HANDEL Euroschirm: Trekkingschirme im Test – Top geschützt bei Wind und Wetter

© Euroschirm
© Euroschirm

Wer draußen auf einer mehrtägigen Outdoor-Tour mit einem Regenschirm unterwegs ist, wird von manchem auf atmungsaktive Hightech-Regenkleidung setzenden Mitstreiter oftmals nur müde belächelt. Dabei gibt es spätestens seit der Erfindung stabiler Trekkingschirme dafür absolut keinen Grund. Im Gegenteil. Denn wer mit solch einem praktischen Utensil wandert, genießt dem gegenüber durchaus viele Vorteile. Wir haben uns einmal zwei Modelle des Marktführers Euroschirm näher angeschaut.

 

Die Firma Eberhard Göbel GmbH+Co kann auf einen sehr langen Erfahrungsschatz im Bereich Schirmbau zurückgreifen. Seit über 100 Jahren entwickelt man in Ulm hochwertige Schirme für alle Bereiche. Darunter handgefertigte Luxusschirme ebenso wie robuste Schirme für Industrie und Fachhandel. Neben Golfschirmen hat sich das Unternehmen insbesondere im Bereich der Trekkingschirme eine ausgezeichnete weltweite Reputation erarbeitet. Sie sind für Wanderer und Globetrotter oder auch nur für den spontanen Wochenendausflug in die Natur eine tolle Alternative zu klassischer Regenbekleidung. Denn so ein Schirm nimmt nicht allzu viel Platz in Anspruch, lässt sich locker umgehängt mitführen oder außen am Rucksack verstauen. Wird er benötigt, ist er blitzschnell zur Hand und noch schneller geöffnet. Dabei sind die Trekkingschirme von Göbel extrem robust konstruiert. Schaft und Gestell bestehen aus bruchfestem Fiberglas, das doppelt genähte Schirmmaterial aus reißfestem Polyamidgewebe, das durch seine Teflonbeschichtung Schmutz abweist und Wasser einfach abperlen lässt. Die Schirme sind somit sowohl korrosions- und verrottungssicher als auch äußerst wind- und sturmfest. Und sollte doch einmal eine extrem heftige Böe unter den Schirm fahren und ihn umklappen, schadet dies den Trekkingschirmen nicht. Sie lassen sich unproblematisch einfach zurückklappen. Die Sicherheitspitzen beugen dabei Verletzungen vor und sind mit einem Abriebschutz versehen. Das weitgehende Fehlen von Metallteilen minimiert zudem die Blitzschlaggefahr. Die Modellvielfalt der Trekkingschirme ist dabei recht umfangreich. Da muss man sich erst einmal einen Überblick verschaffen. Neben den als stabilste Trekkingschirme der Welt beworbenen Modellen namens Birdiepal Outdoor und Octagon sowie den superkompakten Modellen Dainty und Light Trek dürften für die meisten Trekkingfreunde vor allem die Allround-Schirme der Swing-Serie von Interesse sein. Hier bietet der Hersteller eine Reihe Outdoor-tauglicher Variationen und Innovationen zum ers(ch)winglichen Preis. Darunter finden sich der erst 2019 auf dem Markt eingeführte Swing Backpack mit nach hinten verlängertem Schirmdach zum Schutz des Rucksacks oder auch die seit 2010 etablierten Handsfree-Modelle, welche erlauben, den geöffneten Schirm am Rucksack oder einem optional erhältlichen Tragegestell zu befestigen und so beide Hände frei zu haben. Das ist beispielsweise für die Nutzung von Wanderstöcken in schwierigem Gelände überaus praktisch. 

