Rückendeckung vom Tiger

© Daniel Guthannß
© Daniel Guthannß

Vom Tasmanischen Tiger aus Dasing gibt es wieder einiges an taktischen Neuheiten. Mit den Rucksäcken TT Modular Daypack XL und dem TT City Daypack 20 präsentiert der Hersteller aus Dasing zwei Modelle, die auf den ersten Blick recht gegensätzlich wirken. Und tatsächlich sind beide für verschiedene Einsatzzwecke konzipiert, punkten jedoch mit vom Hersteller gewohnten taktischen Eigenschaften und hoher Verarbeitungsqualität.

 

Der TT Modular Daypack darf als Nachfolger des TT Essential Bag betrachtet werden. In der Variante XL misst er circa 46 x 28 x 14 cm bei einem Volumen von 23 l. Gefertigt wird er in der hauseigenen und nach Sozialstandard SA 8000 kontrollierten Fabrik in Vietnam aus Cordura 700 den, einem Material, das bei sehr hoher Abriebfestigkeit noch relativ leicht ist. So kommt der Rucksack auf ein Gesamtgewicht von 850 g. Vorn sowie an den Seiten ist er mit lasergeschnittenem Molle-System ausgestattet, was die bereits im Namen angeklungene Modularität bietet. Denn so lassen sich bei Bedarf zusätzliche Taschen außen anbringen. Zudem verfügt er über zwei abnehmbare Kompressionsriemen, über die sich ebenfalls größere Dinge wie Jacken oder eine Isomatte verzurren ließen. In der Front, auf der auch eine Klettfläche für Namensschilder und Patches aufgebracht ist, befinden sich zwei Reißverschlussfächer: Das obere reicht über die gesamte Länge, das kleine untere Fach wird vom Kompressionsriemen verdeckt und ist somit praktisch nicht sichtbar. Alle Reißverschlüsse stammen übrigens vom koreanischen Markenhersteller YKK. Das geräumige Hauptfach wurde passend auf das optional erhältliche 7802 TT Modular Laptop Case zugeschnitten, welches für 15"-Laptops passt. Ohne diese Schutzhülle passt sogar ein 17"-Laptop hinein, was man dann jedoch mit Bedacht transportieren sollte, da der Rucksack über keinen gepolsterten Boden verfügt. Außer einem einzigen Trennfach an der vorderen Seite des Hauptfaches finden sich darin keine weiteren Innenfächer. Jedoch lässt sich der Modular Daypack mit der praktisch über die komplette Rücken-Innenseite verlaufende Molle Klettfläche individuell (und eben auch modular) mit einzelnen Taschen und/oder Holstern bestücken. Hierzu bietet der Hersteller optional beispielsweise das TT Pouch Set an, aber selbstverständlich passen auch alle Produkte anderer Hersteller. Oben mittig findet sich ein Auslass für einen Trinkschlauch. Eine konkrete, mittige Befestigungsschlaufe für die Trinkblase fehlt zwar, jedoch sind oben rechts und links hinten im Hauptfach zwei D-Ringe vernäht, über die sich die Blase ebenfalls befestigen ließe – oder eben über das Molle-Klettsystem. Ein weiterer D-Ring befindet sich mittig vorn. Neben einem robusten Handgriff verfügt der Rucksack über ein solides und komfortables Tragesystem. Der Rücken ist mit einem festen, thermogeformten Schaumstoff ausgestattet, der dünn genug ist, um Gewicht zu sparen, aber zugleich dick genug, dass kantige Gegenstände wenig durchdrücken. Eine zusätzliche Kunststoffplatte, wie man sie von anderen Herstellern in dieser Preisklasse kennt, wurde vermutlich aus Gewichtsgründen außen vor gelassen. Mittig wurde zudem ein Kanal eingebracht, damit ein wenig Luft über den Rücken zirkulieren kann. Auch die Schultergurte sind ordentlich verarbeitet, bequem gepolstert und verfügen am Ende der Riemen über Daumenschlaufen. Zudem gibt es einen höhenverstellbaren Brustgurt, der sich gleichwohl auch komplett entfernen lässt. Unten lässt sich bei Bedarf auch ein (allerdings nicht mitgelieferter) Hüftgurt befestigen, was bei Tagesrucksäcken per se aber nicht zwingend vonnöten ist. Im Test wurde der Modular Daypack XL dann mit einem ordentlichen Gewicht von gut 10 kg bepackt. Selbst über längere Strecken lief es sich dank des bequemen und gut einstellbaren Tragesystems durchweg ermüdungsfrei. Cordura ist bekanntlich nicht zu 100 Prozent wasserdicht. Dennoch – oder gerade deshalb – ging es abschließend zum Wasserresistenztest für ein paar Minuten mit dem Tasmanischen Tiger unter die nur mäßig aufgedrehte Dusche. Und offenbar ist auch diese Raubkatze recht wasserscheu, denn in alle Fächer drang teils ordentlich Flüssigkeit ein. Wer also im Freien mit einem Laptop oder anderen elektronischen Geräten im Rucksack unterwegs ist, sollte sich unbedingt noch eine Regenschutzhülle dazu besorgen. Erhältlich ist der TT Modular Daypack außer in Olive auch in Schwarz und Coyote-Braun.


