Messerporträt: Primitive Fixed Blade

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

www.viennablade.com

www.deutsche-messermacher-gilde.de

Oben: ein „Primitive Fixed Blade“ aus Damasteel von Christoph Daim mit Griff aus „Blue Marlin – Schwertspitze“, Klingenlänge 14 cm, Gesamtlänge 29 cm. Unten: ein Teil des Rostrums eines Schwertfischs. © Christoph Daim
Oben: ein „Primitive Fixed Blade“ aus Damasteel von Christoph Daim mit Griff aus „Blue Marlin – Schwertspitze“, Klingenlänge 14 cm, Gesamtlänge 29 cm. Unten: ein Teil des Rostrums eines Schwertfischs. © Christoph Daim

Der Primitiv Folder ist bereits zum Fachbegriff, zum Terminus technicus für nicht verriegelnde Klappmesser geworden, wie sie schon im Römischen Reich und später im Mittelalter in Gebrauch waren. Insbesondere, wenn solche Folder dann auch noch aus entsprechendem Material, wie zum Beispiel Geweih oder Horn gefertigt sind, ist unmittelbar klar, was mit „primitiv“ gemeint ist. Allerdings kann solch ein Folder ohne jede Verriegelung natürlich auch aus modernen Materialien, wie Carbon oder Titan und einem High-Tech-Klingenstahl gefertigt werden. Das Messer, das ich hier zeige, möchte ich als „Primitive Fixed Blade“ bezeichnen: Damit meine ich die Verwendung naturnaher, gegebenenfalls gefundener Materialien in Kombination mit einer gewissermaßen „völkerkundlichen“ Optik. Viele solcher Materialien stammen aus dem Meer – wie auch der hier bereits vorgestellte Pfeilschwanz-Krebs –, schließlich ist die Erde zu rund Dreivierteln mit Wasser bedeckt! Das oben gezeigte Messer habe ich eigentlich für die KNIFE 2020 gebaut, coronabedingt ist es aber nun doch noch verfügbar. Der Griff ist die „Schwertspitze“ eines Blue Marlin, eines im Atlantik und Indopazifik lebenden Raubfischs, die Damasteel-Klinge wird von einer Zwinge aus patiniertem Sterlingsilber gehalten. Diese Kombination sollte in etwa so wirken, dass das Messer in einem Museum für – sagen wir – polynesische Volkskunst auf den ersten Blick für ein authentisches Exponat gehalten werden kann.