Feuchtgebiete 2021 – Was erwartet uns aus Brüssel zur bleihaltigen Munition?

© Mirosław Iskra / Pixabay
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Seit einigen Wochen wird auch jenseits der Fachverbände und der Expertenkreise über das drohende Aus für bleihaltige Munition intensiv diskutiert. Während Umweltverbände dadurch die heimische Tierwelt gerettet sehen, fühlen sich die betroffenen Jägerinnen und Jäger in ihrer Freiheit und Freizeit bedroht. Aber was kommt nun, und wann?

 

Zuerst einmal bezieht sich die aktuelle Diskussion um das Bleiverbot auf sogenannte Feuchtgebiete, in denen die Jagd mit bleihaltiger Munition verboten werden soll. Das Thema selbst wird seit einigen Jahren in den zuständigen Brüsseler Behörden diskutiert. Auch die Mitgliedsstaaten und die Bundesregierung sind eingebunden. Dabei hat sich schon langsam, aber erkennbar abgezeichnet, dass der Weg hin zu einem Verbot führen wird. In 23 EU-Mitgliedsstaaten sind bereits entsprechende Regeln in Kraft.

Als in diesem September schließlich unter Einbeziehung der Mitgliedsstaaten eine Einigung erzielt wurde, war die Aufregung groß. Wenn man ehrlich ist, ging es aber schon längst nicht mehr, um das „Ob“, sondern nur noch um das „Wie“ eines geordneten Ausstiegs aus der Verwendung bleihaltiger Munition in Feuchtgebieten. Was unter europäischen Jägerinnen und Jägern für Verärgerung gesorgt hat, war die „schlampige“ Umsetzung, beispielsweise die schwammig formulierte Definition eines Feuchtgebietes. Nun steht zu befürchten, dass jede Pfützenbildung nach einem starken Regenschauer zur Bildung eines Feuchtgebietes führt. Gut gemeint ist eben häufig das Gegenteil von gut gemacht.

Zur Ehrlichkeit gehört aber auch dazu, dass längst bekannt ist, dass die nächste Diskussion zum Bleiverbot längst anläuft: Ursprünglich sollte in diesem Oktober ein sogenannter Restriktionsvorschlag für die Verwendung bleihaltiger Munition auch außerhalb von Feuchtgebieten vorliegen. Wegen der großen Aufregung über den ersten Beschluss wird dieser Vorschlag aber bis Anfang 2021 zurückgestellt. Verschwinden wird das Thema sicher nicht.

Denn die EU-Kommission hat Großes vor: Nicht nur will sie die EU bis 2050 klimaneutral machen, sondern auch im Umweltschutz wesentlich ambitionierter vorgehen. Von der Müllvermeidung über mehr Naturschutzgebiete bis zu sichereren Chemikalien reicht der Arbeitsplan der EU-Kommission.

Nun wird es die Aufgabe der verschiedenen Interessengruppen sein, einen Konsens zwischen den grundsätzlich berechtigten Zielen einer sauberen und gesunden Umwelt und jeder Art von Überregulierung herzustellen. Dabei müssen sich auch die Verbände ehrlich machen.

Wahr ist, dass der Einsatz bleihaltiger Munition in der übergeordneten politischen Debatte kein „Gewinnerthema“ ist. Die anerkannte Schädlichkeit von Blei trifft auf eine generelle Skepsis gegenüber dem „Jagdsport“, als was die Jagd außerhalb der Jägerschaft oft empfunden wird. Politische Mehrheiten scheinen hier sicher.

Es wird aber ein geordneter und zeitlich genau geplanter Übergang zu Alternativen nötig sein. Weder dürfen Tiere unnötig leiden, noch dürfen Jägerinnen und Jäger kriminalisiert oder stigmatisiert werden. Die Vorgabe muss klar sein: Das Aus bleihaltiger Munition kann erst dann kommen, wenn sichere und geprüfte Alternativen zur Verfügung stehen. Auch die Kompatibilität mit den Waffen muss gesichert sein. Politisches Wunschdenken bestimmter Gruppen muss sich an der Realität ausrichten.

Diesen Übergangsprozess müssen die jagdaffinen Verbände unter Federführung der nationalen und europäischen Jagdverbände begleiten. Es muss sichergestellt werden, dass es zu keinen weiteren Fehlern, wie die schwammige Feuchtgebiete-Definition, oder zu zu kurzen Übergangsfristen kommt. Themen wie die Afrikanische Schweinepest zeigen, dass die Jagd kein überflüssiges Hobby vergangener Zeiten, sondern eine existenziell wichtige Tätigkeit zum Schutz und Erhalt der heimischen Ökosysteme ist. Dies muss noch stärker herausgearbeitet werden. Dies sollte aber weder Hersteller noch Händler von ihrer Pflicht entbinden, sich auf die kommenden Realitäten einzustellen. Husen / Blendinger   

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