Brünieren wie die Großen

© Frankonia
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Der Vorgang des Brünierens (von französisch brunir, „bräunen“) dient der Bildung einer schwachen Schutzschicht (Edelrost) auf eisenhaltigen Oberflächen, um Korrosion zu vermindern. Durch Eintauchen der Werkstücke in saure bzw. alkalische Lösungen bilden sich schwarze Mischoxidschichten aus Eisen. Tauchbrünier-Verfahren sind grundsätzlich schneller und deutlich weniger aufwendig als Streichbrünierungen. Wir haben uns die Tauchbrünier-Anlage von Frankonia einmal näher betrachtet.

 

Dass Frankonia am Firmensitz in Rottendorf mit einer größeren Werkstatt inklusive eines Ausbildungsbetriebs, einer eigenen Optikreparatur und eines Schießkellers punkten kann, ist hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass das unterfränkische Unternehmen bereits seit 1993 über eine der größten Tauchbrünier-Anlagen Deutschlands verfügt. Die Anlage wurde seinerzeit unter strengsten Umweltschutzrichtlinien erbaut und von der zuständigen Genehmigungsbehörde abgenommen.

Wie alles begann

Angeschafft wurde das Mehrbeckensystem unter anderem mit Blick auf den Automotiv-Sektor: Professionelle Brünierbetriebe gibt es nicht an jeder Ecke und schon gar nicht im Würzburger Umfeld, wo Frankonia seit 1908 seinen Stammsitz hat. Allerdings sind im Unterfränkischen einige größere Unternehmen der fertigenden Branche ansässig. Für diese Betriebe war die neue Möglichkeit des Brünierens durchaus interessant, sodass sie mit zur Auslastung der großen Tauchbrünier-Anlage in Rottendorf beitragen konnten. Unabhängig vom späteren Verwendungszweck kann die Tauchbrüniererei natürlich auch alle möglichen anderen rostgefährdeten Metallteile veredeln. So werden heute bei Frankonia wieder hauptsächlich Waffenteile mit dem dunklen „Edelrost“ verschönert – auch in Lohnarbeit für Waffenhersteller und andere Büchsenmacherbetriebe.

 

Tauchbrünierung – Leistung und Ablauf

Bis zu zwölf Gewehrläufe schafft die Brünieranlage im Keller von Gebäude II auf einmal, wobei der vollständige Brüniervorgang laut Büchsenmacher Michael Friederich nur knappe 30 Minuten in Anspruch nimmt.

Um auch schwere und schwerste Teile veredeln zu können, gleitet über dem Brünierbecken ein elektrisch bedienbarer Seilzug am Doppel-T-Stahlträger. Die erste Station im Brünierverfahren ist die Entfettung. Hier werden Metallteile im 150 °C heißen Wasser entfettet und gereinigt. Anschließend folgt einer von mehreren Spülgängen. Im dritten Becken werden die Metallteile in 

140 °C heißer Natronlauge tiefschwarz brüniert. In der Folge entsteht die gleichmäßig dünne, klassischerweise dunkel glänzende Oberflächenvergütung, die man im Waffenmarkt gemeinhin als Brünierung bezeichnet. Die Natronlauge besteht übrigens aus speziellem und besonders feinem Büchsenmacher-Brüniersalz, das Frankonia bei einem lokalen Zulieferer aus Nürnberg bezieht. Nach der Natronlauge folgen wiederholte Wasserbäder in einer speziellen Drei-Kammer-Spülung mit Umlaufpumpe, woraufhin die brünierten Teile nochmals mit heißem Wasser ausgespült werden. Abschließend erfolgt ein letztes Bad in der sogenannten Befettung, die die Metallteile gegen Korrosion versiegelt. Obwohl der einstige Hersteller der Anlage heute bereits nicht mehr existiert, wird die Tauchbrünier-Anlage regelmäßig gewartet und überprüft. „Obschon eine Streichbrünierung nicht schlechter ist als eine Tauchbrünierung, stellt die letztere doch eine ganz erhebliche Arbeitserleichterung im Büchsenmacheralltag dar“, so Michael Friederich, der die Tauchbrünier-Anlage von Frankonia bis ins kleinste Detail kennt und wöchentlich bedient. 

www.frankonia.de