Der zweite im Bunde, der TT City Daypack 20, ist mehr Sein als Schein. Denn nach außen hin vermittelt Tasmanian Tiger den Eindruck, ein ganz normaler Touristen-Tagesrucksack zu sein. Verstärkt wird dies zudem durch den Aufdruck Tatonka, der zivilen Muttermarke des Unternehmens. Tatsächlich aber ist es ein reinrassig taktischer Rucksack, der unter anderem eine Waffen- und durchdachte Ausrüstungstransportmöglichkeit für verdeckte Ermittler und Zivilbeamte bietet. Im schlichten, unauffällig titangrauen Design fällt er im urbanen Umfeld kaum auf. Gefertigt ist er aus den sehr robusten und widerstandsfähigen Materialien Textreme 6.6 sowie Tec Rip 5.0. Mit seinen Abmessungen von etwa 49 x 28 x 16 cm bietet der City Daypack ein Volumen von rund 20 l und bringt dabei ein Leergewicht von 970 g auf die Waage. Er verfügt über ein geräumiges, bis unten durchgängiges Frontfach, auf dem auf der Innenseite oben drei kleine Fächer für Stifte und anderen Kleinkram sowie ein Schlüssel­clip eingenäht sind. Doch die Unterseite der Front hält bereits ein separates, verstecktes Fach bereit: Es lässt sich per Reißverschluss öffnen, nach innen einklappen und über ein Klett fixieren. Nun stehen große, teils mit Molle ausgerüstete Klettflächen zur Verfügung, auf denen im Zugriffsfall Einheits- oder Behördenzeichen angebracht werden können – oder auch weitere Ausrüstung. Das Waffenfach befindet sich an der Rückseite des zweigeteilten Hauptfachs. Dort bietet eine durchgehend große Molle-Klettfläche auf der gesamten Fläche ausreichend Platz für Waffen – bis hin zu einer Maschinenpistole, wenn es sein muss. Das Hauptfach ist durch eine (übrigens ebenfalls mit Klettstreifen versehene) Mitteltrennwand geteilt, die aber wiederum nur mit Klett fixiert und bei Bedarf schnell entnommen werden kann. Somit ist die Innenraumgestaltung je nach Einsatzlage flexibel. Oben befindet sich zudem ein Trinkschlauchauslass, jedoch keine direkte Befestigungs­­-

möglichkeit für eine Blase. 

© Daniel Guthannß
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Diese müsste dann irgendwie auf der klettbestückten Trennwand fixiert werden. Das teilbare Hauptfach ist über zwei massive YKK-Reißverschlüsse erreichbar. Diese sind darüber hinaus abschließbar, was für den Transport von Waffen stets von Relevanz ist. Das Tragesystem ist dem des oben behandelten Modular Daypacks sehr ähnlich. Auch hier wurde der Thermo-Mold-Rücken verbaut und wieder gibt es keine Plattenverstärkung, sodass die Ausrüstungsgegenstände bei voll beladenem Rucksack unter Umständen ein wenig durchdrücken. Die schaumgepolsterten Tragegurte verfügen ebenfalls über den abnehmbaren Brustgurt. Ein Hüfttgurt hingegen ist hier bereits dabei; ein klarer Vorteil, wenn der Träger sich zwischendurch einmal schnell und dynamisch bewegen muss. Weiter zu erwähnen sind die beiden elastischen Außentaschen, in denen sich beispielsweise PET-Flaschen hervorragend transportieren lassen. Und selbstverständlich verfügt der City Daypack auch über einen gut vernähten Tragegriff. Im Test konnten die Funktionen des Rucksacks durchweg überzeugen und sicherlich eignet er sich nicht nur für taktische Undercover-Einsätze. Auch der zivile Anwender hat hiermit eine ideale Option, Schreckschusspistole, Jet Protector, Pfefferspray, Lampe, Messer etc. dezent und mit schneller Zugriffsmöglichkeit mit sich zu führen. Ein Schwachpunkt offenbarte sich jedoch auch hier: Die Materialien dieses Rucksacks sind zwar laut Hersteller als PU-beschichtet und somit wasserundurchlässig deklariert, der Regentest zeigte jedoch, dass erwartungsgemäß die Reißverschlüsse und insbesondere das völlig offen gestaltete Trinkschlauchloch Angriffspunkte für eindringendes Wasser bieten. Kommt der Träger in einen ordentlichen Regenguss, läuft er daher ohne zusätzliches Raincover schnell Gefahr, dass empfindliche Ausrüstung oder Unterlagen beschädigt werden. Viele andere Hersteller haben in ihren Daypacks bereits ab Werk eine Regenhülle im Rucksack integriert. Auch würde den beiden Testkandidaten eine (gern auch herausnehmbare) Rückenplatte nicht schaden. Und wenn schon eine Trinkschlauchöffnung implementiert wird, dann doch bitte auch mit Trinkblasenhalterung. Nichtsdestotrotz sind die Rucksäcke von Tasmanian Tiger tadellos und extrem robust verarbeitet – und insbesondere das TT City Daypack 20 ist für die ziviltaktische Anwendung durchweg empfehlenswert. dg

www.tasmaniantiger.info

www.tatonka.com