holzlieferant zu sein. Ein Blick auf den aktuellen Konzeptentwurf zeigt, dass dieser ganzheitliche Blick bereits aus den Augen verloren wurde und letztlich alle Maßnahmen zur zukünftigen Waldbewirtschaftung auf Kosten des Wildes gehen werden. Gegen diesen Entwurf wehren sich sowohl die Jagdverbände als auch Wildbiologen. Die lesenswerten Stellungnahmen dazu sind: 

Wald mit Wild Gemeinsame Stellungnahme von Verbänden und Institutionen zur Waldstrategie 2050 

https://tinyurl.com/y7candeh

 

GWJF: Offener Brief Waldstrategie 2050, Novelle BundesjagdgesetzVerlängerung der Jagdzeiten 

www.wm-intern.de/downloads

DJV: Lösungsansätze im Forst-Jagd Konflikt

https://tinyurl.com/y83zatcg

 

Macht man sich die Mühe, diese Stellungnahmen zu vergleichen, wird deutlich, dass es bei allen darum geht, die Gesamtheit des Ökosystems „Wald“ zu sehen. Der Entwurf zur Waldstrategie dagegen ist einseitig auf die Belange einer nach wirtschaftlichen Parametern erfolgreichen Forstwirtschaft fokussiert. Spätestens jetzt wird wieder deutlich, dass alles, was nicht wirtschaftlich gewinnbringend nutzbar ist, keine Lobby hat. Herrenloses Wild wird hier zum Spielball anderer Interessen. 

Kommen wir zurück zum Ausgangspunkt der Argumentation: Üppige Reduktionsjagden, eine Steigerung der Begehungsscheine im Forst und vieles andere mehr sind auf den ersten Blick eine Stärkung des Marktes. Doch wie lange hält so ein Boom an? Irgendwann sind die Wildbestände zusammengeschossen, irgendwann wird es langweilig hochtechnisiert und hoch überlegen Tiere zu erlegen. Wer kauft dann noch hochwertige Jagdausrüstung wenn Jagd ihren Mehrwert und Nymbus verloren hat? Schon länger sinkt der Umsatz mit Trophäenbleiche, Gehörnbrettern und dem Segment des kleinen Zubehörs rund um unsere Jagdtrophäen. Man mag zu Trophäen stehen wie man will, die zunehmende Nivellierung ihrer Bedeutung gefährdet weder die Jagd noch den Fachhandel doch an diesem marginalen Beispiel kann abgelesen werden was ein Paradigmenwandel in größeren Zusammenhängen schleichend anrichten kann. Ist das richtig? Wollen wir das? z