Warum wir jagen: Wie tickt die nächste Generation Jäger?

Altersansprache am erlegten Stück: Nicht immer einfach aber aufschlussreich. © Till Schaller
Altersansprache am erlegten Stück: Nicht immer einfach aber aufschlussreich. © Till Schaller

Was hätte wohl mein jagender Großvater zu der immer intensiveren Bejagung des Schalenwildes gesagt? Vermutlich etwas wie: „Die Jagd ist heute nicht mehr dieselbe wie früher.“ Ich denke, er hatte recht und meiner Generation wird in diesen Zeiten jagdlicher Veränderungen eine entscheidende Rolle zuteil. Wie viele andere junge Jäger besaß ich im Alter von 23 durch familiäre Prägung bereits den Jugendjagdschein. Doch auch ohne jagdlichen Anschluss absolvieren immer mehr junge Menschen, möglicherweise aus dem Interesse an der Natur oder einem „Lifestyletrend“ heraus, den Jagdschein. Mag man über die ständige onlinebedingte „Abwesenheit“ auf der Jagd noch so sehr schimpfen, meine Generation ist es längst gewohnt, ihr Wissen vorwiegend aus dem Netz zu ziehen. So kann auch ich jeden Tag, dank des Handys, mitverfolgen, was Freunde und Bekannte jagdlich ausprobieren. Ich verbrachte Nächte damit, die Sauen im Weizen, mit Shorts und Pullover bekleidet, auf wenige Meter anzugehen. Für diese aus Videos erlernte Strategie zunächst belächelt, zeigte sich doch nach und nach ein Erfolg, der den Hinweis, „sowas“ erzeuge „nur Unruhe“, mehr und mehr verhallen ließ. Es scheint eine Ähnlichkeit zu dem Phänomen des „Extremsports“ zu geben, bei dem mit einem immensen Ehrgeiz, fern von jeglichem „Hobbybegriff“, eine Leidenschaft in all ihren Facetten verwirklicht wird. Anknüpfend daran zeigt sich eine der Gesellschaft – und insbesondere meiner Generation – bereits immanente Praktikabilität und Effektivität der Bejagung. Rückblickend beschwerten sich nur wenige junge Mitjäger über die Genehmigungen von Nachtzieltechnik. 

Gemeinsames Erleben ist doppeltes Erleben. © Till Schaller
Gemeinsames Erleben ist doppeltes Erleben. © Till Schaller

Mag man unsere scheinbar unpolitischen Züge auch kritisieren, so denken auch wir darüber nach, was von der Jagd noch bleibt, wenn wir in den dunkelsten Nächten Sauen jagen und dabei den Reiz des einst so überlegenen Schwarzwildes erlöschen lassen. Wir nehmen uns heute zu selten die Zeit, um eine „moderne“ Waidgerechtigkeit aus Respekt und Ethik, zumindest mit ein wenig Brauchtum, anzuwenden und über unser Handeln in Bezug auf das Wild zu hinterfragen. Entgegen der „alten Tradition“, welche durch ihre Sprache und ihre Mythen für eine Abhebung von der Gesellschaft sorgte, brechen wir die Jagd häufig auf den wesentlichen Kern herunter. Nichtsdestotrotz erhalten auch wir ein Grundvokabular an Jägersprache sowie die Tradition des „Erlegerbruchs“ und des „letzten Bissens“. Die einst stark privatisierte und mancherorts noch elitäre Leidenschaft widerspricht in gewisser Hinsicht den Bedürfnissen meiner Generation. Wir sind es gewohnt, alles medial zu teilen und Transparenz zu schaffen: für die gleichaltrigen Freunde und als Beitrag für den gesellschaftlichen Diskurs. Die ehrliche Freude über das Jagderlebnis zeigen wir offen nach außen. Das Begehren von starken Trophäen weicht dem Interesse an einem nachhaltigen und gesunden Wildbestand sowie an schmackhaftem Wildbret. Dabei bewegen wir uns auf einem schmalen Grat, die Jagd nicht zu einer bloßen „Lifestyle“-Individualisierung verkommen zu lassen und unsere privilegierte Stellung innerhalb der „Mensch-Natur-Beziehung“ zu verlieren. 

 

Nachdenkliche Momente in der Natur – auch das gehört zur Jagd. Till Schaller
Nachdenkliche Momente in der Natur – auch das gehört zur Jagd. Till Schaller

Schließlich möchte ich noch anmerken, dass wir zwar die Generation der „Shooterspiele“ sind, wir jedoch den respektvollen Umgang mit der Waffe als etwas „jagdlich Natürliches“ wahrnehmen. Gerade dadurch steht die Waffe nicht für uns im Mittelpunkt, und veranlasst uns nicht dazu, den Jagdschein (der für die meisten jungen Jäger mit „relativ“ hohen Kosten und Aufwand verbunden ist) nur wegen der Waffe zu absolvieren. Mit Blick in die Zukunft brauchen junge Jäger eine mediale Plattform, die ihre Entwicklungen unterstützt. Schließlich sollten sich die Erfahrungen und Werte der älteren Jäger mit der Energie sowie den Visionen der jungen Jäger verknüpfen, im Sinne von Tradition mit Moderne, um den zukünftigen Weg der Jagd zu ebnen und eine waidgerechte sowie gesellschaftlich akzeptierte Jagd für die kommenden Generationen zu erhalten.

 

Autor: Till Schaller