INSIDER Waffenrecht-Experte mit Liebe zum lauten Knall

Klaus Oswald © privat
Klaus Oswald © privat

Klaus Oswald ist bekannt für seine Seminare als staatlich anerkannter Lehrgangsträger. Mit Waffenrecht für Sportschützen, Seenotsignalmittel und Bewachungsgewerbe hat es angefangen, hinzu kam das Sprengstoffrecht für Wiederlader, Vorderlader- und Böllerschützen. Was seine Lehrgänge ausmacht, ist zum einen Oswalds lockere Art und zum anderen der reiche Erfahrungsschatz, der dahintersteckt.

 

Begonnen hat alles bei der Bundeswehr. Dort durchlief Klaus Oswald verschiedene Ausbildungslehrgänge und landete schlussendlich bei der Flugsicherung. Als 1965 seine Dienstzeit auslief, fing er bei der Polizei in Hamburg an. Nach dem normalen Polizeidienst machte er die Ausbildung zum Kommissar und ließ sich danach im Fachbereich Waffen, Munition und Sprengdienst sowie als Schießstandsachverständiger ausbilden. In dieser Funktion leitete er 15 Jahre lang die Waffenwerkstatt der Polizei Hamburg. Während dieser Zeit kam es zu einem tragischen Unfall: Aus einer geladenen und gesicherten Pistole löste sich beim Herunterfallen ein Schuss, der einen Beamten tödlich traf. Klaus Oswald wurde mit der Leitung der Untersuchung beauftragt, um die Ursache zu finden und zu beheben. 

Neben der Leitung der Hamburger Polizei-Waffenwerkstatt beschäftige Oswald sich mehr und mehr mit der Schießausbildung der Beamten. So kam er auch mit dem Schützenwesen in Kontakt und wurde Mitglied im örtlichen Schützenverein. Hier übernahm Klaus Oswald bald die waffenrechtliche Ausbildung der Schützen, da er bereits von Berufs wegen das Waffenrecht mit seinen gesamten Änderungen intensiv studiert hatte. Ab 1984 nahm er auch die Prüfungen für die Waffenrecht-Sachkunde der Sportschützen ab. Parallel dazu schrieb er sein erstes Waffenrecht-Fachbuch, was sich damals jedoch nicht wirklich lohnte, da das Waffenrecht dauernd geändert wurde. 

Ende 1989 schied Klaus Oswald aus gesundheitlichen Gründen aus dem Polizeidienst aus und stürzte sich nun komplett auf das Schützenwesen. So fungierte er mehrere Jahre als Waffenrecht-Referent des Schützenverbandes Hamburg gekoppelt mit der Funktion des Landesreferenten der Schießstandsachverständigen. Nach dem Beenden der Tätigkeit für den Schützenverein blieb nun Zeit für freie Lehrgänge. Es folgte die staatliche Anerkennung als Lehrgangsträger im Waffenrecht für Sportschützen, Bewachungsunternehmer und Freizeitkapitäne. Für diese Lehrgänge schrieb Klaus Oswald ein begleitendes Buch, damit sich die Lehrgangsteilnehmer besser auf die Waffenrecht-Sachkunde in Verbindung mit dem Fragenkatalog des Bundesverwaltungsamts vorbereiten konnten.

Als Sportschütze konzentrierte Klaus Oswald sich zunächst auf die Disziplin KK-Langwaffe, bis er seine Liebe zum Vorderladerschießen entdeckte. Da lag es nahe, das Lehrgangsrepertoire auszuweiten auf staatlich genehmigte Lehrgänge im Rahmen des Sprengstoffrechts für Wiederlader und Vorderlader. Auch hierfür schrieb Klaus Oswald ein begleitendes Fachbuch.

Aktuell führt er Seminare in beiden Sachgebieten durch. Da er im Waffenrecht nicht nur Sportschützen unterrichtet, sondern auch Personen, die die Waffenrecht-Sachkunde beruflich benötigen, hat er die Erlaubnis der zuständigen Behörde, auch während der Pandemie unter Einhaltung strikter Auflagen seine Lehrgänge weiterhin durchzuführen. Aber in näherer Zukunft will Klaus Oswald sich zur Ruhe setzen: „Derzeit bin ich dabei, einen Nachfolger für meine Seminare einzuarbeiten. Ich bin sehr glücklich, dafür Sasa Olevic, Mitglied in der Schießsportgruppe der Bw Hamburg, gewinnen zu können. Dann kann ich mich voll und ganz meinem Hobby, dem Böllerschießen, widmen!“

Lehrgangstermine unter https://klaus-michael-oswald.beepworld.de

Oder Anfrage per E-Mail an k.oswald@hamburg.de

Wieso löste sich der Schuss?

1976 starb ein Beamter der Polizei Hamburg, weil sich beim Herunterfallen einer geladenen und gesicherten Pistole ein Schuss löste. „Nach vielen vergeblichen Fallversuchen konnten wir das Geschehen endlich rekonstruieren. Daraufhin wurde die Waffe in sämtliche Einzelteile zerlegt, um den Fehler zu finden. Die Untersuchung ergab, dass die Ausnehmung im Schlagbolzen, in dem die Sicherungswelle eingriff, zu groß war und sich dadurch beim Herunterfallen ein Prellschlag ergab, der zur Zündung des Zündhütchens ausreichte“, erklärt Klaus Oswald, der damals mit der Untersuchung des Falls beauftragt war. „Dieser Mangel war einer der Gründe, warum die Polizeien der Länder Ausschau hielten nach einer neuen Dienstwaffe.“

Lautes Hobby: Böllerschießen

© privat
© privat

Seit über 20 Jahren ist Klaus Oswald begeisterter Böllerschütze „einfach aus Freude am Spaß!“. Auch hier gab es für ihn keine halben Sachen: Kurzerhand gründete er in seinem Schützenverein eine eigene Böllergruppe, die sich zum „Böllerregiment Hamburg“ mit heute ca. 60 Böllerschützen entwickelte. Durch Oswalds landesweite Aktivitäten im Bereich des Böllerschießens ist er 2017 zum Vizepräsidenten des Arbeitskreises nordbayerischer Böllerschützen (AKNB), heute der Bundesverband der Böllerschützen, berufen worden. Auch im Verband der Schwarzpulverkanoniere (VdSK) mit Sitz in Allstedt ist er als Bereichsleiter für den norddeutschen Bereich aktiv. „Wir Böllerschützen sind eine kleine Gemeinschaft, aber eine große Familie“, beschreibt Klaus Oswald das besondere Gefühl bei diesem Sport. „Und wenn viele hundert Schützen gemeinsam beim Salut zeitgleich schießen – das ist einfach unbeschreiblich!“

Die Autorin dieses Artikels ist Adina Lietz (ali).

Er ist in der Februar-Ausgabe 2021 in WM-Intern erschienen.