Messerporträt: Buttermesser

 

Christoph Daim schreibt über handgemachte Messer. Er ist Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde und hat dort die Funktion des Lektors übernommen. Für WM-Intern schreibt er aus der Sicht des Messermachers über ausgefallene und kunstvolle Messer. 

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Vor dem Vergessen bewahrt: Hummergabeln, Obstmesser und die Buckelsklinge, die Vorlage für eine Neuanfertigung sein wird. © Christoph Daim
Vor dem Vergessen bewahrt: Hummergabeln, Obstmesser und die Buckelsklinge, die Vorlage für eine Neuanfertigung sein wird. © Christoph Daim

Die Buckelsklinge, eine extra breite, abgerundete Form des Buttermessers ist seit geraumer Zeit wieder sehr gefragt. Diese Klingenform gibt es schon seit Jahrhunderten – seit der Zeit, als Besteck noch dem Adel vorbehalten war und dem normalen Volk der Löffel als hauptsächliches Esswerkzeug diente. Auch Butter war lange Zeit dem Adel und den Reichen vorbehalten. Davor galt sie in der Antike als Medizin und im Mittelalter als wichtiges Handelsgut. Das erklärt ein wenig den besonderen Status, den sie hatte, auch wenn dieser sich seit der industriellen Massenproduktion deutlich relativiert hat. Man kann sich an dieser Stelle fragen, ob es sich überhaupt lohnt, Gedanken an etwas so Profanes wie ein Buttermesser zu verwenden. Andererseits sind hochspezialisierte Messer, Schneidwerkzeuge und Essbesteck ein wichtiger Bestandteil unserer Essens- und Messerkultur und zudem Teil einer Tradition, die man sich gelegentlich in Erinnerung rufen sollte, um sie vor dem völligen Vergessen zu bewahren. Dazu möchte ich auch die beeindruckende Bestecksammlung des Solinger Klingenmuseums ausdrücklich jedem empfehlen, der sich auch nur im Entferntesten für solche Dinge interessiert! Weil die Suche nach einem bemerkenswerten (modernen) Buckelsmesser für diesen Artikel leider vergeblich war, wurde kurzfristig der Bau eines eigenen Buckelsmessers in Kooperation mit Stefan Gobec beschlossen. Vorbild war das unten abgebildete, antike Messer aus Solingen.

Hier nun das Resultat des gemeinsamen Buckelmesser-Projekts mit der Fa. Gobec. Gesamtlänge 235 mm. Unten der Ebonit-Griff im Detail © Christoph Daim
Hier nun das Resultat des gemeinsamen Buckelmesser-Projekts mit der Fa. Gobec. Gesamtlänge 235 mm. Unten der Ebonit-Griff im Detail © Christoph Daim

Wo und wann die Buckel- (oder auch Buckels-) Klinge entstanden ist, wissen wir nicht, sehr wohl aber, wo sie ihren Namen bekommen hat. Der wurde ihr nämlich in Solingen gegeben, im dort gesprochenen Platt bedeutet „Buck“ nämlich „Bauch“ – also bauchige Klinge. Und sie ist nicht nur bauchig, sondern auch breit und elastisch, um das Aufstreichen von Butter aufs Brot zu erleichtern. Zudem sind Buckelmesser meistens erstaunlich scharf – das macht sie zu echten Alleskönnern, wenn nämlich zur Brotzeit auch Speck, Wurst oder Käse gereicht werden oder Brot geschnitten werden soll. Dem haben wir bei unserem spontanen Messerbauprojekt Rechnung tragen wollen: Unsere Klinge sollte aber zudem rostfrei sein, dünn, elastisch und gut schärfbar. Dank des großen Messerstahl-Lagers der Firma Gobec wurde schnell ein nur 1 mm starkes 1.4034 Blech gefunden. Auch das Härten und die weitere Wärmebehandlung konnten gleich vor Ort durchgeführt werden. Die besonders dünn ausgeschliffene Klinge erfüllte alle oben genannten Anforderungen. Zwei zusätzliche Besonderheiten haben wir unserer Buckelsklinge noch gegönnt: zum einen Nietstifte aus Mokume, die von Johannes Ebener angefertigt wurden. Und dann wäre da noch das Griffmaterial, es handelt sich um Ebonit, ein altertümliches, heute eher seltener Hartgummi, aus dem sonst zum Beispiel Tintenleiter für Füllfedern oder exklusive Pfeifenmundstücke gefertigt werden. www.gobec.at


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