Bundeswehr: Doch kein Zuschlag für Haenel

Die Haenel MK 556 © Haenel
Die Haenel MK 556 © Haenel

Nachdem der 250-Millionen-Euro-Deal mit Haenel (Merkel-Gruppe) für das neue Sturmgewehr MK 556 am 15. September 2020 schon in trockenen Tüchern war, ruderte das Ministerium nur wenige Tage danach überraschend zurück. Der Grund dafür sei, dass Haenel eventuell eine Patentrechtsverletzung begangen haben soll, teilte das Ministerium mit. „Vor diesem Hintergrund war die Vergabestelle des Bundes angehalten, das Informationsschreiben an die Bieter über die beabsichtigte Zuschlagserteilung an die Firma C.G. Haenel GmbH aufzuheben", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. „Die Vergabestelle des Bundes wird damit in eine Neubewertung der Angebote unter Berücksichtigung aller Aspekte eintreten.“

 

Dass eine Patentrechtsverletzung vorliegen könnte, hatte erst ein Nachprüfungsantrag, den die Firma Heckler & Koch beim Bundeskartellamt gestellt hat, ergeben. Bei der Patentrechtsverletzung handelt es sich vermutlich um ein Munitions-Magazin, das Haenel von Oberland Arms bezieht. Der US-Spezialhersteller Magpul macht offenbar schon seit Längerem Patentrechte für einige Komponenten des Magazins geltend. Laut „Spiegel“ soll Haenel das amerikanische Ansinnen aber abgelehnt haben, da aus Suhler Sicht kein Patentschutz bestehe. Wenn dem so ist, hätte Haenel eigentlich bereits den ungeklärten Streit von sich aus der Bundeswehr offenlegen müssen.

 

Heckler & Koch hatten sich in der Ausschreibung um das neue Sturmgewehr ebenfalls beworben, jedoch ohne den erhofften und allseits erwarteten Erfolg. Daraufhin hatten Heckler & Koch in einer 320 Seiten starken Ausführung gegen das Vergabeverfahren protestiert. Der Patentrecht-Vorwurf ist nur einer von 60 Punkten, mit denen Heckler & Koch ihren Widerspruch begründen. 

Aus Insiderkreisen heißt es, das Haenel-Gewehr sei nur leicht besser auf die Anforderungen zugeschnitten als die H&K-Waffe, aber deutlich wirtschaftlicher.

www.cg-haenel.de 

www.heckler-koch.com