Für einen ausführlichen Test standen WM-Intern ein silber-beschichteter Swing Handsfree sowie ein Swing Backpack in normal schwarzer Ausführung zur Verfügung. Der Handsfree in der Standard-Variante bringt es bei einer Gesamtlänge von 110 cm auf eine gute Schirmspannweite von 114 cm im Durchmesser und auf ein Gewicht von 366 g. Er ist zum Teil teleskopierbar und kommt somit geschlossen auf eine Outdoor-praxistaugliche Länge von nur 76 cm. Im Lieferumfang sind zwei Clips enthalten, die mittels Klettband vorn am Schultergurt befestigt werden und dort, auch wenn der Schirm gerade nicht gebraucht wird, absolut nicht stören. Der Handgriff wird mit einer elastischen Schlaufe einfach am Hüftgurt fixiert. Durch die variable Einstellungsmöglichkeit des Schafts kann der Schirm nun optimal passend in Länge eingestellt und, je nachdem aus welcher Richtung der Regen kommt, in den rechten oder linken Halteclip eingeklickt werden. Das funktioniert in der Praxis recht gut und der Schirm sitzt sicher und fest in seiner Position. Klar, dass man mit einem großen Schirm über dem Kopf nicht unbedingt durchs Dickicht streifen sollte. Beim Wandern auf normal breiten Wegen sowie im offenen Feld spielt der Handsfree aber seine Stärken aus: Man fühlt sich von oben bestens geschützt bei zugleich uneingeschränktem Rundumblick und – vor allem wenn es mit (oder auch ohne) Stöcke stramm bergauf geht – auch gut belüftet. Denn seien wir mal ehrlich: Wie teuer selbst modernste Regenbekleidung auch sein mag, unter Volllast bildet sich darunter immer ein gewisses Maß an Wärmestau und Schweiß. Mit dem Swing Handfree fühlt man sich hierbei hingegen frisch und frei. (Wer es übrigens etwas kompakter – insbesondere im Packmaß – mag, dem sei an dieser Stelle das Modell Telescope Handsfree empfohlen. Es bietet zwar nur eine maximale Länge von 96 cm und eine Spannweite von 109 cm und wiegt gut 20 g mehr, dafür ist der dreiteilige Teleskopschaft auf kurze 48 cm einschiebbar.) Ein faszinierendes Feature bietet das zweite Testmodell, der Swing Backpack. Der Schirm wiegt nur etwa 350 g und hat eine fixe Länge von 76 cm. Der Durchmesser des Schirms beträgt 100 cm. Der Clou: Beim Öffnen fährt an den hinteren Segmenten auf circa 75 cm Breite eine 10 cm lange Schirmverlängerung aus, welche Rücken und Rucksack sowie dem Raum dazwischen einen zusätzlichen Nässeschutz bietet. Ein cooles, funktionales Feature, das bei Mitwanderern mächtig Eindruck schindet – und vor allem seinen Zweck weitreichend erfüllt. Natürlich sind hier mehr bewegliche Teile verbaut. Doch hundertfaches Öffnen und Schließen des Swing Backpack während der Testphase schaffte Vertrauen in die Qualität dieses Systems. Generell funktioniert das manuelle Pin-Spring-System bestens, der Sicherheitsschieber verhindert ein Einklemmen der Finger. Auch mit Handschuhen ließen sich beide Schirme übrigens unproblematisch bedienen. Ansonsten liegt der EVA-Hartschaumgriff angenehm, gut und sicher in der Hand. Und auch sonst konnten die beiden Schirme im Test rundum überzeugen. Keine Frage, dass sie in ihrer Kernkompetenz glänzten. Selbst bei strömendem Regen blieben sie stets absolut dicht. Kein einziges Tröpfchen drang durch das hervorragend verarbeitete Gewebe. Leider waren für den ultimativen Härtetest die Herbststürme für dieses Jahr schon durch. Und so ging es für die simulierte Wind- und Sturmprobe mit dem SUV auf einen abgesperrten Feldweg. Hierbei wurde ermittelt, ab welcher (Wind-)Geschwindigkeit der gegen die Fahrtrichtung aus dem Fenster gehaltene Schirm nach hinten umklappt. Dabei ergaben sich folgende Werte für die beiden Euroschirme. Der Swing Handsfree widerstand bis 45 km/h, der Swing Backpack strich wohl aufgrund seines zusätzlichen Dachteils bereits bei 35 km/h die Segel. Doch beides war kein Bein- beziehungsweise Schirmbruch. Denn wie eingangs erwähnt ließen sie sich nach solch einem „Unfall“ einfach wieder nach vorne klappen – ohne jedwede Beschädigung. Hält man die Schirme hingegen stramm in den Wind, also mit der Spitze nach vorn, hielten sie dem Fahrtwind locker bis zu 90 km/h (das entspricht dem Grad 10 – einem schweren Sturm – auf der Beaufortskala) beim Handsfree und 70 km/h beim Backpack stand. Hier wäre wahrscheinlich noch mehr drin, doch bog sich der Schirm ab dann so stark nach innen und flatterte heftig und lautstark, dass schneller zu fahren hier keinen Sinn mehr gemacht hätte. Das Prädikat sturmfest haben sie damit allemal verdient. Allerdings könnten die Beine bei heftigem Regen mit viel Seitenwind durchaus etwas Nässe abbekommen. Wird derartiges Wetter erwartet, mag es sinnvoll sein, eine leichte Regenhose oder eventuell auch nur ein Paar Gamaschen ergänzend einzupacken. 

 

Doch schützen die Euroschirme längst nicht nur bei Wind und (Regen-)Wetter. Auch bei intensiver Sonneneinstrahlung bieten diese einen sehr hohen Nutzen als mobiler Schattenspender. Dafür sind so gut wie alle Trekkingmodelle von Euroschirm mit einer TÜV-zertifizierten silbermetallischen UV-Schutzbeschichtung erhältlich. Beim Wandern in praller Sonne stellt sich dabei ein deutlicher Chilleffekt für Kopf und Oberkörper ein. Somit erfüllen diese Schirme auch an extrem heißen Sommertagen oder bei Touren nahe dem Äquator einen adäquaten Zweck. Allerdings stellten wir fest, dass durch die Beschichtung auch das Gewicht des Schirmes um ein paar Gramm steigt. Beim getesteten Swing Handsfree betrug diese Differenz gegenüber der offiziellen Gewichtsangabe immerhin annähernd 50 g. Wer auf die UV-Schutzschicht verzichten mag oder diese optisch nicht mag, dem wird sicherlich auch eins der unzähligen anderen Farbmuster oder die Camouflage-Version der Schirme gefallen. Für mehr Sicherheit bei Nacht im Straßenverkehr gibt es zudem eine (tagsüber unauffällige) Reflective-Version. Und auch sonst glänzen die Euroschirme mit durchdachten Details, wie der kleinen Aufhängeschlaufe an der Spitze. Alles in allem bekommt der Kunde mit einem Trekkingschirm aus dem Hause Göbel ein ausgereiftes, durchdachtes Produkt. Näheres zu den einzelnen Modellen und alle Details gibt es auf der Homepage unter 

www.euroschirm.com

Der Autor dieses Artikels ist Daniel Guthannß (dg).

Er ist in der Januar-Ausgabe 2021 in WM-Intern erschienen.